Journalistenschredder

Newshetz

Veröffentlicht in Nicht kategorisiert von ugugu am Dezember 15, 2008

Ich mag nicht so gerne politische Kampfbegriffe, aber der heutige «BernerBaslerNewsnetzTagiBund»-Aufmacher hat für mich durchaus etwas «faschistoides». Mit Sicherheit aber ist er extrem weltwochig. Bin ich zu überempfindlich? Oder hätte sonst noch in einer der vier Onlineredaktionen, des unterdessen weitreichenstärksten Onlineangebotes der Schweiz, bei jemand die innere Warnlampe aufleuchten müssen? Also mich erinnert das stark an den fremdenfeindlichen rassistischen «Blick»-Boulevardstil der 80er-Jahre…

newsnetz

(Screenshot Newsnetz? Oder doch Winkelried.info?)

Dabei hätten die dort beim «Tagi» in der Redaktion auch ein paar kluge Köpfe. Gerade beim Thema Raser frage ich mich wieder einmal: Wieso verlinken die eigentlich die eigenen Inhalte mit Inhalt in diesem Zusammenhang nicht?

11 Antworten

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  1. Bruder Bernhard sagte, am Dezember 15, 2008 zu 10:59

    Ich finde, politische Kampfbegriffe verlieren ihre Schärfe, wenn man sie inflationär verwendet. Fremdenfeindlichkeit oder Gedankenlosigkeit oder Schlagzeilenbolzerei oder Faulheit oder Populismus oder Ausdrucksschwierigkeiten oder Unprofessionalität sind genau das – aber noch lange nicht ‘faschistoid’

  2. zappadong sagte, am Dezember 15, 2008 zu 1:44

    Nach einer ausführlichen Kommentarleseübung auf der newsnetz-Plattform (Recherche, Freude gemacht hat es nicht) glaube ich sagen zu dürfen, dass die Redaktion den Stil ihrer Artikel (zum Teil) ihrer Leser- und vor allem Kommentiererschar anpasst.

    Wenn das jetzt noch die Werbeindustrie mitbekommt, gibt es bald Inserate für Villiger-Stumpen und Kräuterschnaps …

  3. Frau Müller sagte, am Dezember 15, 2008 zu 1:55

    Ärgerlich ist diese Emotionalisierung des Journalismus. «Newshetz» glaubt offenbar, dass es seine Leser nur dadurch an sich binden kann, indem es sie in einen Dauererregungs-Zustand versetzt. Das Wort «faschistoid» dünkt mich in diesem Zusammenhang unangebracht. Diese Art von Journalismus ist einfach nur plump und dumm.

  4. zappadong sagte, am Dezember 15, 2008 zu 2:04

    Wenn ich den Gedankengang von Frau Müller noch etwas weiterführen darf: Dieser plumpe und dumme Journalismus freut jene, die plump, dumm und dauerreregt kommentieren … und schreckt jene ab, die ein etwas differenziertes Weltbild haben. Die werden den Seiten irgendwann fern bleiben. Da könnte ein Experiment (Online-Newsplattform) gerade heftigst den Bach durchab gehen, mit gütiger (dummer?) Mithilfe der Journalisten.

    Leider sieht es auch in den Kommentarspalten von nzzonline nicht viel besser aus. Und weil ich auch beim online-blick unterwegs war: Die Kommentare sind überall praktisch gleich.

    Wenn mir das jemand vor fünf Jahren gesagt hätte, hätte ich laut gelacht – und es nicht geglaubt.

  5. Bruder Bernhard sagte, am Dezember 15, 2008 zu 3:03

    Frau Zappadong, da muss ich mich aber jetzt aufs Äusserste erregt gegen Ihr Vorurteil verwahren. Was in Herrgotts Namen haben Villiger Stumpen und Kräuterschnaps mit dumpfen Kommentaren zu tun? Wenn Sie schon eine Verbindung zwischen politischer Einstellung und Konsumgewohnheiten herbeizwingen wollen: Ich plädiere für – ach, das behalte ich jetzt noch für mich, weil ich es näxtens bloggend aufspiessen will… Sie dürfen ja schon mal raten ;-)

  6. Ralph sagte, am Dezember 15, 2008 zu 5:04

    Sie verlinken nicht, weil die Newsnetzplattform kein Blog ist. Und das machen nur Blogs so. ;-)

