Manitu Blocher hat doch ein Problem

Es ist ja nicht so, dass ich mir auf Twitter solche Freunde suchen würde. Wenn mich eines dieser eher unerfreulichen Exemplare aber lange genug von der Seite anraunzt, oder sich einbildet, sein rassistisch-sexistisches Weltbild interessiere mich auch nur im geringsten, kann es schon mal sein, dass ich seine Neofronti-Gelaber kommentarlos in die Tonne trete. Der Kristallnacht-Twitterer war in dieser Hinsicht übrigens einer meiner erster Kunden. Kommentarverbot seit 2008. (Hätte, jetzt mal so rein hypothetisch gesprochen,  auch einem seiner Parteikollegen auffallen können, das mit den kranken Gewaltfantasien…)

Im Falle von @gamii12 war es jedoch nicht in erster Linie die Einfalt in der Vielfalt seiner Hetz-Tweets, sondern sein krampfhafter Versuch, jenes im Aktivwortschatz von Herrn und Frau Schweizer beinahe verschwundene, abwertende Wort für Italiener («Tschingg») im Zusammenspiel mit seinem besten Onlinekumpel erneut zu etablieren.

Und dann war da noch dieser Spruch, dem ich erstmals 2008 in Norditalien auf Plakatwänden begegnet bin. (Ein Plakat, das die Ultranationalisten um Umberto Bossi offenbar von der Lega dei Ticinesi (PDF) abgekupfert haben.) Ein brauner Brüller, auf den gemäss dem «Standard» die rechtsextreme Monatsschrift «Fakten» aus Österreich das Urheberrecht besitzt:

Und schon stecken wir wieder mitten in der «Einzelfall-Debatte», oder das, was die Schweizerische Volkspartei daraus machen möchte.

Denn ich halte es durchaus für bemerkenswert, dass gerade dieser Spruch von zwei SVP-Jungpolitikern und einem Jungfreisinnigen mit Retweets belohnt wird. Ob der Originalkontext bekannt war sei einmal dahingestellt. Spielt eigentlich auch gar keine Rolle. Wenn SVP-Politiker Sprüchen rechtsextremen Ursprungs auf Twitter bejahend zunicken, ist das für mich zumindest eine mehr als fragwürdige Angelegenheit.

13 Antworten zu “Manitu Blocher hat doch ein Problem

  1. “Wenn SVP-Politiker Sprüchen rechtsextremen Ursprungs auf Twitter bejahend zunicken, ist das für mich zumindest schon mal eine mehr als fragwürdige Angelegenheit.”
    Fragwürdig finde ich vor allem, jetzt aus allem und jedem einen Rassismus-Skandal konstruieren zu wollen.

    Es ist auch äusserst fragwürdig, einen simplen Retweet als Aufmacher zu missbrauchen und den Originalkontext zu ignorieren (sofern es überhaupt einen gab). Frech hingegen ist die Interpretation, dass ein Retweet automatisch Zustimmung bedeutet.

    Die Titulierung “Jung-Politiker” nehme ich jetzt mal als Kompliment …

  2. Ich konstruiere gar nichts, ich stelle nur fest. Immerhin waren es aber doch drei Retweets: Zwei von SVP-Politikern, einer von einem FDP-Anhänger. Selbstverständlich würde es niemanden erstaunen, wenn die SVP genau dieses Sujet für die nächste Plakatkampagne verwenden würde. Das ist ja genau das Problem.

  3. Das Problem ist, dass Du sogar in diesem dummen Spruch eine Verbindung zu den Nazis siehst. Das grenzt ja schon an Paranoia.

  4. @limi: Das liegt nun mal in der Natur von kryptofaschistischen Botschaften: Oft schwer greifbar, aber jeder weiss was gemeint ist. Ihr oder wir, dazwischen gibts nichts.

  5. Es kann ja auch satirisch gemeint sein.

  6. Dann waren all die SVP-Hetzplakate der letzten 20 Jahre gegen Ausländer, Linke, IV-Bezüger usw. auch nur Sartire? Hat offenbar aber niemand verstanden. Vielleicht wäre es mal an der Zeit aufzulösen, offenbar werdet ihr selbst von den eigenen extremen Anhängern nicht mehr richtig verstanden.

  7. Das meinte ich mit “konstruieren”, denn ich verstehe den Zusammenhang zwischen meinem Retweet und einem SVP-Plakat nicht. Ist ja auch klar, es gibt schlicht keinen.

