Die Verbalentgleisungen des Herrn Dr. S.

Wie lautete erst kürzlich die Devise aus dem SVP-Parteisekretariat nach den rassistischen Entgleisungen zweier Mitglieder auf Twitter und Facebook:

“Rassistisches und fremdenfeindliches Verhalten ist nicht tolerierbar. Solche Leute haben in der SVP nichts zu suchen. [...] Wichtig ist, dass in Fällen, in welchen es zu Verfehlungen kommt, bei den zuständigen Stellen die Verantwortung wahrgenommen und gehandelt wird.”

Tatsächlich wurde in den zwei Fällen die Konsequenz gezogen. Beide aus der Partei ausgeschlossen. Machen wir deshalb doch gleich nochmals die Probe aufs Exempel. So eine neue Parteilinie will ja schliesslich getestet sein…

Da schreibt vor zwei Tagen also ein nicht ganz unbekannter, eher prominenter SVP-Politiker über Palestinenser in der Schweiz :

«Warum werden Palästinenser überhaupt als Asylanten aufgenommen? Die haben doch ein Autonomiegebiet! Dort sind sie doch nicht im geringsten verfolgt! Sie sind weder als Asylbewerber noch als «vorläufig Aufzunehmende» zu akzeptieren! Fort mit dem Pack

Weiter schreibt der Autor (seines Zeichens übrigens Chefredaktor) in seinem berühmt-berüchtigten Stil als Fazit über eine Eifersuchtsszene, die sich erst kürzlich vor einer Zürcher Asylunterkunft zugetragen haben soll:

«Man kündigte der Gemeinde seinerzeit ‘Flüchtlinge’ an, angeblich ‘an Leib und Leben gefährdete Menschen’. Tatsächlich kam Abschaum. Elendes Schlägerpack! Die Gemeinde soll sich an den wie Tiere Herumbrüllenden erfreuen, als sei dies die ihr verordnete Sonntags-Idylle…»

Hoppla. Wenn das mal kein klarer Verstoss gegen das neue SVP-Credo ist. Oder, um es in den Worten von SVP-Generalsekretär Martin Baltisser zu sagen: «Wichtig ist, dass in Fällen, in welchen es zu Verfehlungen kommt, bei den zuständigen Stellen die Verantwortung wahrgenommen und gehandelt wird.»

Selbst wenn, und das wäre in diesem konkreten Fall die bittere Pille, es sich dabei um einen langjährigen und bewährten Propaganda-Häuptling im Kampf gegen alles «Böse»* in der Welt Schweiz handelt.

Rassistisches und fremdenfeindliches Verhalten in der SVP nicht tolerierbar? Man wird sehen…

*Die EU, Minarette, Asylsuchende, IV-und Sozialhilfebezüger, Atheisten, Hanffreunde, Homosexuelle, Abtreibungsbefürworter, um nur ein paar Beispiele zu nennen…

Update I, 23. Juni 2012: Die wirkliche Pointe hat Herr S. in seinem letzten «Schweizerzeit»-Editorial sozusagen vorweggenommen: Genial!

Update II, 23. Juni 2012: Halten wir fest: Herr S. denkt nicht im geringsten an eine Entschuldigung, sondern bekräftigt nochmals seine Aussagen. Und die SVP deckt offiziell seine Fremdenhatz.

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3 Antworten zu Die Verbalentgleisungen des Herrn Dr. S.

  1. Ein bewunderswerter Herr. Welch gut durchdachte, abwägende Stellungnahme – NICHT!

  2. tja, mich würde interessieren, wie sich die Herren-SVP verhalten, wenn man sie mit ein paar Frauen über Wochen, Monate oder länger auf engstem Raum zusammen pfercht….

  3. Also bitte, das Zitierte sind doch ganz kommune Beschimpfungen; eine rassistische Dimension haben sie nicht. Wie soll man Krwallanten und Schläger eigentlich qualifizieren – vielleicht als besonders kulturvoll?

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