Ein paar Stellen hier. Zack! Ein paar Jobs dort. Zack! Der Zürcher Presseverein (zpv) schätzt die durch den grossen Zürcher Landblättli-Deal eingeleitete Journi-Entsorgungsaktion auf unterdessen 100 Stellen.
Während Tamedia die Angestellten in alter Seemannstradition scheibchenweise über Bord wirft, um das böse Wörtchen Massenentlassung (229 Journalisten in 16 Monaten) elegant zu umschiffen, kommuniziert die NZZ-Gruppe eher überhaupt nicht, oder immerhin so zurückhaltend, dass man (also ich) bis zur Notiz beim zpv wenig davon erfahren habe.
Über die Reling gekotzt wird darob auf beiden Zürcher Mediendampfern, was man so hört. Und liest: Ein vorzüglicher, wenn auch eher unappetitlicher Einblick, wie man bei Tamedia «überflüssiges» Personal aus dem Betrieb mobbt, vermittelt diese unterdessen etwas angestaubte Mail der Tamedia-Personalkommission ans Personalmanagement von Tamedia:
Betreff: Umgang mit dem Personal
26.7.2010 Verschiedene KollegInnen aus den Split-Redaktionen haben sich heute bei der Personalkommission über das Auftreten des Tamedia-Personalmanagements bei den sogenannten „Bewerbungsgesprächen“ beklagt. Demzufolge hätten die Personalverantwortlichen eine Kopie von den Jahresgesprächen der betreffenden Mitarbeiter vor sich und würden daraus zitieren, bzw. die Mitarbeitenden mit den im Jahresgespräch gemachten Aussagen konfrontieren.
Für die Peko ist dieses Vorgehen absolut inakzeptabel. Wir fordern das Personalmanagement dringend auf, davon abzulassen.
Die Tamedia verletzt mit diesem Vorgehen den von ihr selbst garantierten Datenschutz. Demnach haben einzig die betroffenen Mitarbeitenden selbst, deren Vorgesetzte sowie das Personal-Management Einsicht in das Personaldossier (Merkblatt zum Jahresgespräch für Mitarbeitende). Wenn nun in Anwesenheit anderer Personen aus dem Jahresgespräch zitiert wird, dann ist dies aus unserer Sicht eine grobe Verletzung dieses Schutzes und der Persönlichkeitsrechte der Mitarbeitenden. Darüber hinaus untergräbt ein solches Vorgehen auch das Vertrauen der Belegschaft in die Leitung der Tamedia und in das Instrument des Mitarbeitergesprächs. Manche KollegInnen werden sich künftig gut überlegen, was sie im Jahresgespräch äussern, wenn sie riskieren, dass es gegen sie eingesetzt wird.
Bereits vor dem heutigen Tag gelangten verschiedene Klagen über die Bewerbungsgespräche an die Peko. Sie betrafen allesamt das Verhalten der Personalverantwortlichen. Es ist die Rede davon, dass die HR-Vertreterinnen vor allem die Schwächen der Split-Mitarbeiter herausstreichen oder ihnen gar in den Rücken fallen würden.
Schon bei den Entlassungen im vergangenen Jahr haben sich mehrere langjährige KollegInnen bitter über das schroffe Verhalten einzelner HR-Vertreterinnen beschwert. Die TA-Belegschaft ging damals von einer Ausnahmesituation aus, die sich nicht wiederholen würde. Offensichtlich ein Irrtum, wie sich jetzt zeigt. Von einem Unternehmen wie Tamedia erwarten wir einen professionellen und rechtlich einwandfreien Umgang mit dem Personal. Wir fordern Sie nachdrücklich auf, unverzüglich dafür zu sorgen.
Die Peko teilt die Ansicht der Redaktionskolleginnen und -kollegen, wonach Fragen wie etwa jene nach dem Wohnort der Angestellten fehl am Platz sind, zumal der Arbeitsweg Sache der Arbeitnehmenden ist. Wenn die geringe Distanz zum Arbeitsplatz ein Grund sein soll, eine Stelle zu bekommen, so erinnern wir Sie daran, dass manche unserer Auslandkorrespondenten weitab von ihren Berichtsgebieten leben – und zwar auf Anordnung der TA-Leitung.
Stossend und rechtlich problematisch ist es, wenn Mitarbeitende von Personalverantwortlichen mit Äusserungen konfrontiert werden, welche der/die Mitarbeitende irgendwann gegenüber jemandem im Betrieb gemacht hat und auf welche die Person zuvor nie angesprochen worden ist.
Schon bei den Entlassungen im vergangenen Jahr haben sich mehrere langjährige KollegInnen bitter über das schroffe Verhalten einzelner HR-Vertreterinnen beschwert. Die TA-Belegschaft ging damals von einer Ausnahmesituation aus, die sich nicht wiederholen würde. Offensichtlich ein Irrtum, wie sich jetzt zeigt. Von einem Unternehmen wie Tamedia erwarten wir einen professionellen und rechtlich einwandfreien Umgang mit dem Personal. Wir fordern Sie nachdrücklich auf, unverzüglich dafür zu sorgen.
Erich Mielke wäre stolz gewesen auf den grössten Printmedienverlag der Schweiz. Womit hier auch noch elegant der Bogen zum Thema 20 Jahre Deutsche Einheit geschlagen wäre. Wozu auch immer.