Monatsarchiv: Dezember 2009

Weihnachtsprotestsendepause

Zwecks Ausbau des Body Mass Index, obwohl neben kurzweiligen Kaminbüchertagen auch ein paar Strandspaziergänge geplant sind. Dort wo ich hingehe, sollen Blogs und andere unbequeme Webseiten demnächst unter Bussandrohung aus dem Netz geklagt und Livestreaming ins Internet staatlich lizenziert  werden. Ich schweige deshalb ein paar Tage aus präventivem Protest, vielleicht kann ich mich vor Ort ja irgendwie nützlich machen.

2 Jahre Journischredderei

Same procedure as last year: Man darf gratulieren…

Silvio ist angezählt

Es herrsche ein «Klima des Hasses» («Un clima di odio») hört man derzeit auf fast allen  italienischen TV-Kanälen. Ehrlich gesagt, italienisches Fernsehen macht durchaus aggressiv, aber:  die  pausenlos wiederholte Floskel vom Klima des Hasses erinnert eher an die berühmten «weapons of mass distruction», die  zwar auch nie gefunden wurden, aber als Kriegsgrund durchaus  gereicht haben.

Sicher ist: Berlusconis ergebene Schreihals-Kamarilla wäre durchaus bereit, auch noch den letzten Winkel in Berlusconis antidemokratischen Hintern auszuleuchten.  Für wahrscheinlicher halte ich jedoch baldige Neuwahlen.

Im Grunde würde es reichen, den TV-Schwaflern zu erklären, dass man in einer Demokratie Politiker nicht wählt, um sie zu lieben. Anders verhält es sich damit in Diktaturen. Nicht einmal privat gehegte Hassgefühle oder Verachtung sind illegal, solange der Unmut an der Abstimmungsurne deponiert wird. Diese Demokratie-Basics hat der  Souvenirwerfer von Mailand zweifellos nicht verstanden.

Italienisches Fernsehen zermanscht zuweilen das Gehirn, also versucht man sich Häppchenweise via Internet der Aktualität zu nähern.  «Vergogna, vergogna…e poi? Un duomo in faccia», schreibt  zynisch  ein Kommentator unter ein Youtube-Video, in dem sich Berlusconi auf dem Mailänder Domplatz mit den Worten «Schämt euch, schämt euch» an die Demonstranten richtet, die ihn vom Rande seiner Politshow ausbuhen.

Auch diesen Ausschnitt aus Berlusconis Mailänder Rede halte ich für bemerkenswert. Die Ankündigung bei den nächsten Wahlen die rechtsextreme Partei «La Destra» in sein Wahlbündnis einzubinden ist ja auch nicht ganz ohne.  Kurzes  Gedankenexperiment: Angela Merkel verkündet bei den nächsten Wahlen ein Bündnis mit der NPD einzugehen, Sarkozy mit dem Front National oder Toni Brunner mit der PNOS. Unter uns gesagt: Souvenirs des Kölner Doms,  der Notre Dame oder der St. Galler Stiftskirche  düften ebenfalls reissenden Absatz finden.

Item. Der 42-jährige Domwerfer  hat seine bescheuerte Tat im denkbar dümmsten Moment umgesetzt. Berlusconis Popularitätswerte (nicht die selbst manipulierten) waren soeben im Sinkflug, nicht zuletzt durch die jüngsten Anschuldigungen des Mafia-Kronzeugen Spatuzza.  Die Opposition schnupperte dank der von Bloggern organisierten Grossdemo eine Woche zuvor wieder Morgenluft.  «In viola, contra chi viola» lautete das Motto der zu hunderttausenden mobilisierten Zivilgesellschaft. Hass schüren geht anders.

Und jetzt, ist die Antiberlusconi-Stimmung bereits verpufft? Nur weil povero Silvio ein paar Tage im Spital lag?

Ich wage es zu bezweifeln. Die Hetzer um Berlusconi versuchen zwar jetzt erst recht das politische Klima zu vergiften. Schimpfen alles und jeden Kommunisten, verunglimpfen den Rechtsstaat und die Institutionen oder verlesen im Parlament gleich eine Art Fatwa gegen Journalisten, die neuerdings «Medienterroristen» heissen.

