Monatsarchiv: November 2009

Wunden lecken mit Feuerbach

«Laßt den andern glauben, was er will, aber fordert dafür auch von ihm, daß er dich nicht glauben läßt, was er glaubt. Diese Forderung ist gerecht und billig; aber ungerecht und verwerflich, verwerflicher noch als die Intoleranz des Gläubigen ist die Intoleranz des Aufgeklärten, welcher von den andern ohne Unterschied verlangt, daß sie zwar nicht so glauben, aber so denken, so frei und gescheut sein sollen, wie er selbst. Man muß auch gegen die Unfreiheit und Dummheit tolerant sein.» [Bruckberg, 25 Oct. 1851. Ludwig Feuerbach.]

Danke Ludwig, anders ist dieser demokratisch zustandegekommene Nonsense auch kaum auszuhalten.

Ach ja

Und bitte geht abstimmen: einmal Nein und einmal Ja.

Fernsehkritik (für Bobby *kisskiss*)

Die Sendung hab ich nicht aktiv mitverfolgt, nur einmal ganz am Anfang kurz reingezappt (und dann noch einmal ganz am Schluss). Dort in dieser ersten oder zweiten (weiss ich nicht mehr genau) Staffel lief also gerade so ein Energy-Protestsong, vorgetragen von einer ganzen Reihe Musiker (Stress und Baschi und viele andere mehr, die ich wieder verdrängt habe). Irgendwie taten sie mir furchtbar leid, diese «Musicstars», die sich soeben komplett vor den Ringier-Karren hatten spannen lassen, für eine Sache, die sich am Ende ohnehin nur mit der ganz grossen Geldschatulle hat lösen lassen (bis zu 6 Mio., heisst’s), weil Ringier in dieser Frequenzsache von A-Z im Unrecht war.

Deswegen und weil mir die Sendung auch sonst zielgruppentechnisch wenig auf mich zugeschnitten schien, zappte ich nach 10 Minuten wieder weg. Und bis heute frage ich mich, warum solcher Nationalsenf nicht direkt von Ringier gesponsert auf einem privaten Kanal abgespult wird. Oder gibt es irgendeinen erdenklichen Grund, weshalb ich die ganze Gossenpresse auch noch mit meiner TV-Steuer quersubventionieren sollte?

Copy & Paste

Eine Senkung der Journalistenlöhne darf kein Tabu sein

Guter Journalismus ist eine Investition in die Zukunft. Von dieser Investition profitiert die Gesellschaft, weil gute Journalisten die Wertschöpfung in unserem Land steigern – vor allem geistig und intellektuell. Alle profitieren davon, auch Menschen ohne Zeitungsabo. Bildung ist, wie es so schön heisst, der einzige Schweizer Rohstoff.

Weiterbildung ist für Journalisten aber auch eine persönliche Investition in die eigene Zukunft. Mit Diplomen in der Tasche steht der Weg offen für Karrieren mit Verantwortung, entsprechenden Aufstiegschancen und Löhnen sowie dem damit verbundenen Status. In keinem Verhältnis dazu steht, was Journalisten zur öffentlichen Meinungsbildung beitragen. Journalisten decken in der Schweiz nur drei Prozent der Themen ab. Was Journalisten an gesellschaflichen Entwicklungen verpennen, ist also weit mehr als das, was sie abdecken könnten. Dieses Missverhältnis ist politisch gewollt – aber nicht in Stein gemeisselt.

Für einen offenen Zugang zum Journalismus spricht, dass damit automatisch auch die persönliche Verantwortung für das Geschriebene zunimmt. «Wer die Meinungsfreiheit nicht nutzt, ist wenig wert», heisst es. Wer Ende Monat tief in den Geldbeutel greifen muss, wird sich hüten, gesellschaftliche Trends zu verbummeln. Viele festangestellte Journalisten können sich tiefere Löhne durchaus leisten, entweder dank ihren Eltern oder weil sie eine reiche Frau geheiratet haben.

Eine Senkung der Journalistenlöhne muss aber zwingend verbunden sein mit einem funktionierenden System von Stipendien und rückzahlbaren Darlehen. Es darf nicht sein, dass der Zugang zum Journalismus der Sparwut zum Opfer fällt. Denn Journalismus betreiben können sollen alle, die das Zeug dazu haben. Und nicht nur jene, die es sich leisten können.

