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Erklärt sich solidarisch mit den protestierenden Studenten in Basel, Bern, Zürich und Genf, weil es den Mief, der aktuell durch die Schweizer Medienlandschaft müffelt, unerträglich findet. Ein miesepetriger Geruch von «CH-Studis bringen doch eh nix auf die Beine» bis zu «Wann gibts endlich Polizei-Action?». Als ob es darum ginge.

45 Antworten zu Dieses Blog

  1. Pingback: duritong's status on Wednesday, 18-Nov-09 18:03:08 UTC - Identi.ca

  2. Hmmm… Ich sympathisiere zwar auch mit den Forderungen der Studierenden (im Grossen und Ganzen), aber offenbar lesen wir nicht die gleichen Zeitungen. Die Tageszeitung meiner Wahl berichtet zwar kritisch (ist ja Aufgabe der Journis), aber doch mit grossem Wohlwollen für die Forderungen und Aktionen an der Uni Basel.

  3. @flöschen: ich lese in der regel alle überregionalen schweizer tageszeigungen. nicht alle jeden tag, aber doch so ziemlich querbeet. am tag nach der unibesetzung in basel war in einem kommentar der “basler zeitung” sinngemäss zu lesen: protestieren ist ok, die forderungen sind komplett überzogen, jetzt gebt mal bitte wieder ruhe. nur stand leider nirgends, weshalb die forderungen jenseits von gut und böse sind. ähnliches in der “nzz” und anderswo. die “zeit” wusste gleichentags zu berichten, weshalb die schweizer studis furchtbar zufrieden sind und eine studirevolte wie in österreich oder deutschland komplett undenkbar sei – drei tage später waren bereits drei unis “besetz”. usw. usf.

    wer ist in der schweiz die abschaffung von studiengebühren fordert landet vorsorglich und pauschal in der utopistenkiste. warum eigentlich? als ob es sich bei studiengebühren und dem im europäischen vergleich für jugendliche aus einkommensschwachen familien extrem undurchlässigen schweizer universitätssystem um eine gottgegebene ordnung handeln würde. da stimmt doch etwas nicht.

    kurz: warum eine debatte abklemmen, bevor sie überhaupt stattgefunden hat?

  4. Dann beginn doch hier eine Debatte, indem du näher auf die Anliegen der Studierenden eingehst. Ich kann das alles überhaupt nicht abschätzen, denn ich habe nicht studiert und habe auch niemanden in der näheren Familie, der/die studiert – sprich, ich habe keine grosse Ahnung und schon gar keine Erfahrungswerte.

    Was ich aus jenen Artikel herauslesen kann, dich ich bis jetzt gelesen habe (unvollständig, da ich aus dem Gedächtnis schreibe):

    - Studiengebühren haben nichts mit Bologna zu tun
    - Die Präsenzkontrolle hat nichts mit Bologna zu tun
    - Das Bologna-Punktesystem ist irgendwas zwischen fragwürdig, kontraproduktiv und überfordernd
    - Gefördert wird mit diesem Punktesystem nicht das selbstständige Denken und Hinterfragen, sondern ein Auswendiglernen von “The best of the subject” und vor allem will man die Studierenden in einem Höllentempo durch das Studium “schleusen”.

    Könnte mir das mal jemand, der sich auskennt, auseinanderbeineln (nämlich in Bereiche, die mit Bologna zu tun haben und in Bereiche, die nichts mit Bologna zu tun haben) und mir die wichtigsten Anliegen erklären? Für Aussenstehende (oder mindestens für mich) ist der Protest nämlich nicht so einfach zu verstehen.

  5. @zappadong: *hüstel* wenn ich den überblick hätte, würde ich das gerne tun. mir scheint, frau zappadong steckt bereits tiefer im bologna-sumpf ;-)

  6. Allerdings. Habe mich durch alle Links in dem kurzen Beitrag geklinkt und auch sämtliche Kommentare gelesen. Ist ein Dschungel … oder halt eben ein Sumpf.

    Es sei erlaubt, folgendes anzumerken: Wer eine Debatte fordert, sollte sie auch führen können *ebenfalls hüstel*

  7. @Zappadong: Ha! Da haben wir es: Ich gehöre tendenziell eher zu den Menschen, die auf übermässige Kontrolle und Leistungsdruck spontan eher mit Leistungsverweigerung reagieren (so ein Gegenhüsteln wirft mich natürlich noch nicht aus der Bahn), aber wenn mir etwas Zeit zur Reflektion eingeräumt wird, kann ich es in den nächsten Tagen durchaus mal versuchen. Was auch immer dabei rauskommt. Ist ja nicht unbedingt mein Spezialgebiet. Dieses Bologna.

  8. Da bin ich aber froh (von wegen Gegenhüsteln und aus der Bahn werfen).

    Ich vertiefe mich gerade in die Materie und finde Erstaunliches (siehe Twitter: fünf Tweets: in den letzten zwei wird lauthals nach einer Filterkaffeemaschine gerufen) und gestehe, ich gehöre tendenziell zu den Menschen, die gerne schon mal die eine oder andere Frage stellen, bevor sie sich ein fertiges Bild gemacht haben. Anmerkung am Rande: Das war nicht immer so (sagt jene, die aus Protest an der Kanti auf dem Dach sass und eigentlich gar keine Forderung stellte, sondern einfach protestierte). Aber irgendwie kommen mit dem Alter die Fragen *kein Hüsteln*.

