David Bauer und die Diktatur der Masse
Offenbar ist das hier (via Buzz-Formular) die Reaktion von David Bauer auf das Feedback auf seinen Blog-Verriss in der Sonntagszeitung von letzter Woche. Bemerkenswert finde ich, dass er der schwachsinnigen These eines angeblich anonym bleiben wollenden Bloggers applaudiert: «Die Blogosphäre trägt Züge einer Diktatur der Masse». Alter Journalistentrick: Hast du nicht die Eier etwas zu schreiben, zitiere den nächsten dahergelaufenen Idioten. Solchen Schwachfug über die Blogosphäre habe ich bislang höchstens auf Berlusconis «Canale 5» oder Ruppert Murdochs «Fox-TV» gehört. Wer A sagt muss aber auch B sagen. Und bislang hat noch niemand (auch kein Journalist) vernünftig darlegen können, wie man das Internet kontrollieren könnte, ohne auf direktem Weg in einer realen Diktatur zu landen. Nun denn, wir bloggen weiter. Yes Because we can.
Update: Der Vollständigkeit halber und dass man sich unter «Diktatur der Masse» etwas vorstellen kann, hier die zwei, drei Blogreaktionen auf den jämmerlichen Artikel: [1][2][3][4][5][6][7][8][9][10][11][12][13][14]

Ja, Nee…. schon klar: die pöööhsen, pöööhsen Blogger. Da schreibt man als Journalist nur ein paar kritische Thesen und Bemerkungen zu Bloggern nieder und die reagieren beleidigt und wutentbrannt… wagen es gar, mit dem „Zweihänder“ zurückzuschlagen.
Merkt der Typ eigentlich noch irgendwas? Wer eine derart provokante und respektlose Überschrift für seine „Grundthesen“ wählt, braucht sich über entsprechende Reaktionen gar nicht zu mokieren. Wie man in den Wald ruft….
Aber genau das war ja der Sinn der Sache. Zu provozieren und entsprechende Reaktionen hervorzurufen… um dann sich selbst bestätigt zu fühlen.
Wie durchschaubar und erbärmlich…. „Print“ und anderen etablierten Medien geht wahrhaftig „der Arsch auf Grundeis“…
Das war ja vorhersehbar – es ist die klassische Strategie: Erst wüste Beschimpfungen in den Wald rufen und sich dann darüber mokieren, wie es zurückschallt.
Sogar einen dezenten Hinweis auf den alten SZ-Artikel Keine Narrenfreiheit für Blogger hat er untergebracht – vermutlich kannte er den Artikel gar nicht und ist erst durch die Blogs darauf gestossen :-).
Das ist nicht zu glauben! „Diktatur der Massen“ – und das wegen ein paar angeblich irrelevanter Blogs. Bauer scheint die Bedeutung des Begriffs Diktatur nicht zu kennen – das finde ich jetzt nur noch peinlich, und es fällt auch unter Godwins Gesetz (Wikipedia). Sowas passiert normalerweise nur Anfängern.
Vom selben «dahergelaufenen Idioten» zitiert David Bauer die Aussage: «Die Leute lesen nicht mal die Texte, bevor sie die Autoren zerreissen.»
Von allen Sätzen, die über seinen letzten Artikel geschrieben wurden, identifiziert er sich ausgerechnet mit diesem Satz. Warum? Ich komme nicht darum herum, zu denken, dass es sich dabei um eine Projektion, einen Abwehmechanismus handelt.
Faktum ist: Mehrere Blogger haben seinen letzten Artikel Wort für Wort analysiert, seine Thesen mit stichhaltigen Argumenten widerlegt und die Recherchen nachgeliefert, die er selber versäumt hat.
PS: Wieso erfährt die Leserschaft der SonntagsZeitung eigentlich nicht, dass David Bauer im Nebenberuf selbst einen Blog führt?
[...] was ugugu über sein Buzz-Formular zugetragen worden ist, fegt die Unlust hinweg und macht einem leichten Ekel Platz. Da scheint Bauer tatsächlich die [...]
Interessant ist ja auch, dass er das Thema „Klarnamen im Netz“ wieder aufgreift – ohne allerdings zuzugeben, dass gerade sein ehemaliger Auftraggeber sich diesbezüglich überhaupt nicht mit Ruhm bekleckert hat.
Aber eben. Ich nenne das, was David Bauer hier treibt, Retourkutschenjournalismus. Höchst unprofessionell. Aber unterhaltsam.
Wenn die Blogs von niemanden mit Relevanz gelesen werden, und sowieso völlig unbedeutend sind, wie kann dann überhaupt eine Masse, geschweige den eine Diktatur derselben entstehen?
Wenn man schon zwei Artikel in Folge schreibt, sollte man sich vielleicht nicht so eindeutig widersprechen, egal ob die These richtig oder falsch ist.
