Monatsarchiv: September 2009

Gefällt mir der neue «Tagi»?

TagesAnzeiger_GefälltderTagi

Wie gesagt: Es geht so. Aber wo sind eigentlich auf einmal die 88 (!) mehr oder weniger gepfefferten Kommentare, die bis  heute Morgen noch unter dem heiss diskutierten Artikel «Gefällt Ihnen der neue Tages-Anzeiger» standen? Ein Teufelszeug, diese  Leserkommentare. Ob da wieder jemand «aus Versehen» an den Lösch-Button gekommen ist? Dafür kriegt man eine laue interne Blattkritik von Peter Rothenbühler aufgetischt. Vielleicht sollte mal jemand die Marketingfuzzis mega-feedback-interessierte Hotline anrufen? Wäre ich Mitarbeiter beim Tagi-Abo-Dienst, würde ich genau heute einen freien Tag  einlegen.

Update I: Weil mich das jetzt interessiert, und weil ich Zensur doch sehr zum körbeln finde, habe ich kurz via Mail nachgehakt, was denn diese Kommentar-Löscherei  bezwecken soll? Antwort steht noch aus.

Update II: Keine Ahnung, wie man sich das beim «Tagi» vorstellt, aber Aussitzen ist in solchen Angelegenheiten immer die schlechteste Variante. Ein veraltetes Konzept von Kommunikationsexperten, oder solchen, die sich dafür halten: Es geht von der grundfalschen Annahme aus, dass man einen oder wenige «Spinner» ignorieren kann.  Nur riskiert man damit grundsätzlich immer einen Flächenbrand, der sich im Nachhinein auch nicht mehr löschen lässt.

Update III: Noch etwas sollten sich Public-Relations-Abteilungen merken: Steht’s auf infamy, hast du bereits so gut wie verloren. Was allerdings noch lange kein Grund ist, meine Mail nun schon 24 Stunden zu ignorieren.

Schlampig sortierte Gedanken zum «Tagi»-Relaunch

Der guardianisierte «Tages-Anzeiger» ist da. Kein schlechtes Lifting, aber auch kein wirklich gutes. Den Idioteneinstieg (Lead) nicht mehr grafisch abzuheben, finde ich eine gelungen Sache. Man fühlt sich als Leser ernster genommen. Erfreulich auch: Auf übermässige Eigenlobhudelei in der ersten Ausgabe wurde verzichtet. Ein Kommentar (erstellt mit dem  Plattitüdengenerator) und ein paar diskrete Hinweise auf der Leserbriefseite: «Näher am Leser», «Mehr Recherche», «Veredelte Optik»,  «Mehr Eigenleistung» usw. usf. (Zeitungs-Onanie halt). Gezeichnet: Die Chefredaktion.

Man wird sehen.

Heftig gestolpert bin ich nur über eine Aussage:

«Die Zeitung reagiert damit auf die veränderte Mediennutzung und grenzt sich deutlich ab von Pendlerzeitung und Onlineportalen.»

Handgesetzt in Blei und druckfrisch aus dem hunderjährigen Doppelmoraldrucker. Ob ich mich für diesen Satz kurz fremdschämen darf? Abgrenzungsversuche gegenüber den eigenen Schmuddelkindern (Gratiszeitung) einerseits, und dem doofen Internet andererseits, finde ich jetzt auch nicht mehr so ganz originell. Also eigentlich eher peinlich. Nur mal so dahingefragt: Wer macht eigentlich diese ganzen Onlineportale?

Ziemlich schizophren das alles. Macht ja nix. Ist erst 2009.

Und wo ich mich grad so schön am reinsteigern bin: Wer hält Tamedia  eigentlich davon ab, auch online etwas mehr bei almighty «Guardian» abzukupfern? Niemand. Eben.  Trotzdem liest man dann wieder so  Sachen wie: «Tagi»-Chefredaktor Res Strehle sitze im «Online-Beirat». Im was?!? Steht so im «Sonntag»: O-n-L-i-n-e-B-e-i-r-a-t. WTF? Tönt für mich wie eine anonyme Selbsthilfegruppe.

Also, ich sehe das so: Der Chefredaktor einer Zeitung ist sowas wie der Commandante Commander in Chief und gehört daher mitten auf die  Kommandobrücke und nicht in irgendwelche ekligen «Online-Beiräte». Herr @Rusbridger, ein Chefredaktor, gibt sicher gerne Auskunft, wie man ein solches Organigramm anders aufdröselt. Drei Chefredakteure für eine Zeitung scheint mir ohnehin etwas überdotiert. Remember: Zeitungskrise?