    Zu der Forderung “Weg mit den Studiengebühren”: Die haben mit Bologna nichts zu tun, und es wäre mir lieber, nicht nur über die Studiengebühren zu reden, sondern generell über unser Bildungssystem (in dem z. Bsp. Eltern für das 10. Schuljahr bezahlen müssen – meistens sogar ziemlich viel // und in dem zum Beispiel in meinem Heimatkanton ganz viele Jugendliche keine Stipendien für ihren Kantibesuch bekommen usw.). Geld und Bildung ist ein leidiges Thema. Das fängt nicht erst bei den Studiengebühren an und hört nicht erst dort auf.

  9. @zappadong: genau deshalb finde ich konkrete forderung wie “studiengebühren abschaffen” gar nicht so unoriginell. sobald es um geld geht, werden politiker in der regel hellhörig. sicher können wir uns hier schon mal auf den grundsatz einigen: zugang zu bildung muss grundsätzlich allen offen stehen und darf nicht durch monetäre schranken verbaut werden – gilt für fachhochschulen und unis genauso wie für berufs- oder kantonsschulen. misstände in unserem bildungssystem gibt es ganz gewiss nicht nur auf universitärer ebene.

    appropos kaffeemaschinen: über die vermutlich gar nicht so unwichtige rolle von kaffeemaschinen bei studentenprotesten gibt es meines wissens auch noch keine historische abhandlung. (jaja, “unnütze” forschung, ich weiss.)

  10. Gute Auslegeordnung und Einführung ins Thema (leider ist darin keine Kaffeemaschine erwähnt, aber ansonsten finde ich den Artikel recht brauchbar – so als generelle Übersicht):

    http://www.nzz.ch/nachrichten/zuerich/die_kritik_an_bologna_verbindet_alle_1.4034592.html

  11. unaufgeregt, sachlich, nnz-like. (ok, ich gebs zu, hab in den letzten tagen auch ab und zu auf dem superhysterischen news-hops-portal von tagi, baz, bund usw. rumgelesen…)

  12. @zappadong: Doch, Studiengebühren und Bologna hängen schon mit einander zusammen. Wer nebenbei mehr arbeiten muss, um neben dem Lebensunterhalt noch stiegende Studiengebühren zu finanzieren, hat weniger Zeit fürs studieren. Und wer sein Studium in 6 Semestern durchziehen muss, kann dabei nicht auch noch arbeiten. Deswegen lautet eine der Forderungen auf den Protestpakaten: “Reiche Eltern für alle!”

    Die Prosteste richten sich dagegen. “Bildung, Forschung und Politik ökonomischen Effizienzinteressen unterzuordnen”, so Gesine Schwan in Unterstützung der Interessen der Studierenden in Tübingen.

  13. @ugugu: Die BaZ ist wirklich nicht mehr, was sie war – oder verkläre ich hier die Vergangenheit? Auf jeden Fall habe ich meine Infos nicht aus der BaZ, weshalb ich das nicht gesehen habe, zum Glück.

  14. Ich bin Student im Bologna-System und fühle mich von dieser Kinderuni-Aktion nicht vertreten. Ein paar Cents meiner Meinung:
    - Ich bezahle die Studiengebühren gerne. 700 Fränkli für ein geballtes akademisches Programm, eine Mitgliedschaft im ASVZ, beste IT-Infrastruktur, zahlreiche Bibliotheken, gratis Unterstützung (inkl. psychologische Betreuung, wenns denn nötig ist) – ich verstehe nicht, was daran überrissen sein soll. Und eine Gratis-Uni finde ich als Teilzeit-Berufstätiger daneben.
    - Ich finde das Punktesystem auch fragwürdig, aber lebe damit. Das Hauptproblem sehe ich darin, dass die grosse Masse der Studis völlig unkritisch damit umgeht. Keine Fakultät schreibt uns vor, wann wir wie viele Punkte machen müssen. Es gibt gar keine gesetzliche Grundlage dafür. Aber der Grossteil galoppiert panisch auf den Bachelor zu und will den unbedingt in 6 Semester reinwürgen. Wer 30 Punkte pro Semester machen will, hat in meinen Augen keinen Genuss und auch nicht viel freie Zeit. Und den Nebenjob könnte er theoretisch auch streichen. Aber: ich kenne mehrere Frauen, die neben 32 oder mehr Punkten bis zu 40 Prozent arbeiten. Nicht, dass ich das toll finde. Aber es scheint zu funktionieren.
    - Präsenzkontrolle: An der Uni Zürich darf man pro Semester 3x unentschuldigt fehlen. Das finde ich durchaus OK. Und was wichtiger ist: Wenn ICH mich für ein Studium entscheide, das MIR gefällt, gehe ich freiwillig hin. Die Vorlesung ist für mich keine szenische Lesung des Skriptes, sondern ein Ort des Austauschs (auch sozial!). Wenn ich natürlich ein driftender 20jähriger bin, der Papa in die Kanzlei folgen muss und keine Ahnung hat, was er will, siehts anders aus. Aber das ist nicht mein Problem.
    - Liz/Bologna: Man muss fairerweise sagen, dass es noch keine verlässlichen Erfahrungen mit Bologna gibt. Aber was ich in den Medien lese, ist zum grössten Teil aus der Sicht von Liz-Inhabern geschrieben. Die kennen eine Uni, die wir nie kennenlernen werden. Gleichzeitig kennen sie unsere Uni wenig bis gar nicht. Dass wir am Ende jeden Semesters PRüfungen haben, ist nicht nur doof, es führt auch dazu, dass man seriöser arbeitet und dann auch für sich mehr aus dem Studium ziehen kann. Man kann das bedauern oder bejubeln. Tatsache ist: Etwas fundiertere Kenntnisse würden nicht schaden.
    Ach ja, und noch zum Schluss: Ich bin einer jener Phil I-er, die angeblich als einzige über Bologna schimpfen.
    So, und jetzt zerfleischt mich ;-)

  15. Schnelle Frage am Rand (weil mir das nicht klar ist): MUSS man denn in sechs Semestern mit dem Studium durchsein? Was passiert, wenn nicht?