Naja, funktioniert nicht ganz, aber fast. Ansonsten sehe ich das genau wie Robert Menasse (via).

In ras veritas

Gott muss ein furchtbares Kuddelmuddel in seiner Buchhaltung haben. Anders kann ich mir nicht erklären, dass mein Lohn (die «NZZ» ist mein Zeuge!) immer noch nicht eingetroffen ist. Aber, ich habe einen Verdacht: Vermutlich hat dieser, dieser, dieser, dieser oder dieser Zwergpinscher Miniwatchdog meinen Anteil eingesackt. ;-0

Very Bäreaking

Kann man die allgegenwärtige Journalismuskrise besser auf den Punkt bringen? Obwohl, Ringier-Produkte überhaupt mit dem «J»-Wort  in Verbindung zu bringen, ist an sich schon eine masslose Übertreibung.

Credits to Bloggingtom, der via Twitter auf allen Nonsense hinweist, den ich aus Boykottgründen nicht mehr lesen muss.

Studentenproteste Schweiz 2009/2010 #Unsereuni

Gewagter Titel, aber egal. Ich mach hier mal ein Linkverzeichnis,  um mich einigermassen auf dem Laufenden zu halten, was derzeit in den besetzten Hörsälen an Schweizer Unis läuft:

  • Blogs: Neben der gemeinsamen Plattform «Unsereuni.ch», aufgesetzt von den StudentInnen in Basel, haben die protestierenden StudentInnen der Universitäten Zürich und Genf jeweils ihr eigenes Blog.
  • Solidaritätsbekundungen: Neben einer Gruppe 80+ Dozierender diverser Universitäten, die hier zum Mitunter-zeichnen auffordern, erklärte sich unlängst etwa der Schweizerische Gewerkschaftsbund (PDF) oder die Vereinigung unabhängiger Ärztinnen und Ärzte solidarisch mit den Studierenden. (Mehr hier).
  • Ebenfalls zu Wort melden sich die «Unitopisten», eine Generation sich offenbar etwas vernachlässigt und vergessen fühlender  Studirebellen, siehe dazu Uertner in der «Beiz 2.0» oder C. Seibt auf «Trashnet».

Die Medienberichterstattung ist bis jetzt so gut wie vernachlässigbar, vielleicht von diesem NZZ-Campus- oder diesem  DRS2-Bericht (ab Minute 17 42′) abgesehen. Und hier noch zwei Videos aus Zürich und Genf.

Weitere Hinweise in den Kommentaren willkommen.

Wissen ist kostbar, Bildung bleibt frei

(@Zappadong Jaja, ich schreib dann sicher noch was dazu. Irgendwann.) Erst aber #Followfriday: @unsereunizh @unsereunibern @unsereunibasel @notreunige und selbstverständlich auch @unsereuni und @bildung_muc.

Dieses Blog

Erklärt sich solidarisch mit den protestierenden Studenten in Basel, Bern, Zürich und Genf, weil es den Mief, der aktuell durch die Schweizer Medienlandschaft müffelt, unerträglich findet. Ein miesepetriger Geruch von «CH-Studis bringen doch eh nix auf die Beine» bis zu «Wann gibts endlich Polizei-Action?». Als ob es darum ginge.

Marx und Stilettos

Hihi (Imhof’scher Lacher): «NZZ» und Marx, das kommt immer gut. Aber auch des Medienspieglers Stiletto-Recherchen über die grassierende Werbehurerei im hiesigen Printbusiness schafft es auf die «NZZ»-Medienseite.

Pssst @NZZonline: Links setzen ist gar nicht schwer, sich vom Web abkapseln hingegen sehr.

Journalisten als Doppelagenten

Dick Marty, Ständerat und Spitzenkandidat für die nächste FDP-Vakanz im Bundesrat, gab der «NZZ» ein bemerkenswertes Interview über den Europarat, die Folgen der CIA-Berichte und seine Ermittlungen im In-  und Ausland ([Edit: leider online nicht zugänglich]). Unter anderem gibt er darin folgenden Satz zum Besten:

«Ich will nicht pauschal Ihren Berufsstand kritisieren – dafür habe ich zu viel Respekt! Aber mehr Journalisten, als man denken würde, haben einen geheimen Nebenjob. Sie werden von Nachrichtendiensten mit Geld oder mit Informationen bezahlt. Das war auch bei der CIA-Untersuchung so.»