Gleichzeitig sich über die Anonymität von Bloggern beschweren, aber jemanden anonym zitieren um ein paar Beleidigungen loszuwerden. Was sind das für verquere Masstäbe.
mir fehlen die worte. – wie gut, dass solche zeitungen und solche trashjournis schon bald von der bildfläche verschwunden sein werden.
Ein Vergleich, der mir leider erst im Nachhinein eingefallen ist:
Auch unter Feuerwehrleuten (sowohl freiwilligen als auch professionellen) soll es ja ab und zu den einen oder anderen geben, der gerne ein bisschen zündelt, um sich beim Löschen dann Selbstbestätigung, etc. einzuheimsen.
Wie schlecht muss es manchen Journalisten heute gehen, dass sie zu ähnlichen Methoden greifen…
hm, als ehemaligem redaktor der soz und bloggendem journalisten fehlen mir nach der lektüre von bauerII tatsächlich die verteidigungs-argumente: bauer und blogs, shift-delete!
noch besser: andreas.durisch@sonntagszeitung.ch
(das wäre der zuständige chefredaktor)
Dass der Artikel es nicht online geschafft hat, obwohl es um ein online-Thema geht, spricht Bände.
Und da wollte ich doch tatsächlich ursprünglich hier zur Mässigung aufrufen, in der Meinung, dass es ja nichts bringt, an einem Ort, wo man sich einig ist, auch noch auf den Tisch zu hauen. Zu Leserbriefen wollte ich aufrufen, die Diskussion damit dahin tragen, wo sie losgetreten wird, ins Holzmedium der SoZ also.
Aber das wäre wohl allzu naiv, denn das haben andere wie Mark Balsiger schon erfolglos versucht.
Ich bin wie André Marty ziemlich sprachlos.
Hm, wenn ich „Diktatur der Masse“ und „internet“ google, lande ich hier:
http://tinyurl.com/5psgbe
Ich denke die Journalisten haben so Angst vor den Anonymen weil sie befürchten es könnte der nette Kollege am Nebentisch oder im Büro gegenüber sein.
den vorschlag von andré, sich direkt beim chefredaktor zu beschweren, finde ich sehr gut. tu ich.
[...] verscherzt zu haben. Zum einen sorgte die Reaktion von Redaktor David Baur (hier zu finden: David Bauer und die Diktatur der Masse)auf die Reaktionen von Bloggern auf seinen Artikel von letztem Sonntag erneut für Unmut bei der [...]
Ich maitle der SOZ-Redaktion am letzten Dienstag einen Leserbrief, der in der Tonalität sehr, sehr moderat ausgefallen ist. Gedruckt wurde er in der heutigen Ausgabe nicht. Pech.
Obs was bringt, Chefredaktor Haldimann mit Post zu beehren? Mich übermannen Zweifel. Nach dem Doppelschlag von David Bauer sind die Schweizer Blogs wohl wieder für ein paar Monate kein Thema mehr. So dürfte die Klärung auch ausbleiben. Eine verpasste Chance, aber: welcher Chefredaktor drängt schon einen hoffnungsvollen Jungjournalisten, seine Hosen in aller Öffentlichkeit herrunterziehen?
@ mark: stell doch deinen leserbrief auf dein blog. hab ich auch grad gemacht. und übrigens ist durisch der SoZ chef, haldimann ist der von sf tv.
lustig, wie junge (anscheinend prämierte) journalisten alte journi-tricks anwenden, wenn sie es nciht wagen, die eigene meinung als eigene meinung zu verkaufen: man schreibt, man habe aus verlässlicher quelle, die leider ungenannt sein wolle, …
oder man schreibt, ein blogger habe hinter vorgehaltener hand, um danach nicht mit repressalien rechnen zu müssen, …
[...] «David Bauer und die Diktatur der Masse» Journalistenschredder… blogosphäre David Bauer Moritz Leuenberger SonntagsZeitung [...]
Ich sehe es sportlich: Viel Feind, viel Ehre !!!
Eine an und für sich schwachsinnige Debatte. Bis zum heutigen Tag ist noch nicht klar was ein Blogger ist. An der Blogsoftware kann es nicht liegen. Zur Zeit herrscht ein regelrechter Run auf „WordPress as CMS“. Ich ziehe die Begriffe „Webmaster“ und/oder „Webworker“ vor.
Überhaupt sind solche Debatten eine Sturm im Wasserglas. Anscheinend gibt es nichts mehr über das iPhone oder andere überflüssige Gadget zu schreiben.
[...] deren Verhältnis zur massenmedialen Öffentlichkeit (vgl. «sonntagszeitung/bauer: replik #2» im «henusode-blog» und bei der «Journalistenschredder…»: «David Bauer und die Diktatur der Masse»). Oder man kann sich in einem pragmatischen Sinne [...]
[...] zur massenmedialen Öffentlichkeit (vgl. «sonntagszeitung/bauer: replik #2» im «henusode-blog» und bei der «Journalistenschredder…»: «David Bauer und die Diktatur der Masse»). Oder man kann sich in einem pragmatischen Sinne [...]