Journalistenschredder

Kurzer Rant zur verlorenen Biopassabstimmung

Veröffentlicht in Nicht kategorisiert von ugugu am Mai 18, 2009

Das war also die zweitknappste Abstimmung seit 1848. Mein Kürzestfazit:

1. Parteien werden künftig nicht umhin kommen, gesellschaftsrelevante Themen früher aufzugreifen und sich dann auch mehr als nur halbherzig dafür einzusetzen, wollen sie denn auch in Zukunft in der direkten Demokratie eine Rolle spielen.

2. Medien werden künftig nicht umhin kommen, gesellschaftsrelevante Themen rechtzeitig aufzugreifen und einigermassen sachlich darzustellen, wollen sie denn in Zukunft wieder etwas zur öffentlichen Meinungsbildung beitragen.

3. Blogger werden künftig nicht umhin kommen, Politikern und Medien noch stärker auf die Finger zu klopfen, wollen sie denn nicht wieder zu den (knappen) Verlierern gehören.

4. Themen gibt es genügend.

5. Antiliberale Positionen sind weniger en vogue als mancher Überwachungsfanatiker, Datenschutzverachter und Grundrechtseinschränker zu glauben scheint. Insofern bin ich mit dem Resultat, trotz Niederlage, für einmal halbwegs zufrieden.

17 Antworten

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  1. Mao & Stalin sagte, am Mai 18, 2009 zu 11:22 am

    Das war also die zweitknappste Abstimmung seit 1848. Mein Kürzestfazit:

    Die Schweiz hat Ja gestimmt, nicht traurig sein Genosse.

  2. Titus sagte, am Mai 18, 2009 zu 11:32 am

    @ Mao & Stalin
    50.1 % von 38.3 % Stimmberechtigten haben «Ja» gesagt. Das ist nicht «Die Schweiz». Und dass es (wieder einmal) nur so wenige waren, sollte einem schon traurig stimmen…

  3. Hans Dampf sagte, am Mai 18, 2009 zu 1:04 pm

    Ziemlicher Unsinn, was Geniesser Ugugu heute von sich gibt. Wieso sollte ein knappes Resultat bedeuten, dass Parteien und Medien irrelevant geworden sind?

    Nebenbei bemerkt: Ein Komitee, das gegen Fichen trommelt, aber auf Facebook präsent ist, ist total unglaubwürdig und geradezu lächerlich naiv.

  4. ugugu sagte, am Mai 18, 2009 zu 1:38 pm

    So, Mao & Stalin, das war vorläufig dein letzter Kommentar hier. Zumindest, solange Du dir nicht ein vernünftiges Pseudonym einfallen lässt. (Hitler, Pol Pot etc. sind ebenso unzulässig). Auch hier fünf Minuten später als Hans Dampf aufzutauchen ist nicht sonderlich originell. Zudem vermischst Du Äpfel mit Birnen, wie ein Grossteil der verschwurbelten Zeitungskommentare, die man in den letzten Wochen vor der Abstimmung lesen konnte: Eine Facebook-Mitgliedschaft ist in erster Linie freiwillig, was man von einer zentralen Fingerabdruckdatenbank wohl nicht behaupten kann. Empfehle dringendst diesen Wikipedia-Eintrag als Einstieg in die Thematik. Und hätte eigentlich nichts dagegen einzuwenden, wenn Du hier gar nicht mehr auftauchst.

  5. Hans Dampf sagte, am Mai 18, 2009 zu 2:10 pm

    Die Leute ermuntern, sich auf Facebook freiwillig in Fichen einzutragen, für die es keinerlei Rechtsgrundlagen gibt, um gegen obligatorische Fichen mit Rechtsgrundlagen zu demonstrieren. Noch Fragen?

  6. ugugu sagte, am Mai 18, 2009 zu 2:34 pm

    Dein Vergleich hinkt trotzdem gewaltig, zumindest kenne ich niemand, der sich wegen dieser Abstimmung ein Facebook-Account zugelegt hätte, geschweige denn dort seine Fingerabdrücke hinterlegen würde. Zudem unterschätzt Du gewaltig die wachsende Sensibilität im Umgang mit eigenen Daten, gerade und vor allem derjenigen Leute, die sich regelmässig im Internet bewegen. Was unter anderem auch diese Abstimmung gezeigt hat.

  7. fahnenfluechtling sagte, am Mai 18, 2009 zu 3:34 pm

    @Titus: “50.1 % von 38.3 % Stimmberechtigten haben «Ja» gesagt. Das ist nicht «Die Schweiz»” Nun ich bin mir da nicht ganz sicher, ob dies nicht die Schweiz ist. Denn “Schon 35% führen statist. zu repräsentativen Ergebnissen”. Quelle

    Trotzdem ist es natürlich bedauerlich, dass die Beteiligung so tief ist.

    Mein Vorschlag: Wir legen bei der nächsten Abstimmung alle unsere Cumulus-Punkte und verteilen diese an unsere Mitbürger, damit sie abstimmen gehen :)

  8. Mao & Stalin sagte, am Mai 18, 2009 zu 3:44 pm

    Ich bin nicht Herr Hans Dampg werter Herr ugugu, aber ich stelle eine zunehmende Front gegenüber Ihnen und ihrer undifferenzierten und intoleranter Berichterstattung fest.

  9. ugugu sagte, am Mai 18, 2009 zu 3:58 pm

    Die “Fröntler” konnten mir seit jeher gestohlen bleiben…und jetzt abmarsch Herr Stalin, sonst gibt es hier ein unschönes Kommentarmassaker.

