Journalistenschredder

Entsolidarisierungsstrategie

Veröffentlicht in Nicht kategorisiert von ugugu am Mai 28, 2009

Tagi

Karrikatur aus  Flugblatt (PDF inkl. Rückseite)

Das war jetzt noch nicht die grosse Machtdemonstration. Aber was nicht ist, kann ja noch werden. Wenn Journalisten (und Gewerkschaften, siehe NZZ ) etwas noch lernen müssen, dann ist es das Antizipieren von Entsolidarisierungsstrategien. Einzig geklappt hat das Arschkartengame bislang bei der «Berner Zeitung» (Gratulation an die oder den Idioten ohne Rückgrat, welcher mit einem anonymen Schreiben Berufskollegen aus der ohnehin dünn besetzten BZ-Redaktion zu mobben versucht). Die Konzernleitung dankt. Ob die Entlassungsgespräche dieser Tage beim «Bund» und beim «Tagi» der spät lancierten Protestbewegung gleich das Rückgrat brechen, ist damit noch längst nicht entschieden. Wenn, und davon hängt in den nächsten drei Tagen alles ab, sich die Redaktion dazu durchringen kann, die Massenkommunikationsmittel, die in ihren Händen liegen,  auch zu nutzen. Zwei, drei am Bahnhof verteilte Flugblätter reichen da nicht.

Update I: Unglaublich wie sich Tamedia grad selbst demontiert. Zwei Tage nach dem ersten schüchternen Arbeitnehmer-Protest schickt man den Präsidenten der Personalkommission in die Wüste. Vielleicht sollte noch jemand dieses Video rippen. Bis zur Gerichtsverhandlung wird das wohl nicht mehr online zu finden sein…

Update II: Also Zufall ist das definitiv nicht.

Update III: Wer jetzt noch aufmuckt fliegt. Oder wie anders soll man die Antwort der Geschäftsleitung  auf die rundwegs abgelehnten Vorschläge der de facto guillotinisierten Personalkommission verstehen? «Da die Personalkommission zu der von ihr vorgenommenen Umfrage keine konkreten Namen vorlegt, muss über die bereits von der Chefredaktion geprüften Pensenreduktionen hinaus diese Massnahme abgelehnt werden.» Das sind ja Verhältnisse zum paranoid werden.

10 Antworten

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  1. Lupe, der Satire-Blog sagte, am Mai 28, 2009 zu 12:36

    das wäre ein lupenreiner satire-beitrag, denn realsatire schreibt die viel bessere satire, als die rein fantasiebezogene.

  2. zappadong sagte, am Mai 28, 2009 zu 1:22

    @lupe Mir kommt so ziemlich das ganze Leben im Moment wie eine Realsatire vor …

  3. Chat Atkins sagte, am Mai 28, 2009 zu 4:11

    „… weder … noch … verlangen ZUM JETZIGEN ZEITPUNKT eine derartige Amputation …“ – mich döcht, die Kollegen dort haben allzu lange entlang der krummen betriebswirtschaftlichen Logik ihres Arbeitgebers geschrieben, so dass sie – gut konditioniert auch bei einer Demonstration gegen ihn – ihr eigenes Schicksal glauben, noch immer in dessen Begründungszusammenhängen ewig fortschreiben zu müssen. So pawlowmäßig jedenfalls wird das nichts. Zu einem späteren, dann wohl gegebeneren Zeitpunkt, hätten sie die Selbstamputation nämlich immer schon vorweggenommen und in die eigene Arbeitsbiographie bereits fest eingeplant.

    ‘Zeitungsland in Reporterhand’, vielleicht mit einigen Wochen redaktioneller Instantbesetzung, dazu einige Extrablätter aus der absolut parteiischen Sicht der schreibenden Basis, das wäre doch für den Beginn eine ganz gute Maßnahme, allein schon, um die renditesüchtigen Aktionäre hormonell mal ein wenig in Wallung zu bringen … und dann noch, um das Publikum zu ködern, vielleicht die tägliche Exhumierung einer duftenden thematischen Leiche aus dem wohlgefüllten Redaktionskeller. Ich weiß, ich weiß, das wäre alles zutiefst ‘unschweizerisch’ … wo bliebe denn da die bürgerliche Mitte? Aber es wäre immerhin gut für die Auflage …

  4. [...] meinte Lupe bei Ugugu zu den Ereignissen bei Tamedia. «Mir kommt so ziemlich das ganze Leben im Moment wie eine Realsatire vor …» entgegnet Frau [...]

  5. zappadong sagte, am Mai 29, 2009 zu 11:37

    Ich habe jetzt ein Problem.

    Mein Tagiabo läuft noch (ich muss einen Lebensvertrag oder so abgeschlossen haben letztes Mal …). Was mache ich nun, wenn dann irgendwann doch noch es ausläuft?

    Kündigen (ja, ja, ja)? Damit müsste ich mich endlich nicht mehr nerven. ABER: Wenn ich – und ganz viele andere auch – jetzt das Abo kündigen, werden noch mehr Mitarbeiter überflüssig und somit rausgeworfen.

    Also tue ich, indem ich das einzig Richtige tue, vielleicht doch das Falsche.

    Es ist ein Elend.

  6. Bruder Bernhard sagte, am Mai 29, 2009 zu 1:24

    wer den Tagesanzeiger in letzter Zeit noch gelesen hat, muss doch ziemlich masochistisch veranlagt sein, @zappadong. Wieviele Stellen sichert wohl dein 300Franken-Abo?

    Drum sag ich’s noch einmal, es lebe die Presse de la Suisse romande et sa radio… den ganzen totalen vollständigen Rest könnt’s von mir aus rauchen, da ist endgültig alles den Bach runter.

    Sagt ein ehemaliger Zeitungsjunkie mit einem regelmässigen Konsum von ehemals locker 5 Tageszeitungen täglich.

    Alten Gewohnheiten soll man ihre ewige Ruhe gönnen können.

  7. zappadong sagte, am Mai 29, 2009 zu 9:39

    Cher BB, mon Francais est practicament inexistable. J’ai vu le film „home“ en francais, et si’ll n’y avait pas les Untertitel, je na’aurais pas compris un mot.

    Und ich wette, du findest in diesem mühsam zusammengeschusterten Satz ungefähr 200 Fehler. Wie soll ich denn da Zeitungen aus der welschen Schweiz lesen können?

  8. Bruder Bernhard sagte, am Mai 30, 2009 zu 8:22

    @Zappadong: Aper nicht wichtig genau könne was Sprache – learning by reading macht was Freud. Sonst kenne ich noch eine Sprachschule in deinem Täli.

    Schliesslich was Schweiz wir hier bin. Sei die erste Ostschweizerin was Sprache französisch macht! Nicht wie toto Brunner – PS: von dem ich seit Monaten nichts mehr gehört habe. Ist das jetzt, weil er ja nicht frz. kann will sprechen, oder ist das bei euch auch so?

  9. [...] Köpfe die Personalkommission («Wer aufmuckt, fliegt…») [...]

  10. [...] kaputt. Lest alles darüber bei ugugu vom journalistenschredder, Chronist des Grauens, Mahner in der Wüste, Finger in der [...]


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