Tscha! Da möchte man jetzt doch auch einmal Namen hören. Im Falle der Schweiz insbesondere im Zusammenhang mit der nach wie vor historisch kaum aufgearbeiteten Fichenaffäre, wie kürzlich die «WoZ» richtig anmerkte. Oder wie Nana Mouskouri einst sang: «Wo sind all die Spitzel hin, wo sind sie geblieben…?»

Berlusconi plant Staatsstreich

Ein paar brandaktuelle Schlagzeilen:

Berlusconi

Warum schreibt eigentlich niemand, was Berlusconi in Tat und Wahrheit plant? Einen lupenreinen Staatsstreich. Hier und heute, mitten in Europa. Wer’s nicht glaubt, lausche den Ausführungen von Marco Travaglio.

#Unsereuni #Notreuni #Nostrauni

Die Aula der Uni Basel ist besetzt, wie infamy 12 Minuten vor der Baz meldet. Erste Bildeindrücke gibts hier und hier. Was die Studenten fordern steht hier.  Updates gibt’s hier und hier. Hashtag: #Unsereunibas. Who’s next ?

Lieber rot als tot

Obwohl, vier Minuten rot und tot ist so schlimm auch wieder nicht. Ist ja für eine gute Sache.

Ad acta: Vertical Newspaper

Unverfrorener Kreativität bin ich  ja nicht grundsätzlich abgeneigt, würde aber trotzdem jede Wette eingehen, dass sich die Idee von «Telegraaf»-Journalist Peter Blujis nicht durchsetzen wird. Aus einem ganz einfachen Grund: Was Werbefuzzis mögen, kommt bei den Kunden meist schlecht an. Me very sorry thinks, oder habt ihr schon mal wen in der U-Bahn, im Tram oder im Zug beobachtet, der eine normale Zeitung so beknackt umblättert?  (via)

«Pflicht zu schützen»

Stell dir vor es ist Krieg und keiner hat Schweizer Waffen. Würden dann alle verlogenen Werber auch gleich pleitte gehn? I hope so. (Schnell lesen, «Wision.ch» hat nämlich immer noch keine ausnahmsweise Permalinks, gopf! supi!)

Kollegenschelte

Heute von und mit Mr. Kassensturz Ueli Schmezer. Ich find’s mehr als gelungen. Prädikat «pädagogisch wertvoll».

PS: An der Stimmbandbreite arbeiten wir dann noch ein bisschen für die nächste Scheibe…

Südafrika 2010

Wenn man mir eine Wahnvorstellung nicht ausreden kann, dann diese: 2014 oder 2018 könnte es reichen. Und wenn nicht dann, dann halt später. Aber den Weltmeistertitel einer Ü21-Manschaft werde ich noch zu Lebzeiten erleben. Hat jemand eine Adresse eines guten Therapeuten? Oder ist das gar nicht therapierbar? Ohm…

Nuusroom Al Akbar!

Neulich am Scientology-Kongress an der Blick-Mitarbeiterversammlung…

Blick_Newsroom
Zitate, die man einfach festhalten muss. Heute: Das-Internet-ist-ein-Geburtsfehler-Walder: «Ich brauche niemanden, der sich bemitleidet, weil er in einen Newsroom muss.» Und: «Ich habe viel Gejammer und viel Polemik gehört in letzter Zeit. Ich habe kein Verständnis für Gejammer oder Polemik, denn wenn das grösste Medienhaus die Bedürfnisse des Lesers nicht versteht und darauf reagiert, dann haben wir alle – ich inklusive – bald keinen Job mehr.» Dazu: Stellenabbau  und Lohnsenkungen ankünden. Mitarbeiter einschüchtern. Zynismus olé!

Angry People In Local Newspapers

«I feel sorry for local news photographers. They are hugely skilled and poorly paid, and sent out
to  photograph miserable people pointing at dog turds. Here, we celebrate their work