Die für den ganzen «Hass» verantwortliche Quelle ist auch längst ausgemacht: das Internet.  Neue Zensurgesetze sind zwar schon länger in Pipeline, jetzt scheint jedoch der Moment gekommen, gleich die  richtige chinesischen Firewall aufzufahren. Wer zufällig am 23. Dezember in Rom ist (wie ich vermutlich) kann auf der Piazza del Popolo übrigens an einer lustigen Blogger-Demo teilnehmen. (Mehr dazu hier, hier oder hier)

Einmal tief durchatmen Italien. Und immer schön die Ruhe bewahren.  Bandiera viola trionferà.

Calypso Now

Blogger Bruder Bernhard aka «Hotcha» betreibt da seit einer Weile ein Zweitblog, in dem er sein in den 80er-Jahren gegründetes Kassettenlabel Calypso Now auferstehen lässt. (Zum downloaden auf den MP3-Player, i guess.)  Item, also die Lektüre des  Calypso Now Fanzine 1/85 kann ich nur schärfstens zur Lektüre empfehlen. Vor allem denjenigen, die noch immer nicht glauben, dass Kassetten Vinylplatten sowas von krass überlegen sind.

Oder weiss heute noch jemand was das  Onanierparadigma ist? Eben. Abgesehen davon gibt es in diesem Fanzine massenhaft Pointen, die man sich keineswegs entgehen lassen darf. Nur nicht von der etwas arg vergilbten Scan-Qualität abhalten lassen. (Dazu den Musik-Abspielknopf unten im Blog anklicken, damit es richtig fägt.)

Nur mal so

Allenthalben diskutieren sie jetzt wieder die zum x-tausendsten Mal abgefeuerte SVP-Nebelgranate in Richtung Georg Kreis. Nur die Mörgele-Frage will keiner der SVP-Steigbügelhalter aus den Reihen der FDP und der CVP anpacken. Auch die vierte Gewalt windet sich, da hüpft man doch lieber gleich auf die nächste und die übernächste Propagandawelle unserer «völkischen» Volksfreunde. An vorderster Front wie immer die Onlineportale.

Feinde der Pressefreiheit: Lutz Schumacher vom «Nordkurier»

Ich denke nicht, dass man in der Schweiz den «Nordkurier» kennen muss. Ein regionales Käseblatt aus Norddeutschland mit einem ziemlich gräuseligen Onlineauftritt. Sehr aufmerksam verfolgen sollte man jedoch, wenn Leute wie Lutz Schumacher, Geschäftsführer ebendieser Postille, damit drohen, deutsche Blogger wegen nichts als Lapalien in Grund und Boden zu klagen. (Dank Google-Cache kann man den inkriminierten Blogeintrag übrigens hier nachlesen.) Ich verleihe Lutz Schumacher hiermit die goldene Kloschüssel für seinen unermüdlichen Einsatz zur Beschneidung der Pressefreiheit.  Als erster Verlagsmanager im deutschsprachigen Raum dürfen Sie besonders stolz auf diesen Preis sein. Gratuliere.

Köppel-Schawinski-Overdose

Neulich auf TeleZüri: Köppel vs. Schawinski, Thema Minarette.

Neulich auf Radio1: Köppel vs. Schawinski, Thema Minarette.

Neulich auf TeleM1: Köppel vs. Schawinski, Thema Minarette.

Heute Abend in der «explosiven» Arena: Alice Schwarzer mit Sprengstoffgürtel?

Sündenbockdemokratie

(Bild via, dazu passend diese und diese Pflichtlektüre vom Schweizer Narr)

Couchepin hat recht

Muss ich jetzt meine humanitären Echolote neu eichen, oder gibt es tatsächlich keine einzige Schweizer Tageszeitung, die nach diesem skandalösen Fernsehauftritt von  SVP-Nationalrat Christoph Mörgeli im «Club» von gestern (ab Minute 1:07:30)  den sofortigen Rücktritt dieses bis anhin immer schön vorsichtig kryptofaschistisch fabulierenden Uniprofessors von sämtlichen öffentlichen Ämtern fordert? Oder ist das jetzt in der Schweiz bereits Common Sense, dass ein Politiker vor Millionenpublikum ohne mit den Wimpern zu zucken äussern darf, er nehme auch Ausschaffungen in den direkten Tod in Kauf? Fest steht,  Alt-Bundesrat Pascal Couchepin hat sich damals  für sein Mörgele-Mengele-Wortspiel entschuldig. Zu unrecht.