  10. fahnenfluechtling sagte, am Mai 18, 2009 zu 4:10 pm

    Fahnenfluechtling meldit sich bereit. Sir.

  11. Titus sagte, am Mai 18, 2009 zu 7:07 pm

    @ Fahnenflüchtling
    Wenn von «repräsentativ» die Rede ist, dann ist damit nicht die effektive Zahl, sondern eine hoch gerechnete Zahl gemeint. Hochrechnungen beinhalten immer eine Fehlerquote von +/- x %. In diesem Fall würde eine Abweichung von 0.15 % reichen und «Die Schweiz» hätte nein gesagt.

    Ginge es ums Verhältnis 45 : 55 %, dann kann ich dem «repräsentativ» bei nur 35 % schon eher zustimmen. Mir fehlt allerdings das Wissen, wie hoch die Abweichung (die x %) bei einer so tiefen Stimmbeteiligung ist.

  12. fahnenfluechtling sagte, am Mai 18, 2009 zu 10:14 pm

    @Titus
    Ich bin mir durchaus bewusst was repräsentativ bedeutet. Habe allerdings das Gefühl, dass Du dabei etwas mit der Signifikanz durcheinander bringst. Warum sonst solltest Du die Abweichung von 0.15% ins Spiel bringen?!

    Was bedeutet nun also die 35% Regel in Bezug auf das Wahlergebnis?

    Es bedeutet, dass die 38.3% theoretisch, da mehr als 35%, die Schweiz repräsentieren. Und dadurch theoretisch das Resultat 50.1 % von 38.3 % Stimmberechtigten mit
    +/- 50.1% von 100% gleichzusetzen ist.

    Dadurch ist noch nicht gesagt, ob es bei einer höheren Wahlbeteiligung ein Nein gegeben hätte. Erst hier käme die Signifikanz ins Spiel. (Üblicherweise auf dem 5% Niveau). Evt. hätte es ein Ja gegeben oder eben ein Nein. Who knows. Auf jeden Fall wäre es knapp geblieben.

    Fakt ist, was die 38.3% abstimmen, vermag die Meinung der Schweizer Bevölkerung zu REPRÄSENTIEREN.

  13. Ruedi sagte, am Mai 19, 2009 zu 8:29 am

    Das knappe Resultat wird auf jeden Fall die Folge haben, dass bei der Umsetzung der Vorlage, die Transparenz ein äusserst wichtiger Faktor sein wird.

    Ist es eigentlich politmechanisch noch möglich, die zentrale Speicherung der Daten jetzt noch zu verhindern? Ich denke, bei einer neuen Abstimmung nur bezüglich diesem Thema wäre die Mehrheit dafür.

  14. ugugu sagte, am Mai 19, 2009 zu 8:36 am

    @Ruedi: Mit einer Initiative jederzeit.

  15. Heinz Vögeli sagte, am Mai 19, 2009 zu 10:22 am

    Lieber Herr Ugugu,

    haben sie auch schon mal den Begriff “sozialer Druck” vernommen? Eine Facebook-Mitgliedschaft ist nur beschränkt freiwillig (zumindest für das Jungvolk). Ebenso ist es mit grossen Nachteilen verbunden kein Natelbesitzer zu sein.

    Ferner sollten sie sich der Realität stellen; der “gläserne Bürger” wird kommen. Ob sie das jetzt wollen oder nicht. Die gesellschaftlichen Strukturen lassen es gar nicht anders zu.

  16. ugugu sagte, am Mai 19, 2009 zu 10:59 am

    Natürlich ist alles immer etwas komplizierter als ich mir das ebenfalls wünschen würde. Aber wer sind denn diese gesellschaftlichen Strukturen? Gehöre ich als von Facebook längst gelangweiltes Mitglied mit dem Namen “Ugugu” und dem Geburtsdatum 1908 bereits dazu, oder stehe ich damit komplett ausserhalb der Gesellschaft? Ist der “soziale Druck” heute schlimmer als vor sagen wir mal 20 Jahren? Fragen über Fragen. Den “gläsernen Bürger” als schicksalsgegeben zu akzeptieren, halte ich für eine doch etwas arg resignative Haltung. Offenbar sind 49,9 Prozent der Schweizer Bevölkerung meiner Meinung. Das ist doch ein Hoffnungsschimmer, oder etwa nicht?

  17. Heinz Vögeli sagte, am Mai 19, 2009 zu 1:09 pm

    Die Verbreitung der Informationstechnologie bspw. wäre Teil dieser Struktur, die Globalisierung, die Standardisierung von Abläufen und Prozessen, das Angleichen der Gesetzgebung, die Kooperation der Staaten untereinander. Nur einige Beispiele für die genannten Strukturen. Natürlich kenne ich auch nicht alle, da man sich diese “Struktur” nur schwer vorstellen kann.

    Letztendlich wird es darauf hinauslaufen, dass ein “Ablehnen” des “gläsernen Bürgers” mit mehr Kösten denn Erträge verbunden sein wird. Und deshalb wird der gläserne Bürger kommen.

    Ich kann nicht beurteilen, ob der soziale Druck heute schlimmer ist, als vor 20 Jahren. Um das geht es letztendlich ja auch nicht. Letztendlich ist er einfach da. Unterschiedliche Bevölkerungsschichten sehen sich mit unterschiedlichen sozialen Zwängen konfrontiert. Ich sehe es bei meinem Sohn, hätte er kein Natel, wäre er ein Aussenseiter in seiner Clique.


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