Monatsarchiv: Mai 2009

Zitterbibber!

UBS

Für ganz mutige Leser gibts drüben im UBS-Investmentletter Nr. 57 eine ganz gfürchige Banksterstory

Entsolidarisierungsstrategie

Tagi

Karrikatur aus  Flugblatt (PDF inkl. Rückseite)

Das war jetzt noch nicht die grosse Machtdemonstration. Aber was nicht ist, kann ja noch werden. Wenn Journalisten (und Gewerkschaften, siehe NZZ ) etwas noch lernen müssen, dann ist es das Antizipieren von Entsolidarisierungsstrategien. Einzig geklappt hat das Arschkartengame bislang bei der «Berner Zeitung» (Gratulation an die oder den Idioten ohne Rückgrat, welcher mit einem anonymen Schreiben Berufskollegen aus der ohnehin dünn besetzten BZ-Redaktion zu mobben versucht). Die Konzernleitung dankt. Ob die Entlassungsgespräche dieser Tage beim «Bund» und beim «Tagi» der spät lancierten Protestbewegung gleich das Rückgrat brechen, ist damit noch längst nicht entschieden. Wenn, und davon hängt in den nächsten drei Tagen alles ab, sich die Redaktion dazu durchringen kann, die Massenkommunikationsmittel, die in ihren Händen liegen,  auch zu nutzen. Zwei, drei am Bahnhof verteilte Flugblätter reichen da nicht.

Update I: Unglaublich wie sich Tamedia grad selbst demontiert. Zwei Tage nach dem ersten schüchternen Arbeitnehmer-Protest schickt man den Präsidenten der Personalkommission in die Wüste. Vielleicht sollte noch jemand dieses Video rippen. Bis zur Gerichtsverhandlung wird das wohl nicht mehr online zu finden sein…

Update II: Also Zufall ist das definitiv nicht.

Update III: Wer jetzt noch aufmuckt fliegt. Oder wie anders soll man die Antwort der Geschäftsleitung  auf die rundwegs abgelehnten Vorschläge der de facto guillotinisierten Personalkommission verstehen? «Da die Personalkommission zu der von ihr vorgenommenen Umfrage keine konkreten Namen vorlegt, muss über die bereits von der Chefredaktion geprüften Pensenreduktionen hinaus diese Massnahme abgelehnt werden.» Das sind ja Verhältnisse zum paranoid werden.

Hardcoreofflinen II

Bin dann mal ein paar Tage in Rom. Zwecks Manifestation gegen Volksverdummung. Die anderen Tage sind bereits fix für den Sandburgenbau am Meer reserviert. Falls das Wetter nicht rumzickt…

«5 nach 12» Tagi, Blocher, Grübel

1. Aktion Gr.E.L.L:  Gratiszeitung? Einfach Liegen Lassen!

2. Da staunt der Laie, doch der Fachmann schmunzelt nur…

3. Wenn Bibi eine Reise tut

Wieviel Hybris verträgt die Schweiz?

Ausländer

Das muss ich dem «Blick» jetzt doch kurz um die Ohren hauen. War nicht kürzlich die Rede davon, dass der Blick unter Chefredaktor Bernhard Weissberg vom prinzipiellen Linkskurs abrücken wolle?  Diese Ankündigung allein muss ja noch nicht gleich ein Rückfall in die kackbraunen 80er-Jahre bedeuten, als unter Peter Übersax  hemmungslos auf Tamilen, linke Politiker und Asylbewerber eingedroschen wurde. Deutsche tuns zur Not auch („Wieviele Deutsche verträgt die Schweiz?“). Da müffelt es doch ganz schön arg nach Hybris, wenn Frank A. Meyer in einer Rückschau auf die Ära Blocher schreibt:

Ja, die Journaille fand das grobe Geschrei, das geistlose Getöse sogar geil: Es lieferte das Spektakel, das man ohne jede eigene geistige Leistung so bequem inszenieren konnte. [weiter...]

Frank A. Meyer hätte nämlich auch schlicht die Frage stellen können, welche Boulevardzeitung den rechten Polit-Rabauken in den auflagestarken 80er-Jahren den braunen Teppich ausgerollt hat? Ebenfalls interessant zu erfahren wäre, inwiefern die «Verluderung der Sprache» und der angedrohte Rechtsruck als Reaktion auf Boulevardstrategien anderer Medienhäuser zu verstehen ist?