    @flashfrog: CHF 700.00 (oder auch etwas mehr) fallen doch kaum ins Gewicht – wenn ich davon ausgehe, dass jemand seinen Unterhalt selber finanziert, sehe ich ganz andere, erschreckend hohe Zahlen … da MUSS man ja sowieso arbeiten, um seinen Unterhalt zu finanzieren (der einzige Kollege, der mir jetzt grad einfällt, der studiert hat, der hat immer gearbeitet – und dabei mit seinem Computerwissen mehr Kohle gemacht als ich in meinem Job).

    Womit ich wieder bei meiner Frage bin: Warum 30 Punkte pro Semester?

  16. PS: Und löst sich das Problem wirklich, wenn man keine Studiengebühren zahlen muss ? (Ich steh grad auf dem Schlauch).

  17. @Castor: gut, dann plauder ich jetzt mal kurz aus meinem erfahrungskästchen. damals als diese bologna-reform noch in den kinderschuhen steckte, gab es auch eine menge werkstudenten. die meisten, die ich persönlich kannte, verdienten sich in der regel ein zubrot im umfang von 20-60 stellenprozenten. je nach elterlichem “nebeneinkommen” für die normalen lebenshaltungskosten. keine ahnung ob sowas (nach bologna) noch möglich ist.

    werkstudenten, die sich ihr ganzes studium von a-z selbst finanzieren (müssen) gibt es an schweizer universitäten gefühlt im promillebereich. die zwei finanziell autonomen werkstudenten in meinem persönlichen umfeld gaben irgendwann den 60-prozent-job auf, weil sie es bevorzugten, semesterweise 80-100 prozent zu arbeiten, um dem mühsamen bittstellerdasein als stipendienbezüger zu entkommen. einer davon beendete das studium, der andere nicht. lange rede kurzer sinn: 700 franken schenken beim einen studenten eben doch mehr ein als beim andern.

    im tessin sind es, wenn ich es richtig im kopf habe, bereits 2000 sfr. pro semester, und economiesuisse fordert schon lange studiengebühren, die sich so ziemlich in richtung amerikanische eliteunis für schnösel à la hirschmann bewegen. an der frage, ob wir an unseren unis nur noch eine sich selbst reproduzierende elite wollen, oder vielleicht doch eine uni für alle, kommen wir also nicht vorbei.

    @zappadong: studiengebühren als symbolischer beitrag an die gesamtkosten eines studiums? von mir aus, aber nur wenn sie progressiv zum einkommen der eltern erhoben werden. mit einem nullbetrag bis zu einer bestimmten einkommensgrenze. stipendien hingegen werden abgeschaft zugunsten einer automatisch ausbezahlten ausbildungszulage (wiederum abhängig vom einkommen der eltern). das modell müsste ich jetzt nochmals genau durchdenken, aber so irgendwie könnte es gehen…

  18. Mein Lieblingsthema! Das Einkommen der Eltern.

    Ich verrate hier mal was: Familie Zappadong verdient gut (sagt Frau Zappadong, Herr Zappadong findet, es dürfte durchaus noch mehr sein).

    Folge (bitte keinen Jammerton heraushören, sondern eine sachliche Stimme, die berichtet):

    - Keine verbilligten Krankenkassenprämien
    - Eine Steuerprogressionsstufe bei der selbst ich, die nichts gegen das Steuernbezahlen hat und schon gar nichts dagegen, dass Gutverdiendende mehr bezahlen, also … eine Steuerprogressionsstufe, bei der selbst ich das Herzrasen bekomme
    - Keine Stipendien
    - keine Betreuungsabzüge für die Kinder (nun ja, haben wir auch nicht gebraucht, weil ich meine Arbeit als Selbständige um die Kinder herumgewickelt habe – ein Spagat, der sehr häufig in Nachtarbeit endete.

    Es gab Zeiten, in denen ich ernsthaft daran dachte, mit dem Arbeiten aufzuhören, weil ich mir vorkam wie die Melkkuh vom Dienst. Man kann solche Dinge ja ausrechnen. Und wenn man ausrechnet, dass die Differenz zwischen dem, was nach den Steuern und ohne Verbilligungen bleibt, bei Arbeiten und Nichtarbeiten mehr oder weniger gegen die Nullgrenze geht, dann beginnt man, gewisse Dinge zu hinterfragen.

    Ich habe deshalb nie viel anfangen können, mit Beiträgen, die dem Elterneinkommen angepasst sind. Auch nicht mit den einkommensabhängigen Krankenkassenprämien. Irgendwo ist fertig. Gutverdienende bezahlen mehr Steuern und bekommen weder Verbilligungen noch Stipendien. Okay. Geht in Ordnung. Aber mehr nicht.

