Tagesanzeiger.ch – Qualitätsjournalismus at it’s best…
Ihr nennt das vielleicht «Gefälligkeitsartikel», hier draussen sagen wir zu solch peinlichen Jubelarien ganz einfach Schleichwerbung. Und wenn ihr euer Portal schon komplett «gäggeligrün» einfärbt, dass es selbst einem minimal auf Ästhetik bedachten Leser wie mir beinahe den Magen umdreht, dann solltet ihr diesen Werbetrash wenigstens nicht unbedingt auf der Startseite platzieren. Vielleicht muss ich wegen diesem erneuten Verstoss gegen den «Code of Conduct» doch einmal den Presserat anrufen. Obwohl, da hockt ihr ja neuerdings selber drin.
Deshalb hier mein Post-it (zum Ausdrucken) an alle Verleger für die nächste Presserats-Sitzung:
Traktandum 1
«Tamedia» den Hintern versohlen.
Traktandum 2
«Basler Zeitung» den Hintern versohlen.
Traktandum 3
«Berner Zeitung/Tamedia» den Hintern versohlen.
Und gleich noch was zur kommenden Krise: Wenn ich mir die heutigen Headlines auf der Tagi-Startseite anschaue, sehe ich da noch viel Synergiepotenzial mit anderen Trashportalen. Warum nicht einfach «20 Minuten» mit «Newsnetz» fusionieren? Oder wie sagte kürzlich Newsnetz-Chefredaktor Peter Wälti gegenüber «Persönlich»:
«Wir werden niemals in Versuchung geraten…»
«…einen Tages-Anzeiger zu trivialisieren»

«Wenn wir Geschichten aus den Niederungen Hollywoods bringen,
«Die User verweigern sich Gossip-Inhalten…»

«Wir bringen diese nur der Vollständigkeit halber…»

Das waren jetzt nur ein paar ausgewählte, qualitätsjournalistische Topmeldungen, die heute gleichzeitig auf der Startseite standen. Direkt unter diesem neuen PRräsident aus den USA. Wie hiess der noch gleich?




Gibt es eigentlich schon eine Mozilla Firefox-Erweiterung, die Texte von David Vonplon automatisch ausfiltert? ;)
… und falls hier jemand von Newsnetz mitliest: Worin liegt das Geheimnis der farbigen Wörter in einigen Texten?
Beispiel: http://img296.imageshack.us/img296/1567/tagigruenzi4.png
Who cares wer dieser neu gewählte Dingsda in den USA heisst. Wichtig ist heute nur eines: Peter Hartmeier ist im «Who is who» der 200 wichtigsten Zürcher aufgelistet! Und darauf muss im Anriss sowie in zwei Artikeln hingewiesen werden.
Überhaupt ist keine Berufsgruppe dermassen bedeutend wie Medienschaffende. Es sind unter den Fieps: der Boselli Marco, der Brennwald Reto und der Britschgi Hannes. Marc Walder und Bernhard Weissberg. Vetsch Mona, Van Huisseling Mark, Thurnheer Bernhard, Schwaninger Hildegard, Schawinski Roger, Roten Michèle, Röthlisberger Peter, Schwander Philippe (ob als Weinverkäufer oder als Weinkritiker im Tagi ist nicht auszumachen, aber ich wundere mich jeden zweiten Samstag über die Schleichwerbung), Michael Ringier, Köppel Roger, plus noch zwei Dutzend Fernsehmoderatoren.
Wieso gilt Markus Spillmann eigentlich als unwichtig?
@ mds: Puh, jetzt bin ich aber froh, dass noch andere Leute diese grünen Wörter sehen. Ich hatte schon geglaubt, dass mein Bildschirm und/oder mein Auge spukt.
Weil er demnächst wegrationalisiert wird? Welche Zeitung kann sich heutzutage noch Chefredaktorengehälter leisten…
Ehrlich gesagt finde ich die Startseite von blick.ch um einiges schlimmer. Vor lauter PR Parship und Sunrise-Teasern, Klickbolzer Gallerien, Preisauskunft.ch Anrissen findet man ja die eigentlichen Inhalte fast nicht mehr. Für den ungeübten Internetbenutzer ist das gar nicht mehr zu unterscheiden.
Ralph, du vergleichst hier Äpfel mit Birnen. Ich dachte eigentlich das lokale Konkurrenzblatt zum Tagesanzeiger war die NZZ. Nicht dass ich deswegen den Ramschladen Blick.ch in Schutz nehmen würde…
Das Verbot der Schwulenehe in California würde ich jetzt nicht unter “Gossip” einsortieren. Sondern irgendwo zwischen “Politik”, “Gesellschaft” und “Menschenrechte”.
@Lukas: Good point, nur geht sowas leider in all dem People-Promi-Klatsch ziemlich unter. Ich hätte locker drei weitaus passendere Meldungen von heute als Beispiel aufführen können.
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So als Zugezogene, die den Tagi erst seit 3 Jahren kennt, fällt es mir ja schon sehr schwer die NZZ mit dem tagesanzeiger in derselben Liga spielen zu lassen. Das wäre in meiner “Heimat” ungefähr so, als würde man die Süddeutscht mit der Mittelbayrischen vergleichen – und wer kennt ausserhalb der Oberpfalz schon die MZ?
@ Lukas: Grundsätzlich stimme ich mit Ihnen überein. Nun spricht aber auch die Bildauswahl auf dem Newsnetz Bände. Nichts gegen die sagenhafte sexy Portia de Rossi, die ihre Frau Ellen DeGeneres küsst. Aber fast alle Zeitungen respektive Online-Medien, wie The Guardian, Focus, selbst 20 Minuten, haben die Nachricht über das erneute Verbot der «Homo-Ehe» mit einem Bild der Demonstrationen gegen das Verbot illustriert. Diese Photos sind erstens aktuell und zweitens bringen sie die von Ihnen zurecht erwähnten Rubriken «Politik», «Gesellschaft» etc. weitaus besser rüber, als so ein Bildchen mit Lesbensex, das wohl eher die Phantasien der Herren bei Newsnetz bedient als das Bedürfnis nach Information der Leser.
Ihr seht das alles völlig falsch.
Das Problem dieser aufgeführten Blätter liegt nicht im Inhalt. Das Problem liegt in der Bezeichnung als Zeitung.
Man muss einzig die Titel im Blätterwald etwas anpassen, und schon ist alles wieder in Ordnung – und das wesentlich günstiger als wenn man den goldenen Fallschirm für den kürzlich eingekauften Onlinewerbespezialisten bezahlen muss.
“Tageswerbung”, “Werbeblick”, “Neue Zürcher Werbung”, “20 Minuten Werbung”. Tönt doch gut, nicht?
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