Monatsarchiv: Mai 2010

Liberté, Egalité, Anonymité

Je soutiens. Möge hier nie ein Hurluberlu auftauchen.

Hogi goes NZZ

Pardon, ab sofort nur noch Dr. Peter Hogenkamp, FDP-Mitglied in spe.

Damit dürfte für «NZZ-Online» schon mal vom Tisch sein…

  • Unausgegorene PaidContent-Träumereien à la Merdoch.
  • Übermässige Heilserwartungen an Produkte mit angebissenem Apfel.
  • Artikel ohne Links.
  • Zielloses Shoppen irgendwelcher Onlinebuden.
  • Blogbashing.

Tendenziell steigen dürfte die Anzahl Twitter-Accounts und ähnlicher Gimmicks innerhalb der NZZ-Redaktion. Wollen die Erwartungshaltung mal nicht zu hoch schrauben: Mögen digitale Gräben zugeschüttet, und möglichst viele, allenfalls den technischen Möglichkeiten etwas angepasste, journalistische Eigengewächse kreiert werden. Die alte Tante darf ruhig mal etwas durchgeschüttelt werden. Not to shaky times wünsche ich dazu schon mal.

Mal was aus USA

So if you see a man in suspenders and a yellow baseball cap, possibly being strangled by his own yo-yo, please — do not alert your local news station.

Massenflucht in die Bankenbranche?

Abt. Super Symbolbild: Ob Markus Spillmann, Chefredaktor NZZ (rechts im Bild, oder ist er’s etwa nicht?), auch bald dem Ruf des grossen Geldes folgt? Als ehemaliger PR-Berater und Mitarbeiter einer Grossbank, bringt Spillmann wenigstens Branchenerfahrung mit, ganz im Gegensatz zu Hartmeier, der als Chefkommunikator erst einen Zeitungskonzern managen durfte, bevor er zweimal hintereinander zum Chefredaktor wegbefördert wurde.

Hallo Migros

Ich habe wirklich selten das Bedürfnis mit einer Marke ins Gespräch zu kommen. Also eigentlich gar nie. Da ihre PR-Mitarbeiter diesen neumodischen Blogüberwachungskram jetzt aber schon mal eingerichtet haben – weil man möchte ja neuerdings furchtbar nahe beim Kunden sein, wissen was die Kunden denken, mittels Feedback die Produkte verbessern und mit verständnisvoller Miene da und dort  in den Kommentaren rumschleimen. Bli, Bla und Blup.

Machen wir doch  die Probe aufs Exempel, mit etwas komplexeren Fragen:

1. Kürzlich wollte ich einer Migroskassiererin 1400 Cumulus-Punkte schenken. Da die gute Frau fast nicht verstand, warum ich eine sackteure Matratze kaufe, ohne Besitzer einer Migros-Kundenkarte zu sein, meinte ich spontan: «Buchen sie es einfach auf ihre Cumulus-Konto». Fast wäre die Frau im Boden versunken, schaute sich verwirrt um, und erklärte dann: Kürzlich sei eine Kollegin für genau dieses Vergehen entlassen worden. Nach über dreissig Dienstjahren wolle sie keinesfalls ihre Pension aufs Spiel setzen. Ich verstand das.

Was ich nicht verstehe: Wie kann man ernsthaft Angestellte für ein paar mikrige Cumulus-Punkte auf die Strasse stellen?  Dutti Ché Duttweiler hätte wohl eher das Management, den Filialleiter oder den Personaler für solch groben Unfug gefeuert. Erklären Sie mir das?

2. Und dann noch eine echte Knacknuss für die Reputation Defender aus der Migros-PR-Abteilung: Glauben Sie ernsthaft, mit dieser dreckigen Zensurnummer kommen Sie durch? Ringier werde für diesen Freundschaftsdienst keine Lidl-Stories über Migros-Verkäuferinnen mehr schreiben, die wegen einem gestohlenen Rädchen Wurst entlassen wurden?

Gut möglich, aber bei mir kommen Sie damit nicht durch. Ich würde aber auch keine Migros-Inserate schalten. Und auf Einkäufe in der Migros hab ich jetzt auch nicht mehr so wirklich Bock. Kann ich meine unbequeme, leider bereits  etwas abgenutzte Matratze noch eintauschen?

Und (fast) alle so: Yeah!