    Man kann ein System zum Kippen bringen. Dann nämlich, wenn man alles und jedes bei jenen holt, von denen man glaubt, man könne endlos holen.

    Darum: Nein, so irgendwie geht es nicht. Weil Herr und Frau Zappadong nicht die einzigen sein werden, die in diesem Fall sagen: Es lohnt sich nicht.

    Eine Nebenbemerkung am Rande: Alle, die sich so wahnsinnig für die arbeitstätigen Frauen einsetzen und dann solche Ideen mit einkommensabhängigen Abgaben für dieses, jenes und gar alles haben: Es sind die Frauen, die den Job an den Nagel hängen, weil sich das Arbeiten irgendwann nicht mehr lohnt. Es ist also nicht nur die SVP, welche die Frauen zurück an den Herd wünscht – es sind auch solche “holen wir es bei denen, die es haben”, die die Doppelverdienerfamilien in die Knie zwingen. Viellicht müsste man auch mal in diese Richtung rechnet, bevor man wieder das Geld der “reichen” Leute verteilt (aber das ist ein anderes Thema, mit dem ich mir bei der SP mehr als einmal den Grind angeschlagen habe).

    Zu den Studiengebühren: Das mit dem symbolischen Beitrag gefällt mir. Es muss nicht viel sein, aber etwas darf es uns schon kosten.

  19. PS: Mein Grossvater hat im Gonzenbergwerk Eisenerz abgebaut. Mein Vater, der älteste Sohn von 15 Kindern, hat nie eine Lehre gemacht, weil er von Anfang an mitverdienen musste; meine Mutter durfte keine Ausbildung machen, weil mein Grossvater fand, sie müsse Geld verdienen. Wir hatten keinen Fernseher, kein Auto und fuhren nie in die Ferien. Aber meine Eltern haben jeden Fünfer gespart und sich ein Haus gebaut. Danach zählten sie dann zu den “Reichen”. Stipendien für die Kanti gab es also nicht. Gleiches passiert im Moment einem Freund von Tocher Zap: Vater Handwerker, Mutter geht putzen, um die Ausgaben für die Kanti abzudecken, aber weil sie in ihrem kleinen, bescheidenen – und dummerweise eigenen – Häuschen wohnen, gibts keine Stipeniden.

    Ich wäre also froh, wenn man es sich im Rahmen dieser Diskussion nicht ganz so einfach machen würde mit de einkommensabhängigen Abgaben.

  20. Und wenn ich grad schon so richtig in Fahrt bin: Familie Zappadong zahlt einen ziemlich hohen Steuerbetrag. Wenn daraus auch ein hoher Teil in die Bildung fliessen würde, hätte kein einziger Zappadongler etwas dagegen (satt zum Beispiel überall Verkehrskreisel zu bauen, deren Gestaltung ein Vermögen kostet – oder mal wieder neue Militärflüger zu kaufen – oder eine Bank zu retten).

  21. Also mal ehrlich! Wer zu faul ist um jedes Semester eine Woche zu arbeiten, um mal eben kurz die lächerlich tiefen Semestergebühren von 600-650 Franken (welche die meisten Unis verlangen) zu bezahlen den versteh ich echt nicht. Was soll dieses Gejammer wegen Studiengebühren? Ich würd ja nichts sagen wenn das 10000 CHF pro Jahr kosten würde, dann könnten sich das Studium wirklich nur reiche Leute leisten aber heute kann ja wirklich jeder Faule Nichtsnutz an die Uni und da beklagen die sich noch? Ich bin übrigens Student im 11 Semester, kurz vor Abschluss und habe – weil ich der Meinung bin, dass es härtere Singe im Leben als ein Uni-Studium gibt – immer soviel nebenbei arbeiten können, dass ich mir sogar eine Wohnung und ein Auto selbst finanzieren konnte! Alle, die da rumheulen haben einfach keine Ahnung von Realität und fördern das typische Bild der Studenten, welches das Volk (wohl zu Recht) immer noch im Kopf hat…

  22. @Zappadong: Irgendwie habe ich das Gefühl, Frau Zappadong hat mich nicht ganz richtig verstanden. Ich habe gesagt: schaffen wir die Studiengebühren ab, vor allem und gerade für Eltern die Doppelverdiener sind und nocht nicht einmal dann auf einen grünen Zweig kommen.

    Von Umverteilung war überhaupt nicht die Rede (darüber reden wir dann beim Thema Erbschaftssteuer), sondern davon, dass wir Stipendien, Prämienverbilligungen etc. möglicherweise abschaffen könnten, wenn wir es durch einigermassen kluge, einkommensabhänge Modelle ersetzen. Heute gibt es durchaus Stipendien-, Kindergeld-, Prämienverbilligungs-, Whatever-Bezüger, die gerade mal so knapp darauf angwiesen sind, während andere, die tatsächlich darauf angewiesen wären, aus Stolz, aus “Ich-mach-nicht-für-jeden-Rappen-den-Bückling”-Einstellung darauf verzichten. Zurecht übrigens. Ist es nicht ein arg vermurkstes Staatsmodell, indem jeder mit prekärem Einkommen jederzeit und überall den Bückling machen muss?

    Oder hält Frau Zappadong die AHV auch für eine unverschämte Einrichtung, weil nicht jeder Rentner zweimal pro Jahr ein AHV-Gesuch einreichen muss, sondern den Altersbazen automatisch aufs Konto ausbezahlt erhält?