Kurzer Rant zur verlorenen Biopassabstimmung

Das war also die zweitknappste Abstimmung seit 1848. Mein Kürzestfazit:

1. Parteien werden künftig nicht umhin kommen, gesellschaftsrelevante Themen früher aufzugreifen und sich dann auch mehr als nur halbherzig dafür einzusetzen, wollen sie denn auch in Zukunft in der direkten Demokratie eine Rolle spielen.

2. Medien werden künftig nicht umhin kommen, gesellschaftsrelevante Themen rechtzeitig aufzugreifen und einigermassen sachlich darzustellen, wollen sie denn in Zukunft wieder etwas zur öffentlichen Meinungsbildung beitragen.

3. Blogger werden künftig nicht umhin kommen, Politikern und Medien noch stärker auf die Finger zu klopfen, wollen sie denn nicht wieder zu den (knappen) Verlierern gehören.

4. Themen gibt es genügend.

5. Antiliberale Positionen sind weniger en vogue als mancher Überwachungsfanatiker, Datenschutzverachter und Grundrechtseinschränker zu glauben scheint. Insofern bin ich mit dem Resultat, trotz Niederlage, für einmal halbwegs zufrieden.

Wichtige Blogmeldung

Paul Anton Zorn, Dr. Blog-Blogicki, Dorftrottel PAZ is back…und wie!

Meno male che satira reale c’è

Berlusconi

Seine Regierung lässt derzeit Flüchtlinge auf offener See verhaften und ohne Anhörung an die libysche Küste verfrachten. Er verstösst damit nicht nur eindeutig gegen Artikel 14 der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte sondern auch gegen Artikel 10,3 der italiensichen Verfassung. Und ich frage mich jetzt doch ein bisschen, unter welche Substanzen man das Nobelpreiskomitee setzen müsste, um dieser offenbar ernst gemeinten Kampagne zum Durchbruch zu verhelfen. (via) (warning: turn off your soundsystem off!)

Kallschlag noch lange nicht vorbei

Wie sagte doch vorgestern Tamedia-Chef Martin Kall, befragt von der«Handelszeitung» nach Sinn und Zweck  und überhaupt  Zukunft der Gratiszeitung «News» nachdem Konkurrent «.ch» das Zeitliche gesegnet hat:

«Wenn wir keine neuen Leser gewinnen und wir die Leserschaft nicht kommerzialisieren [sic!] können, dann hilft uns auch die Einstellung von «.ch» nicht. «News» hat sein Schicksal selber in der Hand.»

Today he fired 71 Journalists: «Bund» gerettet (-19), «Berner Zeitung» auch (-2), «Tages-Anzeiger» sowieso (-50).

(…alle Angaben mit Gewähr, falls ich die kryptische Monstermedienmitteilung richtig interpretiert habe.)

Qualitätsjournalismus weiterhin arg auf dem Vormarsch. Und jetzt die schlechte Nachricht: Bis Ende Jahr wird die Anzahl TagiBundNewsMinutenNetz-Journalisten, die ihr Schicksal selbst in die Hand nehmen dürfen, noch wesentlich höher ausfallen. Darauf verwette ich mindestens eine Million Gratiszeitungen.

De Giiztüfel

Single Point of Failure

Alles furchtbar kompliziert, alles furchtbar technisch. Aber man kann alles erklären, wenn man denn will. Ich sage nicht, dass ich im letzten halben Jahr nichts über den biometrischen Pass in Schweizer Zeitungen gelesen habe, aber kaum etwas,  was mir als Stimmbürger den Entscheid auch nur ansatzweise erleichtert hätte. Mit gaaaanz wenigen Ausnahmen. Hatte ich schon erwähnt, dass ich ein überzeugtes NEIN einlegen werde?  (via)