Das Rumgemurkse hat ein Ende: We have Direktör. Dazu nur zwei Dinge: Stunden, ach was, gefühlt Tage, bevor irgendein supidupischnelles Internetzmediendingsbums den King of Swiss TV bekannt gab, vermeldete die Mediengewerkschaft Syndicat den Sieger via Twitter (inkl. klarer Ansage).

To all Mediaoutlets: Schnarchnasen!

Ansonsten ist zu bedauern, dass Bankerspross Roger de Weck für die kommenden Jahre publizistisch ruhig gestellt ist. Was ich damit meine, sieht man etwa in diesem vorzüglichen Gespräch aus dem letzten Jahr mit Franky «Payback» Schirrmacher.

Unbedingt bis ans Ende gucken, wird kontinuierlich unterhaltsamer. Darin kommen auch die drei Blogs vor, die Schirrmacher kennt und liest. Welche, verrate ich nicht.

Ansonsten werde ich Roger de Wecks künftiges Wirken mehr oder weniger an seinen Aussagen in diesem Interview messen. Good luck!

FDP – Die Laberösen

FDP 2005:

«Wenn es nach den starken unliberalen Kräften in diesem Lande ginge, dann müssten wir vor allem eines haben: Angst. Angst vor Ausländern, Angst vor Arbeitsplatzverlust, Angst vor Europa und der Welt, und so weiter. Schlicht Angst vor der Zukunft. Es ist keine Schande gelegentlich Angst zu haben. Die ganze Kraft muss aber dafür eingesetzt werden, diese Ängste zu bekämpfen und nicht zu schüren, wie dies in unserem Land zu viele machen.» [Rede (PDF) von FDP-Präsident Fulvio Pelli am UFL-Gründungskongress]

FDP 2010:

Überwachen, Fichieren, Ausschaffen.

Home Office Day

Und nicht vergessen: Morgen ist Home Office Day. Kurz: HOD-Day. Sie können also in Ruhe auspennen. Es sei denn, sie haben Kinder. Ob Microsoft, Swisscom, Le Shop oder Google – irgendwer wird sich schon um ihre Mailbox kümmern…

Schredder-O-Mat (I)

Liquidiert I: «Nun, früher, da war er viel direkter, da musste er nicht derart rumeiern. Dies zeigt das alte verstaubte Buch ‘Liquidiert’» (Lenos Verlag, 1978). Eine Nachtrag zu H.P. Lebruments schrulligem Auftritt bei Giacobbo & Müller.

Liquidiert II: Wer war die treibende Kraft hinter dem Deal – die SDA-Führung oder die Verleger als Besitzer der Nachrichtenagentur? Fragen über Fragen.

Weltwoche I: «Muss die Weltwoche für blöd erklärt werden»? Oder verblödet? Ausser  ein paar strammen Burkaneurotikern und einer zunehmenden Zahl Boulevardjournis, die sich jederzeit dazu entblöden, auf jedes  entgleiste Köppelzügli aufzuspringen, liest das Blatt eigentlich nur noch…

Weltwoche II: Frau Caramell. Aber offensichtlich auch nur, wenn die Xenophobiewoche gratis am Flughafen aufliegt, und die praktischen Beutel in Griffnähe sind. Über den Wolken muss der Magazinverlust wohl grenzenlos sein.

Das Kreuz mit dem Boulevard: «Ist es Zufall, dass die eingefleischtesten Boulevardjournalisten selbst auch Konvertiten sind

Das Burkaverbot: Ist nicht ganz so dringend wie das Kravattenverbot.

ZEITmagazin sucks big Time («Das Uhrenheft»)

Aus dem verschwurbelten ZEITmagazin-Editorial (Nr. 20, 12.5.2010):

«Im ZEITmagazin diese Woche sind die Menschen in der Minderheit, denn wir haben diese Ausgabe den Puppen gewidmet. [Gute Idee, eigentlich] Früher waren Puppen etwas für Kinder, heute sind sie überall: im Film, im Theater und in der Mode. Warum ist das so? [Ist das so?] Sehnen wir uns alle die Kindheit zurück – oder sind die Puppen erwachsen geworden? [Schwurbeln wir alle wie Erwachsene - oder ist die ZEITmagazin-Redaktion am Verkinden?] Um das herauszufinden, interviewten wir den Trickfilm-Regisseur Wes Anderson (Seite 12), befragten die Designer und Puppenliebhaber Viktor & Rolf (Seite 30) und baten ein Figurentheater, für uns ein Stück zu inszenieren (Seite 24). Freundlicherweise tragen die Puppen die Uhren und den Schmuck der Saison. [Läuft das unter illegaler Puppenprostitution oder legaler Zuhälterei?] Und Bernd das Brot verrät und seinen Traum.»