    @Tom: War nicht gerade weiter oben noch irgendwie das Thema, dass das Leben neben der Uni auch noch etwas kostet? Während meines Studiums habe ich durchaus keine allzu schlecht bezahlten Studi-Jobs erledigt, eine Auto hätte ich mir trotzdem nie und nimmer leisten können.

  23. @Tom Je nach Studienrichtung sind gutbezahlte Nebenjobs eher die Ausnahme. In welchem Fach stuiderst du?

  24. @Zappadong: Um gleich noch ein Missverständnis auszuräumen, ich halte nicht die Semestergebühr von 700-2000 Franken (oder wie Economisuisse fordert 4000-5000) an sich für “symbolisch”. Sondern nur in Bezug auf die Gesamtkosten, sagen wir mal eines Medizinstudiums, ist der Betrag symbolisch. Man muss einfach mal den Mythos aus dem Weg räumen, unsere Universitäten wären ohne Studiengebühren überhaupt nicht finanzierbar, das ist natürlich breitgetretener Quatsch. Mit dem gleichen stumpfsinnigen Argument könnte man für die Einführung von Gebühren auf sämtlichen Schulstufen plädieren. Auch dies zuungunsten von tiefen Einkommen. Was bürgerliche Politiker ja auch tatsächlich fordern, sie wollen Bildungsgutscheine (also dem Staat nochmals Geld aus der Tasche ziehen, dass sie grossmehrheitlich gar nicht benötigen), um ihre Goofen in Privatschulen zu stecken. Mit dieser Selbstbedieungsmentalität fahren wir unser Bildungssystem mit Caracho gegen die Wand. Gleiche Bildungschancen für alle ist ein kaum zu unterschätzendes gut, und wenn jetzt ein paar Studenten den Aufstand wagen, um dieses Ideal zurückzufordern, kann ich überhaupt nichts schlecht daran finden. Oder findest du es etwa gut, dass die von dir beschriebene Doppelverdienerfamilie beim Staat (erfolglos) um Stipendien betteln muss, um seine Kinder an die Kanti schicken zu können?

  25. Oh, ist das spannend (Danke!). Der Reihe nach:

    @ugugu
    Semestergebühr: Da sind wir uns zur Hälfte einig. Ich schliesse mich deiner Definition an – die Semestergebühr ist im Vergleich auf die Gesamtkosten symbolisch. Für mich ist sie aber auch ein symoblisches Zeichen dafür, dass das Studium etwas wert ist. Ich komme zu diesem zugegebenermassen etwas dusseligen Schluss, weil es in der Welt, in der wir leben genauso wahrgenommen wird. Nur was etwas kostet, ist etwas wert (nicht aus meiner Warte, sondern der ganz generellen heutzutage). Und so bin ich dafür, dass Jeder und Jede Steuern bezahlen soll (und sei es nur ein symbolisch kleiner Betrag) und Jede und Jeder Krankenkassenprämien bezahlen soll (auch hier gilt: Ein symbolischer Beitrag genügt). So nach dem Motto: Jeder, der von Leistungen profitiert, soll auch seinen ureigenen, von mir aus auch sehr kleinen Beitrag dazu leisten. Damit er diese Leistungen auch schätzt. Ich sage jetzt etwas altmodisch: früher war das noch eher so; heute wird vieles als selbstverständlich hingenommen, vieles verkommt zum Selbstbedienungsladen (und mitten drin sind jene, denen Leistungen zustünden, die sich in ihrer “altmodischen” Art aber weigern, diese Leistungen zu beanspruchen – das sind dann die doppelt Beschissenen).

    Bildungsgutscheine: Da bin ich mit dir einverstanden. Genauso ein Gugus ist die freie Schulwahl (für die bei uns im Kanton St. Gallen eine Initiative läuft). Mit solchen Dingen öffnen wir Gräben, statt sie zu schliessen, verschärfen wir die Gefahr des sozialen Ungleichgewichts (auch wenn ich den Initianten jetzt mal gute Absichten unterstelle).

    Doppelverdiener: Es gibt auch solche, die über den grünen Klee hinauskommen. Und dann dafür grässlich abgestraft werden (raus aus den Verbilligungsprogrammen, rein in die hohe Steuerprogression). Das nennt man dann Mittelstand. Der protestiert nicht laut, aber er könnte sich bei weiteren Verschiebungen ausklinken aus dem System (mit Bescheissen bei den Steuern, Schwarzarbeit, Verhalten bei Abstimmungen und Wahlen, Frau zurück an den Herd, weil es sich eh nicht lohnt ect. … und wenn wir bei der Erbschaftssteuer – die wir gerne diskutieren können – nicht aufpassen, fühlen sie sich gleich nochmals als die Bedepperten). Ein solider Staat braucht aber einen soliden, zufriedenen Mittelstand, sonst öffnen sich Scheren und Gräben.

    AHV: Ein wunderbares System. Ich würde SOFORT die zweite Säule abschaffen und sie mit der AHV zusammenlegen – damit ALLE auf den grünen Zweig kommen, von dem sie träumen. Weil: die zweite Säule ist zuwenig durchdacht, unausgereift, unfair gegenüber kleineren Einkommen, unfair gegenüber Teilzeitarbeitenden ect. Alleine die zweite Säule hätte eine heftige Debatte verdient …

    @Tom: Wenn es nur um die Gebühren ginge, verstünde ich deine Argumente. Aber die sind ja das kleinste Problem. Wenn ich das richtig verstehe, geht es bei dem Protest auch und vor allem darum, dass man mit dem neuen System praktisch keine Chance hat, nebenher zu arbeiten (DAS scheint mir das grosse Problem zu sein), sprich, für den eigenen Lebensunterhalt aufzukommen.

