Journalistenschredder

Wie erbärmlich

Veröffentlicht in Nicht kategorisiert von ugugu am Oktober 23, 2009

Gestern schickt mir der «Blick» ein Testexemplar. Nicht dass ich sowas bestellt hätte (lasst das!). Der «Blick» will mir ein Testabo «schenken»: 6 Wochen für 20 Franken. Hab ihn kurz durchgeblättert. Testergebnis: Menschlich unter aller Sau. Vor allem der Kommentar über das Gerichtsurteil zum Bootsunfall auf der Kander.  Ein Auszug:

«Der Mann, der von sich behauptet, die Armee sei sein Lebensinhalt, war zu feige, sich der Öffentlichkeit zu stellen. Stattdessen beklagt er sich lieber, dass ihn das Leben seit dem Kander-Unglück hart angefasst habe. Wie erbärmlich.»

Ja, wie erbärmlich. Sowas zu schreiben. Für den Boulevard mag es eine  Tragödie sein, wenn sich Verurteilte nicht  öffentlich vom «Blick» abschlachten lassen mögen, für jeden kognitiv einigermassen normal strukturierten Menschen ist es hingegen das normalste der Welt, den Tod von fünf Menschen nicht einfach so wegzustecken.  Überhaupt: Was soll dieses erbärmliche Nachtreten? Ein Kommentar, besser als jedes Brechmittel:

«Das Militärgericht bestrafte den Kompanie-Kommandanten sogar härter, als es die Anklage gefordert hatte. Warf ihn auch aus der Armee. Sein Verteidiger zeigt sich überrascht. Offenbar hatte er mit einem milderen Urteilsspruch gerechnet. Einem Kuschelurteil. Wie es sie in den letzten Jahren wieder und wieder gab. Richter, die Täter mit Samthandschuhen anfassen und dabei die Opfer vergessen. Es hat sich ausgekuschelt. Und das ist gut so.»

Richter wenden geltendes Recht an. Nicht mehr und nicht weniger. Das ganze nennt sich dann Rechtsstaat. Ihre verblödeten «Samthandschuhe» und dummdoofe Begriffe wie «Kuschelurteil» können Sie sich irgendwo hinstecken, Frau Nachrichtenchefin Bleicher. Das ganze ist hirnloser Haudrauf-Journalismus. Und der muss aufhören.  Bis dahin boykottiere ich den «Blick». Maximal.

15 Antworten

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  1. zappadong sagte, am Oktober 23, 2009 zu 10:05

    Schenken? Für 20 Franken? (Ist mein Hirn gerade kaputt oder stimmt da was nicht?)

    Zum Rest sage ich nichts. Ich würge immer noch.

  2. Chat Atkins sagte, am Oktober 23, 2009 zu 10:16

    So wie hierzulande die ‘BILD’ schon traditionell als ‘BLÖD’ bezeichnet wird, könnten die Schweizer doch aus ihrem ‘BLICK’ den ‘BLÖK’ machen? Das passt ja auch gut zu einem agrarisch strukturierten Finanzplatz …

  3. ugugu sagte, am Oktober 23, 2009 zu 10:16

    @Zappadong: «schenken» muss es natürlich heissen…
    @ChatAtkins: BLÖK ist nicht schlecht, BLÖD gefällt mir besser.

  4. Monsieur Croche sagte, am Oktober 23, 2009 zu 11:14

    Gut geschrieben, musste gerade so richtig lachen.

  5. Matthias sagte, am Oktober 23, 2009 zu 2:57

    Der richtige Name für den „Blick“ ist meiner Meinung nach „Glotz“.

  6. ugugu sagte, am Oktober 23, 2009 zu 3:11

    Vielleicht sollte man darüber abstimmen? Bisherige Vorschläge: BLÖK und GLOTZ.

    Ich gebe dann mal noch SICK dazu.

    Weitere Vorschläge?

  7. Monsieur Croche sagte, am Oktober 23, 2009 zu 3:32

    Blick – der Hirnfick.

  8. Lupe, der Satire-Blog sagte, am Oktober 23, 2009 zu 3:44

    wie wäre es mit „schnatter“ oder „bild für arme“? zweites bsp. analog zur entstehung des barclay james haarwasser hits „poor man’s moddy blues“.

    was machte eigentlich frau noch bleicher früher?

  9. Drei vor Irgendwas « Monsieur Croche sagte, am Oktober 23, 2009 zu 4:26

    [...] Wie erbärmlich. Ugugu vom Journalistenschredder hat ein Testexempel des neuen «Blick» [...]

  10. ugugu sagte, am Oktober 23, 2009 zu 4:26

    @Lupe: Es ging mir nicht um die Person. Was Frau B. früher machte kann jeder selber googlen. Es interessiert mich nicht. Ich hätte irgendeinen Artikel aus dieser Ausgabe zitieren können. Es geht mir um den Schaum vor dem Mund, den ich unerträglich finde. Hetzkampagnen auf Personen, die bereits regungslos am Boden liegen. Igit.

    Aber zurück zur Liste: BLÖCK, GLOTZ, SICK, HIRNFICK, SCHNATTER, BILD FÜR ARME

    Da geht noch was…

  11. Hildebrandt sagte, am Oktober 24, 2009 zu 10:24

    Blick hat einen kleinen Bruder, den Blick am Abend. Die interne Abkürzung dafür heisst „BlaA“.

  12. Philippe sagte, am Oktober 25, 2009 zu 12:38

    Tja, das ist jetzt eben der harte Boulevard im Stil Grosse-Bleys…mal schauen, ob sie damit erfolgreich sind.

  13. tin sagte, am Oktober 26, 2009 zu 9:25

    Wir wärs mit Sau – kann man dann noch ergänzen Sau*

  14. Andreas sagte, am Oktober 29, 2009 zu 7:21

    Bin erst gerade jetzt auf diesen Blogeintrag gestossen, daher mein später Eintrag. Das Probeexemplar habe ich an jenem Tag auch bekommen. Ich hab es nicht mal aufgefaltet und ungesehen aufs Altpapier gelegt – war ja offenbar gut so.

    Der Umstieg vom Blick zurück zum „härteren Boulevard“ fiel mir vom ersten Tag an auf. Zuvor hatte ich den Blick noch per RSS-Feed gelesen, da doch immer wieder mal ein Rosinchen zwischen den Meldungen war und der Rest, sagen wir mal, nicht grad abstossend war. :-) . Vom einen Tag auf den anderen waren die Meldungen plötzlich unter aller Sau. Blick-RSS habe ich umgehend abbestellt. Dieses Schmuddelblatt ist für mich gestorben.

  15. Thinkabout sagte, am November 2, 2009 zu 10:20

    Schlick.
    aber Blök finde ich am besten.

    Was ja auffällt: Diese unglaubliche Selbstgerechtigkeit, mit der Boulevard“journalismus“ regelmässig Menschen verurteilt. Wahrscheinlich braucht man das, um im Schmutz, den man selbst wirft, beim nächsten Schritt nicht gleich selbst auszurutschen.
    Dass Schmuddelheinis und -hertas gern die Moral bemühen, ist in grossen Lettern um so demaskierender – und um so quälender, dass es eine grosse Stammseherschaft, gibt, die das nicht erkennt – oder genau darin die Essenz erkennt, die sie selber weiter geifern lässt. Grausam.

    Dass das Ehepaar Ringier so hofiert wird als hochgeistig humanistisch feinsinniges Paar der Gesellschaft, das will mir schon längst nicht mehr in den Kopf…
    Bevor ich jetzt meinerseits auf den Mann spiele (und auch noch die Frau), mache ich den finalen Punkt.. .


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