Monatsarchiv: Januar 2010

Breaking News from broken Business

*Eildepesche vom WEF* ♪♫ Leise pieselt das Reh… ♪♫ Sind wir schon auf Sendung? Pardon, peinlich, peinlich, könnt ihr das noch rausschneiden? Und was war nochmals die Meldung? Ach so, genau: Im Internet findet kein Journalismus statt, er wird aber bald durch mobile Geräte mit Bezahlfunktion entdeckt. *Eildepesche Ende*

Burtscher on Mars

Die Mars-Soziety plant ein Abmahn-Camp: Unser Cervelatpromisnachwuchs will sich bis zum Mars durchklagen.

Quajou

Dingdong! Noch wer da? Sachen gibts…

*Hüstel*

Wer übrigens mein Buzz-Formular benutzt (siehe auch rechts in der Navigation) und eine Antwort erwartet, wie gestern jemand, sollte übrigens eine gültige Email hinterlassen, weil sonst wird’s relativ schwierig mit antworten. Ansonsten darf mein toter Briefkasten auch weiterhin anonym benutzt werden, solange keine Briefbomben oder virenverseuchte Attachements hinterlegt werden. Hiermit sei auch mal ausdrücklich dem anonymen Spender gedankt, der vor längerem ein lustiges Arbeitspapier einer grösseren Schweizer Zeitung hinterlassen hat. Warum ich den heissen Buzz damals nicht sofort verbloggt habe, weiss ich jetzt auch nicht mehr so genau. Was aber nicht heisst, dass man solchen Kram künftig für sich behalten soll. Denn nicht vergessen: In Journischredderei we trust.

WTF?

So viel ungefilterten Ethnoquark in einer Sendung, das gab’s noch nie. Oder war das nur ein Albtraum? (pardon: Alptraum). Um nur eine Pointe aus dem gestrigen Zischtigsclub rauszupicken: Die Schweiz könne ihre Identität nur in Abgrenzung zu den Deutschen finden, das sei schon immer so gewesen, behauptete unwidersprochen Wewo-Hobbyhistoriker Markus Somm und verwies dabei in milošević’scher Manier auf die Schlacht auf dem Amselfeld Schwabenkriege.  Wenn wir unsere Identität also nur in Abgrenzung zu den Deutschen,  Habsburgern, Franzosen, Italienern, Uiguren oder wem auch immer finden können, was sind wir dann eigentlich genau: Ausserirdische grüne Männchen mit Nummernkonto? Oder doch vielleicht Neobrazis.

Zitrone ausgepresst

Wenn die traurigen Clowns vom Cirque du Tamipresse den letzten Saft aus ihren Zitronen vom Genfer- bis an den Bodensee gepresst haben (sprich: pleite sind),  heisst es dann plötzlich: «Too big to fail» oder «too failed to read»?

Armselige Armutsdebatte (II)

Kurzer Nachtrag: Eine Untersuchung kam zu dem Ergebnis, dass in der Schweiz ein Arbeitsloser, der zweieinhalb Jahre arbeitslos gewesen ist, um 45 Prozentpunkte seltener eingeladen wird zu einem Einstellungsgespräch als ein Beschäftigter. Weiter heisst es in dieser Studie, dass die Wahrscheinlichkeit für ein Einstellungsgespräch bei Langzeitarbeitslosen, die über 30 Monate ohne Arbeit waren, so gering ist, dass es kaum noch Sinn hat, sich zu bewerben. In den Vereinigten Staaten sei diese Form der Diskriminierung hingegen nicht zu finden. [via]

Ĉu esti aŭ ĉu esti ne

Seit ich dieses, zugegeben, leicht surreale Video (unbedingt gucken) von Claude Piron gesehen habe, bin ich irgendwie doch sehr fasziniert, wenn nicht gar überzeugt, dass ich eines Tages Esperanto lernen werde. Warum nicht gleich damit anfangen? Die Verbformen sind ja schon mal Pipifax. Ein paar Links für Einsteiger gibts hier.

Überhaupt wäre Esperanto ideal, um die national segregierten Bloggosphären zu knacken. Vorschlag: Jeder Blogger verlinkt hierher und piekst sich anschliessend ein paar Stunden in den Hintern. Sollte in ein paar Stunden zu schaffen sein. Danach kümmern wir uns dann um den Weltfrieden. (Kann das mal jemand in Esperanto übersetzen?)

Update I: Noch ein Kurs für Einsteiger gefunden, der mir für die ersten Schritte geeignet scheint. Immerhin lernt man dort in Lektion 38 bereits so schöne Sätze wie: «Alportu al ni tri glasojn de la ruĝa vino kaj al nia avino plian brandon», was soviel heisst wie: «Bringe uns drei Glas Rotwein und unserer Großmutter noch einen Schnaps.»

Update II: Für Minimalisten und Sprachlernverweigerer gibt’s sonst auch noch Toki Pona. Luka tu tu, luka luka!

You hunter gatherer?

(via)

Qualitätsgedöns

Und dann war da noch dieser Satz aus der Medienlese dem Stilstand, den ich hier schon lange mal reinpasten wollte:

«Medien formieren damit Parteien oder Zustimmungsgemeinschaften, sie sind immer für ein bestimmtes Publikum geschrieben, das ähnliche Erfahrungen machte und untereinander wenig Differenzen besitzt.»

Den ganzen Kontext dazu gibts hier.