    Ich wäre wirklich froh, wenn mir jemand erklären könnte, warum es mit dem Studium plötzlich so eilt, dass man keine Zeit mehr hat für Nebenjobs, und was diese 30 Punkte pro Semester damit zu tun haben. Ausserdem wäre es hilfreich zu wissen, wie das mit der Präsenz genau ist (laut Tom ist das nicht in jedem Kurs der Fall).

    Die Probleme der Studenten sehe ich durchaus. Was noch gar niemand angesprochen hat: In der heutigen Wirtschaftslage wird es sogar für jene, die nebenbei arbeiten wollen, immer schwieriger, überhaupt etwas zu finden, mit dem man auch Geld verdienen kann (keine freien Stellen / niedrige Löhne ect).

  26. Ein sehr informativer, lesenswerter Artikel für jene, die wie ich zu wenig über die Punkte und den Lehrplan wissen:

    http://www.zeit.de/campus/2009/03/bachelor

  27. Eine reichlich ausführliche Studie zum Thema:
    http://is.gd/4XZAY (Link freundlicherweise von @MatthiasG zugesendet erhalten)

  28. öhm, ist jetzt das linkschleuderfieber ausgebrochen? (schon ok) und hier einfach mal ein erster einblick in die besetzte uni zürich. damit köppel, svp & co gar nicht erst auf die idee kommen irgendwelche absurden anarcho-diskurse zu lancieren.

  29. Auf diese Idee werden sie wohl trotzdem kommen ;-).

    Danke für den Link.

  30. Ich greife einmal zwei der Themen raus:

    Wirtschaftsvertreter: Bei den Berufslehren formulieren die Berufsverbände gewisse Lernziele, sie reden bei den Lehrabschlussprüfungen mit (bin nicht ganz sicher, ob sie die Fachprüfungen sogar zum Teil oder ganz selber entwerfen) und sie schicken ihre Prüfer. Das macht Sinn, denn die Lehrlinge arbeiten in den Firmen in ihren Berufen und sollten das lernen, was ihre Arbeitgeber vertreten und dem Markt anbieten. Alles andere wäre Unsinn.

    Warum sollte das an der Uni anders sein? Natürlich steckt die Wirtschaft die Ziele – sie wird die Studienabgänger ja auch anstellen. Deshalb müssen sie auch in den Unigremien vertreten sein – niemand will eine Uni, die am realen Leben vorbeizielt, am Allerwenigsten jene, die auf das Berufsleben vorbereitet werden möchten (die Studenten). Ich rede aus Erfahrung: Meine Ausbildung war total für die Katz. Fünf Jahre zum Kamin hinaus und dann im ersten Berufsjahr mit der Methode Learning by doing auf die Schnauze gefallen. Ich hängte als Folge davon meinen gelernten Beruf an den Nagel, war also für den Staat, der meine Ausbildung finanziert hat, ein ziemlicher finanzieller Verlust.

    Wichtig ist, die Balance zu finden zwischen Forderungen und Ansprüchen aus der Wirtschaft (die nun mal ist, wie sie ist) und einem guten Ausbildungslehrgang, der nicht nur zukünftige Berufsroboter generiert.

    Zu den Punkten: Ich kapiere immer noch nicht, warum die Studenten von “verlorener” Zeit reden, wenn sie von einem Austauschsemester / Austauschjahr an einer anderen Uni sprechen. Das kann man nur, wenn man nur die “Punkte” im Auge hat und nicht all das viele andere wie neue Lebenserfahrungen, persönliche Reifeprozesse usw. Man könnte doch als Student dagegenhalten und sagen: Ich muss nicht in drei Jahren durch sein.

    Alles in allem: interessant :-)

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  33. Zu den Studiengebühren und so: In Bern waren das plusminus 700 pro Semester. Da ich in dieser Zeit offiziell noch Zuhause wohnte erhielt mein Vater Ausbildungszulage, da weis ich den Betrag nicht auswendig. Neu sind es 290.- sFr. (nur lustigerweise weis ich nicht ob pro Monat oder pro Jahr aber ich nehme an pro Monat) als Teil des Lohnes. Ist es pro Jahr wäre es ein eher lächerlicher Betrag, aber ich lasse mich gerne Aufklären.

  34. Diese Frau Zappadong kann sich nun mit diesem Blog solidarisieren, das sich mit der Protestbewegung solidarisiert.

    Ich brauche halt manchmal etwas länger – diesmal sehr lange, weil ich mich erst einmal durch tonnenweise Infomaterial gelesen und geschaut habe.

    Es ist keine blinde Solidarität, sondern eine kritsch hinterfragende – Es fehlen noch Antworten. Aber so, wie sich die Sache entwickelt, geht es weg von Schlagworten zu einer sachlichen Auseinandersetzung mit den Problemen.

    Mein Problem im Moment: Zu viele Plattformen, zu wenig gebündelt (bin grad überall am Herumtrümmeln).

    Jetzt wünsche ich mir: kritische Fragen, offene Stellungnahmen und vor allem kein von Vorurteilen geleitetes Abblocken. Es gibt nichts Schlimmeres, als eine Jugend, die nicht hinterfragt. Und es gibt nichts Schlimmeres, als eine ältere Generation, die alle Antworten schon zu kennen glaubt.