«5 nach 12» Qualität, Quantität, Quälentut

1. Ja, Qualitätsjournalismus! (Feynsinn)

2. Zu Versteigern: 50 Zeilen und ein Foto (JakBlog)

3. Pudelgewinsel (Blogbar)

4. Horch, was kommt von unten her? (Stilstand)

5. Hängt die Verleger (Hose & Dose)

6. Ein-«Bund»-Konzept (Medienspiegel)

7. Die papierene Spaltung (Indiskretion Ehrensache)

8. Qualitätsjournalismus (Stationäre Aufnahme)

9. Wutmäander zur Qualitätsdebatte (Stefan Niggemeier)

Vier Links zu viel, hat niemand gemerkt…

Carl Albert Loosli

«Loosli plädierte für das Frauenstimmrecht (1906), für die Erhaltung des Asylrechts (1908) und für die schnelle Einbürgerung von Ausländern (1915). Er hielt die Schweiz für »regenerationsbedürftig« (1912), Staatskirchen für »religiöse Aktiengesellschaften« (1940), die Schweizer Flüchtlingspolitik für einen »Bund mit Mördern« (1942) und die Geistige Landesverteidigung für »Verblödung des Volkes« (1946).»

Ok, das Frauenstimmrecht wurde unterdessen eingeführt…

Ein Gesamtwerk, das ich mir sofort unter den Nagel reissen würde, wenn es denn JEMAND (wink mit dem Zaunpfahl!) herausgeben würde. In der Zwischenzeit lese ich halt mal das was Gratis im Netz rumschwirrt.

Doris Fiala legt nach…

Oh Doris, oh Fiala, oh sinnfreier Freisinn. Seit doch für einmal ein bisschen Stolz! Auf Heise.de schafft es längst nicht jeder Schweizer Politiker. Daran ändert auch die nachgeschobene Journalistenschelte (PDF, mit weiteren liberalen Tiefpunkten) nichts. Ernst Cincera, ick hör dir trappsen. So viel Freisinn für heute. Und nun direkt ins Abstimmungsstudio nach Zappadonghausen.

Doris Fiasko

Wenn die Feinde der Freiheit recht haben, und wir für mehr Sicherheit problemlos auf rechtsstaatlichen Prinzipien wie etwa die Unschuldsvermutung verzichten könnten, stellt sich für mich eine nicht ganz unerhebliche Frage: Wer garantiert meine Sicherheit, sobald die Feinde der Freiheit die Freunde der Freiheit als Sicherheitsrisiko einstufen?

Schweinetourismus

Schweinegruppe(Screenshot Welt.de / mehr zum Thema)

Interview with myself

Freu mich wie ein Kind auf den zweiten Teil des Interviews, das Miriam Meckel mit Medienexperte Finn Canonica geführt hat. Ach so, ne, war ja umgekehrt. Hat hier jemand Schmock gesagt?

«5 nach 12» Augenreiberei, «SGB.ch» , Wallraff

1. Switzerlands next Topblog (via)

2. Wie wär’s wenn der SGB in einer mutigen Aktion das Gratisblatt «.ch» übernehmen würde?

3. Günter Wallraff – Der Mann, der bei BILD Hans Esser war (via)

4. Der Staatsanwalt in meinem Bett (Nils Minkmar, Faz)

5. Wegen Sparmassnahme Faulheit heute nur vier Links.

Mehr Effizienz!

Auch Journischredder bekommt die Krise zu spüren. Insgesamt werden bis Ende Jahr 20 Stellen abgebaut. Dies aufgrund der anhaltend nichtvorhandenen Einnahmen im Werbemarkt sowie der längerfristigen Strukturperspektiven abonnierter Blogs. Die Reduktion des Stellenetats erfolgt mittels Abschiebung ans RAV, Frühverrentung und  Teilzeitgeblogge.  Zudem umfasst das Sparprogramm zur «nachhaltigen Effizienzsteigerung und Kostenreduktion» Massnahmen zur kostenrelevanten Optimierung von Prozessabläufen. Insbesondere wird die Blogstruktur sowie redaktionelles Beigemüse («5 nach 12») auf Straffung und Kostenoptimierung hin überprüft. Damit verbunden ist das Ziel, sich systematisch auf die Kernkompetenzen abonnierter Blogs zu konzentrieren. Was das alles genau zu bedeuten hat, wissen wir zwar noch nicht, aber wir werden es herausfinden

«5 nach 12» Fopel, Tagi, Biopässe

1. Fiat + Opel ? (via)

2. Martin Kall-hart

3. «Die Zeit» und die «intellektuelle Finsternis»

3. Bierregeln & Schnappslektion

4. Facebook-User sind gegen biometrische Pässe