Sicher ist: Mit hyperventilierendem Klick-Trash à la Newsnetz («Berner Zeitung», «Basler Zeitung», «Bund», «Thurgauer Zeitung», «Tages-Anzeiger») lassen sich weder neue noch alte Leser an die, zugegeben, noch nicht ganz vertrashten Offline-Angebote binden.  Wer paid sagt, muss content liefern. On- wie offline.

From the thirst last to the top!

Eilmeldung  aus dem Ministry of Silly Talks:

«Äh, the fall of the wall. Ähm, there has been so much dynamic in the new members of the European Union. And i do not mean only the economic dynamic, i mean the dynamic of the society. If, äh, i would compare this sometimes to the old EU 50, ähm, we could learn that the key-u for a successfull welfare state, a successfull economy, is the dynamic of the society. Is the will to reach very ambitious aims. And perhaps this is something what we in the last years lost in our mentality, or lost to much in our mentality. For example: If i look to, ähm, what we got today. We got today the new unemployment rates, and when i listen to the government, and, ähm, i hear there that 11 percent or 10.8 percent unemployment rate, äh, and the „der Aufschwung ist da“, this is not ambitious enough. Ähm, the aim for example, for the german society, should not be to come from the last place with the growth rate in the European Union to the second last or to the thirst last. Our aim, our issue, should be to reach once again the top again. And, ähm, this is what we can learn, i think, at the moment. Much more of course…» (Und alle so: Boni! Boni! Boni!)

Grundeinkommen vs. Bürokratiemonster

«Das bedingungslose Grundeinkommen ist finanzierbar – und nur noch eine Frage der Zeit», schreibt Wolf Lotter in einem  pflichtverlinkungswerten Beitrag in der aktuellen «brand eins», über den ich bei Ix gestolpert bin. Hört, hört. Wenn das bedingungslose Grundeinkommen in Deutschland also Finanzierbar ist, dann, dann, sollte das für uns doch ein Klacks sein, nicht? Was ja gerne übersehen wird: So weit von Harz-IV-Verhältnissen sind wir auch nicht mehr entfernt: Zumindest was die  ganze Kontroll-, Pseudointegrations- und Sozialhilfe-Schikanierungsbürokratie anbelangt. Weg damit.

Was es dazu braucht? Ein paar Politiker mit Weitsicht und Cojones. Die gab es mal, ist gar noch nicht so lange her. Und sonst gäbe es ja auch noch die Möglichkeit einer Initiative…

Blogjournalisten

*Mit Trommelwirbel und Gebrüll* «Die Blogjournalisten sind da!» Wie, wo, was?

Blogjournalisten(Oh, die Domain Blogjournalistenschredder.ch wär auch noch zu haben…)

Himmel, und wo sind die Atheisten?

Himmel«Das müssen wir realistisch sehen, für eine mediale Verbreitung ist kein Geld vorhanden.» Frank Bodin, Werber. Realistisch gesehen, braucht es für eine mediale Verbreitung auch gar kein Geld. Just pass it on. (via)

PS: Das war im übrigen auch mein Beitrag zum «Eidgenössischen Dank-, Buss- und Bettag», den ich, wie alle
anderen Medien auch (ausser der «Zeit»), liederlich verschlampt habe…

Bottombox

NZZ-Brille

Den einen gefällt’s, den andern weniger. Meine neu geliftete NZZ liegt noch im Briefkasten. Muss erst noch Blogs lesen. Hauptsache, die Schmalspur-NZZ kann «qualitätsmässig klar» zulegen, wie mir die Tante am Telefon vor drei Wochen hoch und heilig zusicherte, bevor sie mir ein 5-Wochen-Gratis-Abo unterjubelte. Mit oder ohne Skybox?

Unter-, Ober-, Übermenschen

Na, hören’se mal, gibt’s denn sowas überhaupt? (<-Lesebefehl)

Und ob! Nicht nur hinter den sieben Bergen bei den sieben Asylbürokraten.

Oder wie der lokale Kuhstall-Manager zu sagen pflegt: «A fertigi huara Gemeinheit

♪♫♪ «Close your eyes we’re going to Valzeina» ♪♫♪

RIP cr.blog.sf.tv

Ueli Haldimann, Chefredaktor und Fernsehdirektor ad interim, hat ausgebloggt. Zumindest für den Moment. Nicht ohne ist die zum Abschied gelieferte Blogpointe:

«Ausschlaggebend ist vor allem ein Grund: Insbesondere Journalisten haben nie begriffen, was ein Blog ist. Ein Blog ist ein Ort, wo der Blogger persönliche Erfahrungen und Erlebnisse publiziert und damit (wenn möglich) eine Diskussion auslöst. Doch von Beginn weg wurde jeder Gedanke von mir, jede hingeworfene Bemerkung als offizielle Äusserung des Schweizer Fernsehens wahrgenommen und breitgeschlagen.»

