Journalistenschredder

Verspätete Weihnachtspredigt…

Veröffentlicht in Nicht kategorisiert von ugugu am Januar 1, 2009

…oder eine Art Neujahrsansprache

(via bleiberecht.ch)

11 Antworten

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  1. mds sagte, am Januar 2, 2009 zu 1:13

    Ist die Kirche immer noch besetzt? Da soll noch jemand sagen, wir lebten in einem Polizeistaat … :->

  2. Herr Akles sagte, am Januar 2, 2009 zu 2:11

    Das ist doch keine Weihnachtspredigt, das ist nur die altbekannte Leier!

    Das Einzige, was die Flüchtlingsorganisationen befriedigen würde, wäre eine bedingungslose Aufnahme aller Flüchtlinge und ein unbedingtes „Bleiberecht für alle“. Diese Rechnung ginge vielleicht bei uns im Olymp auf (und selbst der steht nicht allen offen), aber bestimmt nicht für die Schweiz.

    Die Forderung nach einem „Bleiberecht für alle“ setzt das humanitäre Ziel aufs Spiel, als Staat an Leib und Leben gefährdete Flüchtlinge vorübergehend aufnehmen zu können, so lange sie in Gefahr sind. Weil dann jede Gewährung von Asyl einer definitiven Aufnahme gleichkäme.

    Eine Lösung wäre, das Hoheitsgebiet der Schweiz auf die gesamte bewohnbare Fläche der Erde auszudehnen. Dann könnten endlich alle Menschen in der Schweiz leben, die gerne in der Schweiz leben würden.

    Ob es sich in dieser Schweiz dann immer noch gut und friedlich oder überhaupt leben liesse, ist eine Frage, die man noch abklären müsste.

  3. ugugu sagte, am Januar 2, 2009 zu 12:25

    Nein, Herr Akles, da verstehst du etwas komplett falsch. Es geht auch um die kantonalen Spielräume im Bezug auf sog. „Härtefälle“. Für den einen Kanton ist eine Familie mit 16-jährigen Teenagern, die sämtliche Schulstufen in der Schweiz durchlaufen haben und kaum Bezug zum Land der Eltern haben ein Härtefall, für die andern hingegen nicht.

    Oder findest du es ok, Frauen auszuweisen, die sich vier Jahre von ihren Männern verprügeln lassen, bevor sie die Scheidung einreichen? Oder HIV-Positive Menschen auszuschaffen, denen niemand den Zugang zu Medikamenten in ihrem Herkunftsland garantieren kann? Nicht minder absurd wird es, wenn Schweizer um das Bleiberecht der eigenen Kinder kämpfen. Alles Einzelschicksale, die man hier oder hier nachlesen kann.

    Im übrigen empfehle ich jedem der hier rumnölt mal 5 Jahre in einem fremden Land unterzutauchen – ohne Arbeitsbewilligung und ohne kriminell zu werden, um anschliessend 18-Monate in einem Gefängnis zu verbringen. Nur um etwas das Gespür für Recht und Unrecht zu erhalten.

    Und mds muss ich leider Recht geben, die Schweizer Asyl- und Ausländergesetze, die notabene zu den schärfsten in Europa gehören (Politiker von Padanien bis ins Bärental kriegen feuchte Augen, wenn sie darüber schwärmen…) lassen sich vermutlich nur in einem Polizeistaat 1:1 umsetzen. Zu denken geben sollte uns die Tatsache, dass es durchaus Leute gibt, die sich einen solchen herbeiwünschen.

  4. Herr Akles sagte, am Januar 2, 2009 zu 5:12

    Herr ugugu. Jetzt mal im Ernst.

    Mein Budget, das ich pro Tag für Nahrung, Haushaltartikel, Kleidung, Transport zur Verfügung habe, ist kleiner als das eines Sans-Papiers in der Schweiz.