Abzocker-Initiative bleibt Abzockerinitiative

Gestern während der Tagesschau erstmals aufgefallen: Irgendein Kommunikationsfuzzi hat den Gegnern der Abzocker-Initiative nahe gelegt, im offiziellen Sprachgebrauch strikte von der «Minder-Initiative» zu sprechen. Diese semantische Lautverschiebung ist natürlich Quark: Wir stimmen nicht über den Initiator der Initiative ab, sondern über die im heutigen Aktienrecht systematisch die Abzockerei begünstigenden Paragrafen.

Interessant wird in den kommenden Wochen zu beobachten sein, ob und wie sich dieser Weichspühlbegriff in den Medien langsam einschleicht. Immerhin war in der gestrigen Tagesschau bereits von der «sogenannten» Abzocker-Initiative die Rede, obwohl es an diesem Begriff nun wirklich nichts rumzudeuteln gibt. Von mir aus eidgenössische Initiative ‘gegen die Abzockerei’, oder halt eben Abzocker-Initiative, alles andere ist Schwurbel.

Update: Soeben bringt mich feynsinn auf die Idee, wie man die Evolution der beiden Begriffe bis zur Abstimmung einigermassen sinnvoll nachverfolgen kann: Abzocker-Initiative vs. Minder-Initiative. Interessant, oder?

Biedermann und die Brandstifter

Die (Welt)woche ist gerettet: 94 Prozent aller Häftlinge in der Schweiz sind Männer. Schlüer, Mörgeli, Müller & Co läuft der Sabber Literweise vom Kinn. Fantastische Gefängnisstatistiken für fanatische Zahlenschubbser.  Allerdings verlange ich vom Bundesrat eine Gesamtkostenrechnung über die bereits im Gesetz festgeschriebenen Tranquilizer Namens Zwangsmassnahmen im Ausländerrecht – also die monatelange Knackisierung unschuldiger Menschen.

Bereits 7 Prozent aller Gefängnisinsassen sind schuldig im Sinne des dringenden Tatverdachts, ihr Nichtschweizersein nicht ausradieren zu können. Rechnung bitte ans Parteisekretariat aller bürgerlichen Parteien, wobei mindestens 50 Prozent der Kosten von der SVP zu berappen sind. Mir wird gerade etwas sturm im Kopf, wenn ich an die völkerrechtswidrige Ausschaffungsinitiative denke, über die wir demnächst abstimmen dürfen müssen. Die quotengeilen Biedermänner (Tamedia) und die Brandstifter (Weltwoche) stehen bereits Spalier.

Früher war alles besser

Neulich in der Publizistikvorlsung: ratata, ratata – pling! ratatata, ratatata – pling! (War offenbar eine Informatikvorlesung, aber mit einer kleinen Notlüge passt es hier thematisch besser ins Blog.) (via)

Liebes Schweizer Fernsehen

Ich möchte auch mal wieder über Rechtspopulisten Rechtsextreme lachen. Zum obligatorischen Weiterbildungs- kurs für Schweizer Fernsehsatiriker geht es im ORF: Wobei Teil I nur noch durch Teil II zu übertreffen ist. (via)

Armselige Armutsdebatte

Wer beim Thema Armut in der Schweiz mitreden will, sollte diesen Text (PDF) von Kurt Wyss lesen, danach sein Buch bestellen und dann die ARD-Doku über die Armutsindustrie (Teil II und  III) gesehen haben. Oder schweigen.

«Geld ist nicht ausländerfeindlich»

An wem die unsägliche Filzpantoffeldebatte mehr oder weniger vorbeigerauscht ist (wie an mir, wegen Ferien), kann das jetzt auf Weltoffene Schweiz nachholen. Ausdrücklich hinweisen möchte ich auf den Artikel in der «FAZ», indem neben der SVP auch die «NZZ» prächtig ans Bein gepinkelt kriegt. [via Sciencesofa.]

Gratiszeitungsexitweltmeister

Soeben im formidablen Newsletter von Piet Bakker gelesen: 33 Gratiszeitungsschliessungen weltweit im 2009. Davon mit «CASH», «Matin Bleu», «News» und «.ch» allein vier Stück in der Schweiz. Damit steht fest: Wir sind Gratiszeitungsexitweltmeister! Ob es an der Aktion Gr.E.L.L liegt? Die Titelverteidigung in diesem Jahr wird verdammt tricky. Allerdings sehe ich eine gewisse Chance in der Kategorie Bezahlzeitung.

Master of Corporate Bullshitspeak Administration (MCBA)

«Abbau von 29 MAVZ» tönt halt doch etwas beruhigender als «Ringier entlässt 40-50 Personen».

Zweimal Nabelschau

Nicht so richtig schmeichelhaft, aber sehr lesenswert. Umso amüsanter dafür diese Nabelschau aus dem Ruhrpott. (Überhaupt, die «Zeit» war diese Woche insgesamt überdurchschnittlich – noch bis morgen bei ihrem Printout-Dealer.)  Die mickrigen drei Seiten «Zeit Schweiz» (nicht zu verwechseln mit dem Hetzblatt «Schweizerzeit») sind ja sowas wie die einzige publizistische Innovation im helvetischen Blätterwald der letzten zwei Jahre.

Langzeitprognose zur Weltwoche

Roger Köppel wechselt in die Politik, sobald er sein hochdefizitäres Satireblatt an Tam-Tam-Media verkauft hat.  Unklar ist, ob er sich als Retter der sinkenden FDP oder der braingedrainten SVP inszenieren wird. Wait and see.