Paid Content funktioniert, aber…
So hab ich mir das noch gar nicht überlegt. «Paid Content» funktioniert. Das Problem: Google findet die Inhalte nicht mehr. So der amerikanische Journalistikprofessor Jay Rosen, den ich in diesem Blog auch schon das eine oder andere Mal erwähnt habe, über das gescheiterten Bezahlmodell der «New York Times», im NZZ-Interview:
«An diesem Projekt hat die «Times» tatsächlich Geld verdient, es wurden sogar die geplanten Umsatzziele erreicht, was bedeutet, dass es genügend willige Abonnenten gab. Allerdings bemerkten die «Times»-Leute schnell, dass noch viel mehr Nutzer über Suchmaschinen auf ihre Seite gelenkt werden, so dass sie besser damit fuhren, ihre Archive kostenfrei zu öffnen.»
Was zumindest solange ein Problem bleiben wird, als Klicks als die einzig und allein seeligmachende Internetwährung gilt. Aber auch danach wird man ja irgendwie gefunden werden wollen – nüch? Fast noch wichtiger scheint mir hingegen diese Feststellung:
«Journalisten sind abhängige Geschöpfe, denn sie glauben immer noch an einen «Big Daddy» im Hintergrund. Sie haben «Big Daddy» zwar nie über den Weg getraut, aber immer daran geglaubt, dass er für Werbeanzeigen sorgt, Büros bereitstellt, die Druckereien zur Verfügung stellt und sich um alles kümmert. Sie dachten, sie hätten ein Recht dazu, in Ruhe gelassen zu werden, um ihre Berichterstattung zu erledigen. Das ist eine ganze Weile gutgegangen, aber einen «Big Daddy» gibt es jetzt nicht mehr. Und jemand anderen, der ihre Probleme löst und sie unterstützt, wird es künftig auch nicht geben.»
Tja, so ist das nun mal.

Zitat: “Was zumindest solange ein Problem bleiben wird, als Klicks als die einzig und allein seeligmachende Internetwährung gilt.”
Das versteht Du vollkommen falsch. Die “seeligmachende” Währung im Internet ist die gleiche wie diejenige in der restlichen Welt – Cash!
Die NY Times hat lediglich bemerkt, dass sie mit dem zusätzlichen Suchmaschinen-Traffic kombiniert mit Werbebannern und Google Adwords mehr Geld verdienen, als mit einem kostenpflichtigen Archiv.
Zu Deinem zweiten Zitat: Es schadet meiner Meinung nach nicht, wenn Journalisten wissen, woher das Geld kommt, das sie für ihre Arbeit bekommen. Aber ich fürchte, es schadet dem Journalismus, wenn jeder künftig an seinem Laptop in seine eigene Tasche wirtschaften muss. Dass Journalisten auch ihre eigenen Verleger sein sollen, ist in meinen Augen keine erfreuliche Perspektive. Und ich rede hier von Qualität und Relevanz der journalistischen Arbeit, nicht von Geld.
die frogg hat natürlich insofern recht, als dass viele verleger von der in meinen augen absurden idee ausgehen, es gäbe in zukunft noch vielmehr “freiwild” das man als “freie” beschäftigen könnte. dagegen sprechen zwei harte fakten: die einkommensschmerzgrenze für frei journalisten ist längst unterschritten, und diejenigen, welche heute noch von “big daddy” ein festes gehalt beziehen, lassen sich nicht automatisch in freie umwandeln.
was spricht denn eigentlich gegen ein revival von kollektivverlagen?
In meinem Fall, ehrlich gesagt, bittere Lebenserfahrung
@die frogg: “Aber ich fürchte, es schadet dem Journalismus, wenn jeder künftig an seinem Laptop in seine eigene Tasche wirtschaften muss.”
Die Befürchtung teile ich – und bin etwas verwundert über eine (aus meiner Sicht) gewisse Naivität eines Journalismus Experten wie Jay Rosen. Das Ergebnis wären doch Nachrichten und Berichterstattung, die nur noch an Einschaltquoten und Klicks orientiert sind, ein (für mich abschreckendes) Beispiel sind hier die Nachrichten in den privaten TV-Sendern. Oder denke ich zu traditionell, oder gar zu elitär?
Ganz persönlich bin ich sehr skeptisch gegenüber dem sog. Bürgerjournalismus, den Jay Rosen für die Lösung vieler Probleme hält. Ich habe mich auch in meinem Blog entsprechend mit dem Rosen-Interview beschäftigt: http://hd2cents.blogspot.com/2009/01/unternehmerisch-denkende-journalisten.html.
@hdz: gegenfrage: an was genau sind denn die gegenwärtigen onlineangebote von zeitungen orientiert, etwa nicht an klicks und “einschaltquoten” ? das dilemma ist ein anderes: werbefinanzierter journalismus stösst derzeit an seine grenzen.
sogar in doppelter hinsicht: damals in der offlinewelt hiessen die bürgerreporter noch journalisten oder auch “freie”. nur brechen diese in der onlinewelt gänzlich weg, weil niemand – ausser ein paar pr-hansel – bereit ist, gratis für verlage zu arbeiten. insofern teile ich den optimismus von jay rosen ebenfalls nicht, zumindest was die rettung von verlagen durch bürgerreporter anbelangt, denn diese wollen cash sehen, oder publizieren halt anderswo: in blogs, in der wikipedia, oder wo auch immer, aber sicher nicht auf werbefinanzierten plattformen anderer unter gleichzeitiger abtretung sämtlicher textrechte zum nulltarif.
vielleicht muss man es so sehen: der bürgerreporter ist einerseits ein nettes märchen von und für verleger, andererseits ein willkommener kampfbegriff für journalisten, die sich gerne von einem schreibenden prekariat abgrenzen möchten – weil sie für sich selbst eine rosigere zukunft sehen wollen, obwohl sich dies qualitätsmässig längst nicht mehr begründen lässt.
[...] drs.ch, bbc.co.uk und swissinfo.ch. Neben der New York Times, die kürzlich gemerkt hat, dass Paid-Content nicht unbedingt funktionieren muss, gibt es unzählige Möglichkeiten, sich umfangreich und gut im Web zu [...]