  8. Ich wollte auch nichts konstruieren. Es geht allein um die Feststellung, dass Leute, die offen gegen Fremde hetzen, wie oben erwähnter gamii12, und SVP-Politiker offenbar über ein sehr ähnliches “mindset” verfügen.

  9. Beim Spruch “Die Indianer konnten die Einwanderung nicht stoppen – heute leben sie in Reservaten” kann ich beim besten Willen keine Hetze gegen Fremde erkennen. Denkst Du nicht, dass Du Dich da in etwas verrannt hast und einer fixen Idee nachläufst?

  10. Der Spruch ist schlicht abartig, weil er die exterminatorische Absicht in Wattebäuschchen verpackt – darum ist er auch so beliebt unter Rechtsextremen.

  11. “Wenn wir die Einwanderung nicht stoppen, sterben wir aus”, also Einwanderung bedroht “uns”, also “wir” sind anders als die Einwanderer, also “wir” müssen die Einwanderung stoppen, also “wir” oder “sie”. Doch doch, da erkenne ich doch Hetze, definitiv.
    Aber ganz logisch und halt typisch SVP die Argumentation des limi: Gezielt hetzen und dann einen auf blöd und “so haben wird das nicht gemeint, tut doch nicht so” machen. Der Spruch gehört übrigens seit Jahren zum rhetorischen Werkzeugkoffer der Rechten: Die Freiheitlichen in Österreich, die Republikaner, NPD etc. Wenn Sie nur 1 Minute auf Youtube danach suchen, dann sehen Sie, welches Pack mit diesem Spruch rumpropagandiert.

  12. Weil ich kein Rechtsextremist bin, lese ich keine rechtsextreme Propaganda, schaue mir keine rechtsextremen Videos auf Youtube oder sonst wo an und interessiere mich nicht für die rechtsextreme Szene. Deshalb kann ich nicht beurteilen, welche Sprüche, Sätze oder Worthülsen in deren Sprachgebrauch grad “in” sind.

    Mich einzig durch einen Retweet und meiner Parteizugehörigkeit in eine rechtsextreme oder gar braune Ecke zu stellen erfüllt beinahe den Strafbestand der Verleumdung, da sich ugugu noch nicht einmal die Mühe genommen hat, den Tweet zu anonymisieren, sich selber allerdings hinter einem Pseudonym versteckt. Es geht hier nur darum, gezielt einzelne Personen (willkürlich ausgewählt) zu diffamieren und solange zu provozieren, bis irgend eine dumme Äusserung gemacht wird, die man nachher genüsslich ausschlachten kann. Das ist eine äusserst fragwürdige Taktik.

    Fakt ist, dass sich all diese selbsternannten Hüter der Moral bereits derart in ihre vorgefassten Meinungen verbissen haben und dadurch jegliche Objektivität und Sachlichkeit verloren haben. Damit ist die Basis für eine vernünftige, respektvolle Auseinandersetzung in Form einer Diskussion, die durchaus auch kontrovers geführt werden kann, nicht gegeben.

    Es stellt sich mir auch die Frage, wer hier die wirklichen Hetzer sind. Sind es diejenigen, welche sich auf rechtsstaatliche und demokratische Mittel berufen und Gesetzesänderungen vorschlagen oder sind es diejenigen, welche namentlich irgendwelche Personen aus dem Netz picken, ihnen einen Nazi-Sticker verpassen und so deren Persönlichkeitsrechte massiv verletzen? Denkt mal einen Augenblick oder zwei darüber nach.

  13. Fair enough. Das veröffentlichen deines Tweets ohne Verfälschung oder vorherige Anfrage kann man durchaus als grenzwertig taxieren.

    Ich kann mir allerdings nicht vorstellen, dass eine “Neue Luzerner Zeitung” (oder eine “Wiler Zeitung” im Falle von Manuel Cadonau) nicht aus Tweets regionaler SVP-Politiker zitieren würde. Und Nazi-Sticker verteilen will ich schon gar nicht.

    Möchte bei der Gelegenheit aber auch mal wieder daran erinnern, dass in diesem Land eine Menge Leute leben, die nicht pauschal als potenzielle “Vergewaltiger” (Ivan S.) und “Kriminelle” betitelt werden möchten. Die Ecke ist nämlich auch nicht lustig.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s