Ich hab da kürzlich irgendwo im Internet behauptet (haha, selber suchen), der wirklich lesenswerte Artikel «Wo ist das Geld geblieben» sei online nicht zugänglich, und erst jetzt gemerkt (danke Basic), dass die bei Zeit-Online offenbar nicht alles gleich freischalten. Bringt’s das? Also ich finde nein. Der Grund, weshalb ich den Artikel aber nun verlinke und auch offline aufbewahre, ist ein anderer. Ich bin mir nämlich fast sicher, dass ich irgendwann, sagen wir in vierzig oder fünfzig Jahren, ein Enkelkind auf dem Schoss werde sitzen haben, der mich frägt: «Sag mal Opa, wie war das damals mit der Finanzkrise».
Klar, wir werden jetzt langsam alle Finanzspezialisten, aber ob ich das im Altersheim in meiner kleinen schnieken Wohnung am Meer (die noch zu kaufen wäre) noch zusammenbröseln kann? Also heb ich’s mir auf. Ihr haltet das vielleicht für unrealistisch, ich hingegen setze bereits jetzt alle Hoffnungen in die Jugend der Zukunft, die viele viele kluge Fragen stellt und aus denen (etwas) klügere Banker werden. Und Politiker und Journalisten, und, und, und…

was für ein freudensprühender und megaoptimistischer eintrag. ich bin entzückt. die jugend, ach, die jugend, was für ein licht am ende des tunnels, was für eine nachhaltige investition, was für ein wellness narkotikum. sicher wird sie, die jugend, dereinst des freitagabends auch nicht mehr nach diesen grässlichen billig-douche-gels riechen. und in der sbb nicht mehr grossspurig rumlümmeln. was für eine perspektive. boah…
reinster optimismus oder doch eher dicke ironie? aber hat dir niemand gesagt, dass ironie beim schreiben nicht funktioniert (und wer das gegenteil behauptet, lügt).
die finanzkrise wird genauso in den erinnerungen verschwinden wie die krisen zu beginn des 21. jahrhunderts oda die anderen dutzend, die es in den letzten acht jahren gab.
vielleicht ist es dann gar nich mal so schlecht, dass du dir den artikel aufgehoben hast, du kannst dann immer den mahnenden finger heben und brüllen: “das ist genau wie damals bei der finanzkrise… damals… 2008″. ob du das dann im altersheim machst oder in deinem haus am strand… nunja, ich drück dir für die zweite option die daumen.
@redakteur: Habe allerdings bis heute noch keine vernünftigen Argumente gehört, weshalb Ironie in schriftlicher Form nicht funktionieren sollte, auch wenn es zu den hartnäckigsten Dogmen der “reinen” Journalistik zu gehören scheint. Oder hat es vielleicht eher etwas damit zu tun, dass diese ganz generell vom «DAUL», vom dümmsten anzunehmenden Leser ausgeht?
btw: frage mich gerade ob es geschickt ist, wenn eine initiative nachrichtenaufklärung mit “redakteur” kommentare in anderen blogs hinterlässt. wie wärs mit unterschiedlichen pseudonymen? redakteur ist ja schliesslich jeder der ein CMS abfüllt.