Na dann, auf Wiederlesen. (via)

@DB_Info wird verstaatlicht

Wie ich einmal die Deutsche Bahn war…

DB_InfoSchlusswort

Warum ich den Twitter-Account @DB_Info der Deutschen Bahn schenke…

  • Weil die Deutsche Bahn der deutschen Bevölkerung gehört und nicht mir.
  • Weil mir der ganze Medienrummel (FAZ, Manager-Magazin, Handelsblatt etc.) langsam zu viel wird.
  • Weil der Bloghype um @DB_Info (1/2/3/4/5/6/7/8/9/10/11) auch kaum mehr auszuhalten ist.

Vor allem aber…

Last but not least: Weil die Deutsche Bahn freundlich gefragt hat, ob es eine Möglichkeit gibt, den Account zu übernehmen. (Ohne gleich mit Anwälten zu drohen). Und freundliche Anfragen schlage ich selten aus.

Gebastelt habe ich @DB_Info mit Yahoo-Pipes und Twitterfeed.  Und zwar aus einem einfachen Grund:  Um als gelegentlicher DB-Fahrer über Betriebsstörungen auf dem Laufenden zu sein. That’s it.

Passwort und Login liegen bereit. Brauchen bloss noch abgeholt zu werden…

Die Qual der Wahl

(via)

Haltet den Dieb!

Im Grunde ist die freie Marktwirtschaft ein feine Sache. Allerdings nur, solange sich alle an die Regeln halten und nicht einer beginnt, den andern zu enteignen. Denn fressen müssen alle.

Basta


Der Berluscismus zeigt mal wieder seine hässliche Zensur- und Propagandafratze.

Rettet dies, rettet das

Kann man ja mal probieren: Kultur retten. Zumal für einmal nicht von einer PR-Klitsche lanciert. (via)

Dickie Dick Dickens

Er ist waschechter Lateiner, ehemaliges Mitglied der ominösen Gruppe 13, geniesst als einziger FDP-Bundesratskandidat sogar Sympathien im Internet (sag ich jetzt mal so).  Ist wählbar für Grüne, SP und die CVP, hinter vorgehaltener Hand auch für die SVP, und somit die einzig realistische Variante für die FDP den zweiten Sitz im Bundesrat zu verteidigen. Also eine klassische Win-Win-Situation für alle. Aber warum stellt ihn niemand auf? In einer Volkswahl wäre die Chose wohl so gut wie gelaufen…

Das Internet ist frei geboren…

…und überall liegt es in Ketten. Das muss sich ändern. (via)

Ugugu spricht

Meine Vermittlungsbemühungen in Sachen Weltfrieden im Allgemeinen und in Sachen Erdöllieferungen im Speziellen sind leider an seinem trümmligen Kontaktformular gescheitert.

Regionalisierungsstrategie à la Tamedia

Gut, für die 31 Fans ist das natürlich ein harter Schlag. Wieder einmal ein schöner Beleg, dass die eigenen Angestellten solche Hiobsbotschaften in der Regel als letzte erfahren.  Eine Vorwarnzeit, von sagen wir mal 24 Stunden, wäre natürlich zu viel verlangt: Es könnte ja allenfalls jemand aufmucken, oder sich in allem Anstand von den Lesern verabschieden…

Halbwertszeit von Verlegeraussagen

Wie meinte doch im März dieses Jahres Matthias Hagemann, Verleger der «Basler Zeitung» (BaZ), gegenüber dem Branchenmagazin «Persönlich»: Schweizer Tageszeitungen müssten in Zukunft immer mehr zusammenarbeiten, um ihr Niveau zu halten. So weit, so gut. Aber: Eine Kooperation mit AZ Medien, der Herausgeberin der «Mittelland Zeitung» (MZ), schliesse er aus. Seit die MZ 2006 der BaZ die «Basellandschaftliche Zeitung» weggekauft habe, sei das geschäftliche Vertrauen gestört.

Dass nun genau diese «Basler Zeitung» seine freien Mitarbeiter neuerdings fichiert (wozu auch immer?) und ihnen rotzfrech Knebelverträge unterbreitet, um mit dem bösen Erzfeind AZ Mediengruppe (die ihre  Journalisten natürlich auch Enteignungsverträge hat unterschreiben lassen) gratis und franko Artikel austauschen zu können, ist schon irgendwie, ähm, niveaulos.

Police Academy IX

Noch dümmer als die Polizei erlaubt. Jetzt geht’s erst richtig los. Und eine könnte es verhindern.