    Dieser bekommt von der Schweiz täglich Fr. 8.50 dafür. Mein Leben ist kein einfaches Leben, aber es ist möglich und ich werde dadurch nicht „in die Illegalität gedrängt“. Mein Budget ist zudem selbst und hart erarbeitet, das Geld schenkt mir weder der Staat noch sonst jemand. Und ich würde mich über täglich Fr. 8.50, eine staatlich bezahlte, medizinische Betreuung und ein gesponsertes Dach über dem Kopf, selbst wenn es alle zwei Wochen ein anderes ist, nicht beklagen, sondern höflich bedanken.

    Ich beneide Sans-Papiers nicht. Aber bleiben wir doch auf dem Boden der Realität.

    So, und nun dürfen Sie wieder über Härtefälle reden.

  5. Linktipps (2.1.) | Substanz sagte, am Januar 2, 2009 zu 5:39

    [...] Verspätete Weihnachtspredigt… Pfarrer Sieber bei den Sans-Papiers | Journalistenschredder… [...]

  6. ugugu sagte, am Januar 2, 2009 zu 6:04

    Ja, und der Boden der Realität ist relativ verdammt hart. Tagsüber, nehme ich an Herr Akles, stellt dich niemand auf die Strasse mit einem Migrosgutschein in der Hand, in der Hoffnung, dass du dich möglichst schnell illegal ins nächste Nachbarland absetzt. Auch das mit der medizinischen Versorgung ist so eine Sache und längst nicht in dem Ausmasse gewährleistet, wie es in einem zivilisierten europäischen Land eigentlich zu erwarten wäre. Ich nehme an, du hast eine Krankenkasse?

  7. Herr Akles sagte, am Januar 2, 2009 zu 9:40

    Nein, Herr ugugu, mich stellt niemand mit einem Migrosgutschein auf die Strasse. Ich bezahle an der Migros-Kasse mit meinem eigenen, spärlichen Geld.
    Das ist es, was einen Gutschein, wie ihn die Sans-Papiers bekommen, als Geschenk des Himmels erscheinen lässt, für das man nur dankbar sein kann.

    Was Sie den Schweizer Behörden unterstellen, nämlich Beihilfe oder gar Nötigung zu illegalen Handlungen, ist ziemlich unverschämt. Niemand muss unter solchen Bedingungen kriminell werden, um leben zu können. Mein Lebenswandel ist Beweis genug.

    Ich habe eine Krankenversicherung, denn diese ist leider gesetzlich vorgeschrieben. Ich bezahle die tiefstmögliche Prämie. Medikamente und Arztbesuche kann ich mir nur in Ausnahmefällen leisten, da ich alle jährlichen Krankheitskosten bis zur Höhe meiner Franchise (Fr. 2500) zu 100% selbst bezahlen muss.

    Ja, der Boden der Realität ist hart. Relativ und absolut. Aber ich lebe, bin nicht an Leib und Leben gefährdet. Ein Recht auf ein „schönes“ Leben hat man auch als Schweizer in der Schweiz nicht.

    Ich besetze keine Kirchen und für mich geht niemand demonstrieren. Ich würde das auch nie verlangen. Denken Sie morgen Abend daran, Herr ugugu. Das ist alles. Dankeschön.

  8. ugugu sagte, am Januar 2, 2009 zu 10:26

    Langsam kommen wir auf den Punkt. Es ist leider unterdessen eine Tatsache, dass die Schweiz längst nicht mehr von sich aus die Garantie übernimmt, allen an Leib und Leben gefährdeten Asylbewerbern den nötigen Schutz zukommen zu lassen. Das kann Herr Akles jetzt glauben, oder weiterhin kleinkrämerisch über Migrosgutscheine debattieren. Ich unterstelle den Behörden gar nix. Diese versuchen die Gesetze umzusetzen, wie sie von der Schweizer Bevölkerung in der Ära Blocher aufgegleist wurden – in die „Illegalität“ (im Sinne von Illegal anwesend, weil ohne Papiere, nicht im Sinne von Delinquenz) tauchen die betroffenen Personen von alleine und ganz automatisch ab. Aber wenn es hier Spielräume für die oben beschriebenen Härtefälle gibt, dann darf man auch ein kleines Zeichen setzen, damit diese von ebendiesen Behörden auch genutzt werden.

