Monatsarchiv: Juli 2010

Volksbefragung

Wie alle anderen Medien auch, komme ich hiermit meinen Pflichten nach, über die millionenschwere PR-Aktion der Schwäbischen Volkspartei zu berichten. Nur fällt mir dazu nichts ein. Prosit, und bis zu den Wahlen.

Ralphs’ Gosse-Brei

Wie sagte noch im Frühjahr der frisch gebackene (oder muss es heissen wiederaufgebackene?) «Blick»-Chefredaktor Ralph Grosse-Bley in einem Inti:

Vom Presserat wurde entschieden, dass man die Fotos im Internet nicht einfach in der Zeitung wiedergeben darf. Das habe ich zu akzeptieren. Würden Sie die Geschichte wieder machen? Nein, wobei ich sagen muss, dass ich damals nicht mal interimistischer Chefredaktor war.

Damals hatte der Presserat angeprangert, der «Blick» habe in  «krasser Weise» gegen Persönlichkeitsrechte  verstossen: Verurteilt wurde die Verwendung von «Sado-Maso»-Bildern einer Gemeindeangestellten und die «Plünderung einer Grabstätte» in einem Artikel  über den Tod von Martin Suters Sohn.

Was uns nach dem Loveparade-Drama in Duisburg direkt zur Frage führt: Was kümmern einen Ralph Grosse-Bley die  Persönlichkeitsrechte von Toten und deren  Angehörigen in Spanien, Italien oder Deutschland? Offenbar überhaupt nichts: Ist doch alles Hans was Heiri. So viel zur Halbwärtszeit guter Vorsätze in der Boulevardbranche (Siehe Zitat oben.)

Wie andere CH-Boulevardianer auch, nehmen die Damen und Herren Chefgossenreiter Persönlichkeitsrechte ungefähr genau so lange ernst, als ernsthafte Schadenersatzforderungen zu befürchten sind. Im Zweifelsfall gilt jedoch das stramme Newsroom-Motto: Wir sind zynische Arschlöcher, stolz darauf und verdienen damit erst noch unseren Lebensunterhalt.

Jenny Virginia (Sehr meta, aber sehr lustig)

Wer auch immer es sich zur Lebensaufgabe gemacht haben mag,  Bobby California zu parodieren: You are a freakin’ genius! (Ich bin’s übrigens nicht.)

They’re Building a Wall

248 mehr oder minder gelungene Protestsongs von David Rovics gibts gratis hier oder hier zum Download. Sehr prima Sound. Go for it.  [via]

Thurella

Innovativ wären sie ja, nur der Verwaltungsrat ist ein Saftladen im Saftladen.

Tamedia für schäbige Entlassungspraktik verurteilt

Drei nachzuzahlende Monatslöhne für den während des «Maimassakers 2009» entlassenen PEKO-Präsidenten wird jetzt Kall, Supino & Co nicht gerade aus den Socken hauen, aber vielleicht schnüffeln sie wenigstens einmal vorsichtig daran.

Und jährlich grüsst das Studienmonster

Print ist toll, Print ist toll, drum lügen wir euch die Hucke voll! (Ist es eigentlich Zufall, oder liegt es am verlegerischen Gespür für Sommerlochthemen, dass der Schweizer Verlegerband seine zweckoptimistischen Studien immer ungefähr zur gleichen Zeit veröffentlicht, wie die nicht minder faktenhassenden Printmaschinenbesitzer in Deutschland?)

Zwischenlager Bundesplatz

Der Bund will, ähm, in zehn Jahren über Methoden verfügen, wie unsere Nachfahren vor radioaktiven Abfällen gewarnt werden könnten: Very funny indeed! Zu meinen Lebzeiten wird hoffentlich kein Wahnsinniger die Idee umsetzen, den Dreck tatsächlich irgendwo zu verbuddeln. Als Zwischenlager, für, sagen wir mal die nächsten 200 Jahre, schiene mir am geeignetsten der Platz mit dem schnieken Springbrunnen vor dem Bundeshaus. Als Alternative böten sich allenfalls Sakralbauten, auf dass die Atomstromgläubigen auch noch in einer Million Jahre ihren Mess(ias) anbeten können.

Inserateman strikes back

In diesem Jahr vergeben wir den fragwürdigen Titel Mr. und Miss Vetternwirtschaft an: Konrad Hummler (NZZ-Verwaltungsrat, Banker, Dorfkönig, Rundbriefschreiber) und Marina Masoni (ehemals Miss Sozialabbau im Kanton Tessin). Obwohl in diesem aufschlussreichen Stück Gonzojournalismus noch ein paar weitere heisse Kandidaten für die ganz vorderen Ränge genannt werden. Macht ja nix. Nächstes Jahr einfach früher zum Casting melden.

200’000 Fichen

7,8 Millionen Einwohner.  Ergibt Handgelenk mal Pi eine Fiche pro 40 Einwohner. Jetzt wo die Deutschen diesen Gauck nicht mehr brauchen, könnte der doch bei uns mal die Archive aufräumen? However: Einsichtsgesuch eingereicht. I am very sorry Mr. Thür, da müssen Sie jetzt durch.

Hallo Migros – It’s me again…

Ich denke, das Thema Cumulus-Entlassung(en?) müssen wir nochmals aufgreifen, weil seit unserem letzten Social-Media-Smaltalk eine Menge interessante Fragen aufgetaucht sind:

  1. Wie viele Cumulus-Sammler entlässt die Migros denn so pro Jahr?
  2. Mich würde interessieren, ob die Migros (und auch der Coop) erfassen, welche Angestellten wie oft Cumulus-Karten erfassen – und ob diese Daten lohnwirksam sind.
  3. Warum führt die Migros keine kundenfreundlichen Kassen für Cumulus-Verweigerer?
  4. Und dann noch die Bonus-Frage. (Auf die ich wirklich SEHR gerne eine Antwort hätte. Also besonders gespannt bin. Tricky, aber nicht unlösbar.)

Das Thema «Zensur im Migros-Magazin» greifen wir dann separat nochmals auf. Wenn’s ok ist? Erst muss ich den Inhalt des geschredderten Artikels ja gelesen haben, sonst wirft mir Griesgram Bobby C. wieder unsaubere Recherche vor. Bis alle Schnippsel zusammengeklebt sind, dauerts aber noch eine Weile. Schneller als die Medienbeobachtungs-Profis vom «Schweizer Journalist» sollte ich das aber allemal hinkriegen. Glaubs.