No «news» is good news

Ich teile die Einschätzung:  «News» war von Anfang an ein destruktives Kackprojekt. Die Schliessung so weit so voraussehbar. Als nächstes folgt ein Zusammenrücken der Redaktionstische  bei den beiden Trashportalen  «20min» und «Newsnetz».  Mindestens nochmals 30-50 Stellen. Nur mal so eine Frage an den Verwaltungsrat von Tamedia: Könnte Ausnahmsweise auch mal ein Projektverantwortlicher oder sonst irgendein geistloser Organigrammbastler über die Klinge springen? Als symbolisches Zeichen dafür, dass es nicht in erster Linie die hoffnungsvollen Nachwuchstalente sind, welche die ganze Verlagsbranche gegen die Wand fahren. Ein paar freiwillige Rücktritte aus dem doch auch ziemlich lukrativen Verwaltungsrat wäre eine alternative Möglichkeit.

No Berlusconi Day


Soviel ich live via «Rai News 24» mitgekriegt habe, war der Auftritt von Salvatore Borsellino (Bruder von Paolo Borsellino) der inhaltliche und emotionale Höhepunkt am gestrigen «No Berlusconi Day». Schon erstaunlich was man mit diesem Internet alles machen kann: Plusminus eine Million Demonstranten laut Veranstalter, nur gerade 90’000 laut Römer Desinformationspolizei, wobei denen vermutlich eine Null von der Tastatur gefallen ist.

Wer nicht manifestiert, verliert

Eigentlich wollte ich heute an den NBD, jetzt ist mir diese Sache dazwischengekommen…

  • Zürich: Samstag, 05.12.09 : 14.00 Uhr Demonstration am Hauptbahnhof.
    Und 16.00 Uhr Grossdemo auf dem Helvetiaplatz.
  • Basel: Samstag, 05.12.09 : 14.00 Uhr Demonstration auf dem Messeplatz für eine offene und tolerante Schweiz.
  • Basel: Samstag, 05.12.09: 19.00 Uhr Treffpunkt Marktplatz, 19.30 Uhr Abmarsch Richtung Messeplatz / Basel bis, 20.30 Uhr Hauptprogramm
  • Bern: Samstag, 05.12.09 : 14.00 Uhr Demonstration auf dem Bundeshausplatz.
  • Zug: Samstag, 05.12.09 : 20.00 Uhr Demonstration auf dem Landsgemeindeplatz.
  • Vevey: Sonntag, 06.12.09 : 14.00 – 23.00 Uhr Bau eines Minaretts aus Legobausteinen auf dem Place du marché! / venez nombreux, dimanche à 14 heures pour la construction d’un minaret en lego. Venez tous avec vos anciens legos
  • Bern: Donnerstag, 10.12.09 : 19.00 – 20.30 Uhr Mahnwache auf dem Bundeshausplatz, Internat. Tag der Menschenrechte.
  • Zürich: Donnerstag, 10.12.09 : 18.00 – 21.00 Uhr
    Grossdemonstration am Bürkliplatz, mit verschiedenen Aktivitäten.
  • Rorschach SG: Donnerstag, 10.12.2009 : 18.30 Uhr auf dem Lindenplatz. Feier zum Menschenrechtstag mit Amnesty International & Freunden muslimischer- und christlichen Glaubens.
  • Altdorf UR: Donnerstag, 10.12.09 : Um 19.00 Uhr Demonstration auf dem Lehnplatz.
  • Luzern: Donnerstag, 10.12.09 : Um 18.30 Uhr Mahnwache beim Torbogen.

«Vigousse», c’est parti!

Zwecks Selbstdemütigung und Kaschierung meines Französisch-Defizits habe ich heute spontan entschieden dem druckfrischen Westschweizer Satiremagazin «Vigousse» eine Chance zu geben. Immerhin enthält es die vielversprechende Rubrik «mass merdia» und der Preis für ein Jahresabo scheint mir deutlich unter der Gürtellinie Schmerzgrenze. Die Redaktion begründet hier übrigens gleich selbst warum man «Vigousse» haben muss.

Danke für den Tipp @bbwiss

Oskar Freysingers Rap

Immerhin macht die Schweizer Remixszene Fortschritte seit der Abstimmung... (via)

Last Christmas

Bevor dieses Nächstenliebe-Gedudel im Radio wieder losgeht, lese ich nochmals die (alte) Bundesverfassung sowie das leider etwas spät verfasste Argumentarium gegen den absurden Minarett-Artikel und höre dazu etwas Musik.