Und ich nuckel noch etwas an meinen ChupaChups. Was der Grund sein dürfte, weshalb ich  es Woche für Woche  nicht über die Martenstein-Kolumne und die Deutschlandkarte hinaus schaffe. Was für die Anzeigekunden ebenfalls  mehr als ärgerlich sein dürfte…

Châteaux Schnuppi-Puppi

Auf der Suche nach einer preiswerten Restaurant in Strasbourg im FCB-Forum über diesen wunderbaren Ausdruck gestolpert, den ich künftig jedem rabarbenden Hobby-Önologen und Weinspiesslaber um die Ohren hauen werde:

«…ist aber echt ein erlebnis und erstaunlicherweise muss es gar nicht so teuer sein, z.b. wenn man den hauswein nimmt statt einer flasche 1964er châteaux-schniggi-schnäggi-de-schnuppi-puppi

Great!

Na endlich!

Erstmals in der Geschichte dieses Blogs, wurde ein Blogger aus meiner Blogroll für die Grimme Online Awards nominiert. Wurde aber auch Zeit. Als Leser der ersten Stunde, gratuliere ich recht herzlich. Ob die in der Vergangenheit als  eher korrupt aufgefallene Jury (Stichwort: Berlin-Connection) diesmal für ein transparentes Wahlprozedere sorgt? Und sonst gibts ja noch den Publikumspreis in diesem trümmligen TV-Heftli: Hier abstimmen.

Meienbergs Fehlgriff

Die grausam furchteinflössende Selbstdemontage der Aline Graf. Aufgewärmt drüben beim Zürcher Presseverein. Klicken auf eigene Gefahr. Soviel Boulevard-Historie muss sein. Realsatire ist und bleibt die einzig echte Satire.

RoadCross antwortet, «Blick» schweigt

BREAKING. Die Stiftung RoadCross hält in einem leicht gurkigen Mailwechsel, der meinerseits nicht minder gurkig geführt wurde, hier aber aus Gründen des Postgeheimnisses unveröffentlicht bleibt, fest, dass in keiner Art und Weise für die Lancierung der Raserinitiative im «Blick» Geld geflossen sei. Hätte ich nicht anderweitige spendentechnische Verpflichtungen, wäre mir allein diese Antwort jetzt eine kleine Spende wert gewesen.

Fuck Privacy

Falls jemandem ein Schnappschuss eines Ringier-Mediensprechers gelingt, darf er mir diesen gerne schicken, von mir aus in der Badewanne mit Entchen spielend oder im Zug schlafend. Bin mir unterdessen nämlich gar nicht mehr so sicher, ob die Abteilung Corporate Communications von Ringier überhaupt existiert.

#imfgr

Gerne würde ich verstehen, um was es in diesem Lied geht.

Aber man versteht ja so nix.

Gerne würde ich wissen, ob #imfgr und #griots die mehr oder weniger offiziellen Hashtags zum aktuellen Geschehen in Griechenland sind.

Gerne würde ich begreifen, warum #imfgr kaum jemanden interessiert, während #iranelection noch der grosse Twitterhype war?

Gerne würde ich verstehen, was in diesem kollaborativen Griechenland2.0-Dokument geschrieben steht.

Gerne würde ich ausserdem über Schweizer Medien lästern, die Griechenland auch eher ignorieren. Es sei denn, es gibt Tote oder Klischees zu pflegen.

Aber vermutlich ist W. van Gent auch der einzige Schweizer Holländer vor Ort.

Griechenland ist irgendwie eine Blackbox.

Bis im Sommer Griechenland. Halt durch!

Wasserstandsmeldung


Schlappe 120 Stunden warte ich jetzt schon auf den vom «Blick» angekündigten biblischen Regen, dagegen  sind  die 72 Stunden vergeblichen Wartens auf eine Antwort von Ringier Corporate Communications direkt nix…

Wrooooooom!