  35. Ich bin mir sogar sicher, Frau Zappadong weiss unterdessen mehr über Bologna als Jean Ziegler und Christoph Blocher zusammen, die sich ja unterdessen auch solidarisiert haben. Wobei mir das nicht so ganz geheuer ist. Vor allem letzterer.

  36. An der Universität darf und soll ALLES in Frage gestellt werden dürfen. Das hat nichts mit einer geschützten Werkstatt zu tun, wie möglicherweise einige einwenden werden. Die Universität ist der Ort, an dem Werte, Visionen, Selbstbilder der Gesellschaft erschaffen und wieder zertrümmert werden. Es ist folglich die Aufgabe der Universität ihre Studenten zu nervigen, aufmüpfigen, kritischen Mitmenschen zu erziehen, die keine Angst davor haben, selbst illegale Wege zu beschreiten, um scheinbar in Stein gemeisselte Gesetze hinterfragen zu können. Die Unibesetzer nehmen folglich ihre Pflicht als Studenten wahr. Es ist tragisch und bedrückend für jeden freidenkenden Bürger, dass ein grosser Teil der Studentenschaft selbst, gerade diesen Zusammenhang nicht zu erkennen scheint.
    LAMM – die Liga der aussergewöhnlichen Montagsmailer erklärt sich hiermit solidarisch mit den Unibesetzern in ganz Europa!

  37. @ugugu Ja schon, das Leben kostet nebenbei immer was. Man arbeitet ja aber auch nich tnur eine Woche für die Gebühren sondern dann halt jede Woche ein bis zwei Tage. Das mit dem Auto ist nicht zwingend de Norm, das sehe ich ein. Ich hatte halt immer einen relativ gut bezahlten Job, was auch mit der Studienwahl zusammenhing… ->

    @Matthias: …, denn ich habe Informatik studiert und konnte immer in der Branche arbeiten. Ich gebe zu, dass das ein klarer Vorteil ist, aber lohnmässig macht der Unterschried nicht Welten aus zu einem z.B. Biologie-Studenten, der ja auch KV-artige Jobs machen kann, die i.d.R. verhältnismässig gut bezahlt sind (ich spreche aus indirekter Erfahrung von Kollegen/Kolleginnen).

    @zappadong: Ich verstehe genau die Aussage eben auch nicht, warum einer behaupten sollte, man hätte keine Zeit nebenbei. Wiederum basierend auf Erfahrungen von Kollegen/Kolleginnen würde die das bei Medizinstudis unterschreiben, aber ehrlich: Jedes andere Hauptfach bietet einem mehr als genug Freizeit und ich kenne viele Leute, die im Masterstudium täglich lieber bis 10 Uhr schlafen als zu arbeiten. Ich habe immer 100% studiert (Informatik) und mindestens 40% (manchmal bis zu 70% nebenbei!) gearbeitet udn zwar in Jobs, die relativ viel Verantwortung und z.T. sogar Führungsaufgaben mit sich brachten. Die Leute, die behaupten man hätte keine Zeit zum Arbeiten haben entweder sehr viel Mühe, den Stoff zu bewältigen (meiner Meinung nach die Minderheit) oder sind einfach faul oder realitätsfremd. Ich sehe es als ein Privileg, studieren zu können, da genau das Studium ein perfektes Gleichgewicht zwischen Lernen und Arbeiten ermöglicht, was einem den Alltag angenehm abwechslungsreich macht. Bologn bringt zwar das Punktesystem, aber hallo – alles ist “vorgekaut” und wer keinen Stress will kann einfach dem Studienplan folgen und hat niemals Stress. Ich verstehe somit die Argumente der Besetzer punkto Auslastung und Gebühren nicht.

  38. man “kann” immer arbeiten, wenn man muss und/oder will. Man verzichtete dabei früher auf einen schnellen Abschluss, will heissen ein zusätzliches Semester zum Modellplan gab es schnell einmal. Oder man muss ein Job haben, wo man mit wenig Stunden viel verdient und damit nicht zu viel Zeit ins Geldverdienen investieren MUSS. Aber eigentlich konnte man vor Bologna sich schlicht selber einrichten, wie man eben vorgehen wollte. Studieren mit schnellem Abschluss, Arbeiten & Studieren, was auch immer. Das ist jetzt vorbei.
    Will oder muss man nebenher arbeiten, muss man sich schon schön geschickt anstellen, um bis zu den Deadlines alles erledigt zu haben. Und – das braucht riesig vill Energie und wird schnell mal zum Stress, denn: man will ja nicht einfach das Nötigste machen, wiederkauen und es an der Prüfung wieder auspucken. Eben genau dafür ist das Studium nicht da. Man soll sich vertiefen können, weiterführenden Fragen nachgehen, selbsttändig den nächsten Studienschwerpunkt finden, usw. Und genau das ist da Problem bei der Umsetzung von Bologna, und genau das muss reformiert werden.
    700.- pro Semester find ich angemessen als (symbolischer in welcher Bedeutung auch immer) Beitrag der Studierenden. Wozu es die Stipendien braucht, ist der Lebensunterhalt. Man kann nicht einfach die Gebühren abschaffen und dann auch noch die Stipendien, weil es sie nicht mehr brauche. Die Stipendien decken ganz andere Dinge als diese 700 Stutz.

