Behaupte ich jetzt mal so: An Schweizer Biziness-Schools wird man das «Maimassaker» beim «Tages-Anzeiger» noch lange als Paradebeispiel feiern, wie Massenentlassungen im Printgeschäft durchzuführen sind, ohne dass die Angestellten die Redaktion in Brand stecken über Wochen besetzt halten oder kollektiv künden.
Bin heute die Entlassungsliste kurz durch, hier mein «Management-Summary»:
- Köpfe die Personalkommission («Wer aufmuckt, fliegt…»)
- Entlasse die Jungspundte («Sind sich nichts anderes gewohnt, siehe Lebenslauf…»)
- Entsorge möglichst schäbig die alten Säcke («Kommts mit den Gewerkschaften hart auf hart, biete Hand zu Frühverrentung…»)
- In der Ferne liegt die Kürze: Betrifft Aussenredaktionen («Das Regional-Mantra beten wir später wieder…) und die komplette Auslandredaktion («Süddeutsche Fernschreiber sind billiger und hoffentlich williger…»)
- An Kultur und Sport lässt sich immer rumschnippeln. («Alte Verlegerweisheit…»)
Was sich nicht aus der Liste ablesen lässt: Die Selektion nach persönlichen Animositäten, wie sie jeder neue Chefredaktor halt so vorzunehmen pflegt – im Bestreben um ein möglichst loyales Überlebenstrüppchen. Wäre allerdings noch die Frage zu klären: Loyal gegenüber wem? Vielleicht liege ich mit meiner Einschätzung aber auch komplett daneben, und die Abschussliste enspricht schlicht der Auswertung der Polizeibilder.
Was kann man als Leser dagegen tun? Unterschreiben. Hilfts nix, so Abo künd.
Was kann man als geschasster Redaktor/in tun? Den «Nachtanzeiger» gründen.

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