Der R8 GT katapultiert sich in nur 3,6 Sekunden auf Tempo 100 und erreicht eine Spitze von 320 km/h.

Hammer, oder? Mit so einem Geschoss hätte ich die Fragen, die seit ein paar Minuten Stunden Tagen auf dem Schreibtisch von Ringier Corporate Communications liegen, auch gleich persönlich vorbeibringen können. Nur, via Email gehts schneller:

1. Hat die Stiftung Roadcross für die Lancierung der Raserinitiative im «Blick» Geld bezahlt?

2. Falls nein, keine weiteren Fragen.

3. Wenn ja, wieviel?

4. Wie lässt sich dies aus Sicht von Ringier mit dem von Verlegern und Werbewirtschaft unterzeichneten «Code of Conduct» vereinbaren?

5. Werden Sie gegenüber Ihren Lesern in dieser Sache nachträglich noch für Transparenz sorgen?

6. Wenn nein, warum nicht?

Folgende Fragen liegen auf dem Schreibtisch der Stiftung Roadcross:

1. Hat die Stiftung Roadcross für die Lancierung der Raserinitiative im «Blick» Geld bezahlt?

2. Wenn ja, wieviel?

Soviel Rumgemaile für heute…

Raserinitiative im Blick: Vollgas über den «Code of Conduct»?

Heideraberaus! Cervelatpromis  und Politiker sämtlicher Couleur durften kürzlich ihre Nasen auf  der Blick-Titelseite präsentieren. Gratis und Franko. Das Business mit dem Tod hingegen läuft wie geschmiert: Hier unterschreiben! Die Ra-Ra-Raserinitiative. Lesen Sie im Blatt die tragischsten Schicksale und die innere Umkehr von Ex-Raser soundso.  Teilt eure privaten Raserschicksale mit der Redaktion (vor allem aber: schickt Bilder). Danke. Bitte.

Sich hinter eine Initiative zu stellen, die bei Politikern von Links bis Rechts ungefähr so umstritten ist, wie die Einhaltung der Sonntagsruhe, ist das nicht furchtbar Heldenhaft? Haudraufjustiz  kommt immer gut. Interessant jedoch: Die Blick-Leser in den Kommentaren halten eine härtere Gangart gegen Strassenrowdies  grossmehrheitlich für Unfug. Der Tenor lautet vielmehr: Schärfere Gesetze bringen gar nichts, schon gar nicht gegen notorische Raser – wenn schon, bittesehr: Mehr Verkehrserziehung! Mehr Strassenkontrollen! Tiefere Tempolimits innerorts!  Und überhaupt! Was soll diese Kampagne?

Man könnte jetzt lange darüber philosophieren, warum der «Blick» und die ganze Promi-Polit-Sause Temposünder möglichst ungnädig im Justizfegefeuer brutzeln will, während Vox populi  ganz offensichtlich andere Prioritäten setzt. Vielleicht hat Vox populi ganz einfach andere Sorgen?

Was mich an der ganzen Sache aber vor allem interessiert:  Versucht Ringier hier gerade ein neues, lukratives Geschäftsfeld zu erschliessen? Die erfolgreiche Lancierung und Durchführung einer Initiativen kostet bekanntlich durchaus etwas Kleingeld.  Hier käme dann der nuttigste aller nuttigen Verlage ins Spiel. Was demokratietheoretisch eine eher üble Sache wäre – und ein ziemlich krasser Verstoss gegen den «Code of Conduct» (PDF) dazu:

    «Für den Medienkonsumenten muss immer klar erkennbar sein, ob die Inhalte redaktionellen Ursprungs oder kommerziell als Werbefläche platziert und von Dritten bezahlt sind»

Weshalb ich vor ein paar Tagen via Twitter nachgefragt habe:

Von «BlaA» gab es umgehend eine  eher ausweichende Antwort. Das Socialmedia-Team der  Raserinitiative und die «Blick»-Redaktion reagierten hingegen auf mehrfaches Nachfragen extrem schwerhörig. Was mich jetzt doch langsam etwas stutzig macht. Und recht eigentlich auch ziemlich nervt.

Nostalgie oder Gegenwart

Wann war eigentlich der letzte richtig verschiffte 1. Mai?  Zuhause bleiben und mit Fabrizio de André (Lied oben) in Nostalgie schwelgen, oder doch nach draussen gehen und gemeinsam theäterlen? Erst mal Frühstücken…