  39. @Nina: ich sehe das gar nicht so viel anders. nur bin ich tendenziell gegen studiengebühren und klar gegen weitere erhöhungen, weil 700 franken pro semester schon heute für einige studenten alles andere als ein “symbolischer” beitrag ist. übrigens: bücher, lernmaterial wie vorlesungsskripte oder ein laptop kosten ja doch auch immerhin was, dort sind diese “semestergebühren” auch weitaus sinnvoller und nachhaltiger investiert. aus lauter jux und dollerei schreibt sich niemand an der uni ein. also mir persönlich ist noch nie so jemand begegnet.

    solange kein umlagemodell von reich nach arm (so ist das nun mal) existiert, das studierende aus einkommensschwachen familien effizienter unterstützt, kommt eine abschaffung der stipendien selbstverständlich überhaupt nicht in die tüte. no way!

    “man kann immer arbeiten, wenn man muss und/oder will”. ??? das meinst du aber hoffentlich nicht ernst. selbst wenn es nur auf studentinnen bezogen sein sollte, dürfte es momentan kaum der realität entsprechen. für jeden arbeitslosen wiederum ist eine solche aussage nichts anderes als ein faustschlag ins gesicht und damit eine ziemliche frechheit. in der schweiz offiziell immerhin vier prozent, inoffiziell wohl eher gegen acht prozent (ausgesteuerte, beschäftigungsprogramme usw.). also, immer vorsichtig mit pauschalaussagen.

  40. @ Ugugu: Ich denke, Leute im Alter von 20-30, die fähig sind an einer Uni ein Studium zu absolvieren können jederzeit eine Arbeit finden, auch wenn es mal Flyer verteilen oder Teilzeit bei McDonalds ist! Ich kenne keinen, ders probiert und nichts gefunden hat! Ausserdem reden wir hier von Studis im besten Alter, natürlich beziehe ich mich bzgl. Arbeitsmöglichkeit nicht pauschal auf die ganze Gesellschaft!

  41. @Tom: mit etwas flyer verteilen oder fundraisen (leute auf der strasse belästigen) für irgendwelche luschen organisationen, finanziert man sich eben gerade kein studium. no fucking way. daneben gibt es durchaus lukrativere jobs. aber eben, und wie gesagt, ich weiss nicht inwiefern es (nach bologna) realistisch ist, 60 prozent in einem call-center oder bei mc doof zu arbeiten und nebenbei so ganz locker ein studium auf die reihe zu kriegen. und ist dieses auf die reihe kriegen, dann eben nicht mehr nur ein stupides punktesammeln für den diplomierten cheseburger?

    nicht dass es einem studenten schaden würde nebenher taxi zu fahren oder ein paar burger zu wenden, was ich einfach mehr oder weniger peinlich finde, sind diese studenten, die sich deswegen auch jahre später noch zum working class hero hochstilisieren.

  42. Ich finde es bezeichnend, dass wir hier so viel über Geld diskuteren und so wenig über Bildung.
    Genau das scheint mr ein wichtiger Punkt der Proteste zu sein: Dass wir endlich aufhören sollten, alles auf der Welt nur noch nach ökonomischen Gesichtspunkten zu betrachten und zu diskutieren.

    Was ist aus dem schönen alten Ideal geworden, Bildung zu demokratisieren und die geistige Entfaltung jedes Menschen zu fördern?
    Dazu gehört dann in der Tat auch, ein kurzfristig ökonomisch zentriertes Denken in Frage zu stellen, dass uns nebenbei grad in in zwei Riesenschlammassel geworfen hat (Bankenkrise, Klimakrise), deren Folgen wir immer noch ziemlich ratlos gegenüberstehen.

  43. @ugugu: ich meinte das “arbeiten können, wenn man will” rein auf das Studium bezogen aus der Diskussion oben heraus, als Reaktion auf Tom mehr oder weniger. Will heissen, man KANN in jedem Fach an jeder Schule noch irgendwie dazwischen oder rundherum arbeiten, wenn es denn unbedingt sein muss. Aber lässig ist es nicht, mit Bologna wird man dabei schlicht verarscht. Man soller schneller (wirtschaftlicher!!!) studieren, gleichzeitig kriegt man keinen Rappen zur Unterstützung – eben, wie soll man sich denn das Lernmaterial und alles, was es eben braucht fürs Studium an sich, beschaffen, wenn man a) nicht (genug) selber arbeitet kann aus Zeitgründen, die Bologna vorgibt, b) keine mamis und papis hat, die einem das Studium und das Leben währenddessen 100% finanzieren möchten/können? Dann geht die Wirtschaft gleichzeitig davon aus dass Studierende auch praktisch in ihren Jobs einsetzbar sind, also dementsprechend schon erfahrungen gesammelt haben. Grrh!

    Immer noch finde ich, der Beitrag von rund 1500 (lieber 1000, klar) an die Uni ist gerechtfertigt und nötig. Irgendwie profitieren wir ja unglaublich davon, was hier geboten wird. Und zahlen im Normalfall keine Steuern, womit es finanziert wird.
    Ich finde, das Stipendien-System muss endlich einmal richtig funktionieren, ganz abgesehen davon, wie hoch die Gebühren sind, ob 0 oder 5000 pro Semester. Weil es eben alle diese anderen Ausgaben sind, die ein Studium verunmöglichen.

  44. Pingback: 20% Ergebnis – 80% wiedermachen wollen « marcus.bloggt.es

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