  7. köbi bünzli sagte, am Dezember 16, 2008 zu 9:09

    lies das:
    Im Alltag werden wir, die wir versuchen, unseren Beitrag zur angewandten Meinungsfreiheit zu leisten, schon des versteckten Rassismus bezichtigt, wenn wir nur empirisch erhärtete, aber unangenehme Fakten verbreiten: Dass unter den erwischten Rasern überdurchschnittlich viele junge Männer vom Balkan zu finden sind; dass der Drogenhandel auf der Grossen Schanze in Bern oder im Zürcher Langstrassenquartier sich grösstenteils in den Händen von Afrikanern befindet; dass die meisten schweren Terroranschläge der letzten Jahre von Muslimen begangen worden sind (wobei der theologische Disput darüber, ob der Islam die Ermordung «Ungläubiger» zulässt oder nicht, ausgeklammert werden soll); dass in unseren Gefängnissen überproportional viele Leute mit «Migrationshintergrund» einsitzen.
    Artur Vogel

    link: http://bundblog.derbund.ch/zur-lage-der-welt/republik-der-rassistent.html

  8. Bruder Bernhard sagte, am Dezember 16, 2008 zu 9:48

    @Bünzli: da kommt Vogel aber dem „Man wird doch noch fragen dürfen“ der rechtsextremen Leugner von Holocaust und Völkermord bedenklich nahe.

    tipp an Vogel: weitere Recherchen zu Statistiken anstellen, da könnte noch manche Schlagzeile begraben sein. Ohne es selber gemacht zu haben: Zusammenhang Straftat mit Zivilstand oder Körpergrösse oder Gewicht oder Haarwuchs oder sexuelle Präferenzen etc etc.

    Schlagzeile im bund: Swinger morden nicht

  9. ugugu sagte, am Dezember 16, 2008 zu 10:47

    @KöbiBünzli:
    Wer redet denn hier von verstecktem Rassismus? Ok, etwas Differenzierung ist immer gut. Ich habe kein Problem mit der Offenlegung solcher Raserstatistiken, dann aber bitte ohne gleich die statistischen Abweichler ins „Fadenkreuz“ zu nehmen. Überhaupt, was soll der stets heuchlerische Nachsatz vonwegen man dürfe solche Themen nicht ansprechen? Wann, wie, wo durfte man das nicht? Die Weltwoche behauptet solchen Mumpitz seit Jahren, ohne Grundlage allerdings.

    Womit ich allerdings sehr grosse Probleme habe sind Auto-Versicherungen nach nationalistischen Kritierien. Was Bundesrat und Parlament unterdessen sogar abgesegnet haben (die parlamentarische Versicherungslobby lässt grüssen) ist und bleibt ein Verstoss gegen das Diskriminierungsverbot in der Bundesverfassung.

    Noch ein Wort zum zitierten Chefred. Vogel: Aus meinen ganz subjektiven Beobachtung kann ich in den vergangenen Jahren keine Abnahme von Ressentiments gegen Ausländer feststellen. Rassismus-Tendenz eher wieder steigend. Wenig Hilfreich also, sich auf den UN-Sonderbeobachter für Rassismus einzuschiessen.

    Ich empfehle Artur Vogel (und Köbi Bünzli) höchstens mal einen Blick in die Presse auf der anderen Seite des Röstigrabens. Hier: «Raser» Dort: Fast täglich hart recherchierte Stories zur Schweizer Asyl(un)rechtspraxis. Sage mir keiner, solche liessen sich in der Deutschschweiz nicht finden. Im Frühling zur Abwechslung mal ins Kino kann auch nicht schaden.

  10. Thinkabout sagte, am Dezember 17, 2008 zu 10:48

    Frau Müller spricht mir aus dem Herzen:
    Wörter wie „faschistoid“ sind in diesem Zusammenhang wie in den meisten anderen kontraproduktiv, weil sie die Lust der Medien an provokativen Aufmachern eher steigern dürften.
    Das wunderbare Gegenbeispiel liefert Ugugu hier gleich auch: Newshetz. Besser und pointierter, entlarvender, kann man nicht kritisieren.

  11. Matthias sagte, am Dezember 18, 2008 zu 9:52

    @Köbi Ach so, die muslimischen Balkan-Afrikaner mit Migrationshintergrund sind heute an allem Schuld? Das ist mir ehrlich gesagt zu kompliziert. Früher war das einfacher: Da waren nämlich die Italiener an allem Schuld.


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