Die AL will mit den Köpfen von Sepp B. und Marcel O. gegen die A-Initiative polemisieren. «20 Minuten» berichtet darüber, depubliziert kurz darauf den Artikel aber wieder. Dann sagt die APG ebenfalls njet zum AL-Plakat, weil Gessler im Auftrag von Sepp B. oder Marcel O. etwas dagegen hat.
Jetzt kann es natürlich immer noch Zufall sein, dass der Artikel auf «20 Minuten» einfach so verschwunden ist. Muss es aber nicht. Weiss wer was?

Archivschwund statt Inseratenschwund … plus anwaltliche Post … beides sind Vermutungen, ich verfüge dazu kein auch nur halbwegs gesichertes Wissen.
In der Sache neige ich auch zur Sicht, dass hier irgendetwas nicht stimmt. Die Artikel sind sonst viel länger online. Was im Hintergrund aber wirklich läuft, und da hat Martin recht, können wir nur vermuten. Wieso aber der Artikel nicht online bleiben sollte, wird damit aber nicht klarer.
Das ist eine sehr brisante Angelegenheit. Gab es das Ospel- und Blatter-Plakat jemals als jpg-File online? Darf man das auch im Netz nicht veröffentlichen?
Nachdem bereits die AL anwaltliche Post erhielt, dürfte bei den Medien das gleiche geschehen sein. Und wenn Nobel & Hug anklopft, werden anwaltliche Wünsche meistens sehr ernst genommen … inklusive Artikelarchiv.
@Philippe: Sofern ich mich richtig erinnere, war das Plakat auf “20 Minuten” nicht abgebildet. Auf der AL-Seite kann ich es allerdings auch nirgends finden.
Laut dem Tages-Anzeiger vom 15. Oktober wurde der im Internet publizierte 20-Minuten-Artikel auf Betreiben von Blatters Anwalt Gessler direkt bei Google gelöscht. Allerdings, schreibt Redaktor Ruedi Baumann, sei dabei die Version für Mobiltelefone vergessen gegangen;-)
Die Plakat-Storry hab ich im P.S. Nr. 37 vom 21. Oktober zusammengefasst, falls es wen interessiert…
@NicoleSoland: Danke für die Info! Direkt bei Google gelöscht? Haben die Googlianer denn direkten Zugriff auf die Tagi-Server?
(Abgesehen davon würde mich der Artikel im P.S. Nr. 37 brennend interessieren, gibt es dazu ein Link oder zumindest ein PDF?)
@ugugu: das mit dem direkten Zugriff weiss ich auch nicht; aber den Artikel gibts als pdf. Nur weiss ich leider nicht, wie man sowas in einen Blog hängt… (also mailen kann ich schon, im Fall;-) nur wohin?)
hier hin, bittesehr und dankeschön.
Rechtsanwalt Gessler lässt Wilhelm Tell hängen
Von Ruedi Baumann
Mit einer Kampagne zur Ausschaffungsinitiative will die AL provozieren. Doch die Plakate mit Ospel und Blatter wurden gestoppt.
Zürich – Die Alternative Liste (AL) hat von der SVP gelernt: Man kreiert provokative Plakate, verursacht einen Wirbel und muss sie am Schluss gar nicht mehr aufhängen. Was der AL, die nicht über die Mittel der SVP verfügt, ohnehin gelegen kommt. So bereitete die AL Zürich und Schaffhausen zusammen mit der Alternativen Linken Bern eine Kampagne vor unter dem Moto: «Jugos hängt man – Abzocker und andere lässt man laufen.» Als Plakatsujets dienten die Konterfeis von Wilhelm Tell, Marcel Ospel und Fifa-Boss Sepp Blatter.
Nationalheld Wilhelm Tell sei aus damaliger Sicht «nichts weniger als ein Terrorist» gewesen, sagt AL-Gemeinderat Niklaus Scherr. Deshalb müsste er gemäss SVP-Initiative ausgeschafft werden. Weil sich Tell nicht mehr wehren kann, wird dieses Plakat aufgehängt.
Mit den beiden anderen Sujets beging die AL hingegen juristisches Harakiri. Der frühere UBS-Chef Ospel müsste gemäss Plakat wegen «arglistiger Vermögensschädigung» und Blatter wegen «Beteiligung an krimineller Organisation» ausgeschafft werden.
Die Entwürfe landeten bei der Pendlerzeitung «20 Minuten» – und der Wirbel war lanciert. Fifa-Rechtsanwalt Dieter Gessler liess den Wilhelm Tell zwar laufen, warf sich aber in die Schusslinie der Fifa und schickte der AL eine Abmahnung. Sein Argument: «Diese Kampagne ist klar ehrverletzend. Zudem akzeptiert die Fifa in keiner Form ehrverletzende, irreführende und unwahre Informationen, weder über die Organisation noch über deren Mitglieder.» Marcel Ospel meldete sich nicht. Die Plakatgesellschaft APG jedoch weigerte sich, die Ospel- und Blatter-Plakate aufzuhängen. «Bei beiden Sujets war nicht einmal das Recht am Bild geklärt», sagt Nicolas Adolph von APG.
Blatter bei Google gelöscht
Die Fifa-Maschinerie arbeitete schnell. Der auch im Internet publizierte «20 Minuten»-Artikel «Linke wollen Ospel und Blatter ausschaffen» vom 1.Oktober wurde direkt bei Google gelöscht. Aber nur teilweise: Die Version für Mobiltelefone ging vergessen. Womit wieder einmal bewiesen wäre, dass das Internet nichts vergisst.
@Martin: Danke, das war schneller als via Mail.
Mit anderen Worten: Anstatt die Geschichte weiterzuziehen hat «20 Minuten» einfach den Löschbutton betätigt. «Wurde direkt bei Google gelöscht» ist ja ein ganz lustiger Euphemismus für «haben wir leider zensuriert.»