    Und noch etwas sollte sich Herr Akles hinter die Ohren schreiben: Krankenkassenprämienverbilligungen beantragen (je nach Kanton unterschiedlich geregelt). Im übrigen ist mir nicht entgangen, dass in der Schweiz bereits eine Menge Leute knapp am Existenzminimum leben, mit oder ohne Arbeit. Die dümmst mögliche politische Antwort darauf ist allerdings ein „battle of the poor“ vs. „illegal aliens“ entstehen zu lassen. Solche infantilen Spiele überlasse ich gerne der SVP.

  9. Herr Akles sagte, am Januar 4, 2009 zu 10:52

    Das Kollektiv hinter bleiberecht.ch zensiert übrigens Kommentare auf seiner Seite (http://www.bleiberecht.ch/).

    Meine beiden kritischen, aber nicht unhöflichen Kommentare wurden bis jetzt nicht veröffentlicht, auch nicht auf meine schriftliche Nachfrage hin.

    Ich bekam vom Moderator der Seite nur ein e-Mail mit einer einzigen Zeile zurück, die ich persönlich als beleidigend empfinde. Die Zeile lautet:

    dann geh arbeiten!!!!!!

    Nicht gerade die feine Art, wie ich finde.

    Offensichtlich ist bleiberecht.ch an Fakten und einer offenen Diskussion nicht interessiert. Bedauerlich.

  10. Zappadong sagte, am Januar 5, 2009 zu 10:25

    Lieber Akles,

    Meinen Respekt haben Sie. Ich kenne ebenfalls Leute (Schweizer), die sich mit so wenig durch’s Leben schlagen, dass mir angst und bang wird.

    Trotzdem oder gerade deswegen: Warum den einen armen Teufel gegen den anderen armen Teufel ausspielen? Warum nach unten treten, wenn man selber unten ist? Das verstehe ich nicht. Vielleicht können Sie mir das einmal erklären. Keiner dieser Menschen nimmt Ihnen etwas weg, jeder dieser Menschen hat eine Würde wie Sie auch.

    Sogar mein mickriger, knausriger, nicht gerade für sein soziales Engagement bekannter Kanton St. Gallen anerkennt wesentlich mehr Härtefälle als der Kanton Zürich. Allein das sollte einem zu denken geben.

    Und dann schauen Sie sich die Beispiele von ugugu an: Es gibt sie wirklich, diese Härtefälle. Kinder und Jugendliche, die mit meinen Kindern zur Schule gehen, Deutsch sprechen, keine andere Heimat kennen als die Schweiz (weil sie hier geboren wurden oder schon sehr lange hier sind) und für die ich mich mit Händen und Füssen wehren würde, wenn man sie ausschaffen wollte.

    Wir reden hier von Menschen!

  11. Carlo Müller sagte, am Januar 21, 2009 zu 8:54

    Bei allem Respekt, aber einfach zu sagen, dass man unter gleichen Bedinungen die betroffenen Besetzer lebt, ist zynisch und menschenverachtend. Es ist doch absolut lächerlich zu sagen, man hätte weniger als die Menschen, welche in einem Nothilfe-Regime leben. Aerztliche Versorung gibt es KEINE und der Grossteil der Betroffenen ist unterdessen schwer psychisch krank. Ich war selbst in der Kirche zu besuch um den Schweizer Unterstützer meine Meinung zu sagen. Als ich mit den Betroffenen gesprochen habe, war ich aber echt geschockt. Alle kamen aus den schlimmsten Terrorländer und sind seit jahren in der Schweiz. Ich konnte nur noch leer schlucken, je länger ich mit den Leuten vor Ort diskutiert. Das sich jemand gleichsetzt mit Sans-Papiers, ohne deren Realität effektiv zu kennen, ist übel. Wie krank und selbtverliebt kann man(n) nur sein????


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