SBB reagiert auf Druck von «Surprise»
Oder doch eher auf Druck von SBB-Kunden? Die Meldung, «Strassenmagazin ‘Surprise’ muss aus Bahnhöfen abziehen», war keine zehn Stunden auf NZZ-Online, schon begann in den Kommentaren die Selbstorganisation:
Nun, ich glaube für einmal sind wir uns einig im Forum :-) Hier der direkte Link fürs Kontaktformular der SBB. Die dürfen die Stimme der Kundschaft ruhig einmal hören.
Tags darauf reagierte die SBB mit einer Stellungnahme. Das offizielle Wording lautet nun: Wir sind weiterhin im Gespräch mit «Surprise». Besonders hoch schwappt unterdessen die Welle der Entrüstung auch in den Kommentar- Spalten der «Basler Zeitung». Ob die SBB die angedachte Säuberungsaktion durchzieht ist ungewiss, schaden kann ein Protestnote via Mail mit Sicherheit nicht. Hier ist meine:
Sehr geehrter Herr Meyer,
Als einer von mehr als sieben Millionen SBB-Hauptaktionäre, möchte ich Ihnen auf diesem Weg meine zutiefst empfundene Empörung über die angedachte Verbannung der Surprise-Verkäufer aus den Bahnhof-Arealen zukommen lassen. Sollten Sie die Sache so durchziehen, werde ich an der nächsten Aktionärsversammlung die Entlassung der Konzernleitung inkl. Verwaltungsrat beantragen.
Mit freundlich Grüssen.
Das ist jetzt vielleicht etwas flapsig formuliert, aber hey, andere können das bestimmt besser. Die Mail lautet railinfo@sbb.ch (für Blogger: press@sbb.ch) Ganz wichtig: In der Betreffzeile den Vermerk «z.Hd.» anbringen. Also in meinem Beispiel «z.Hd. Herrn Andreas Meyer, CEO SBB».
Update, 14 Oktober 2008: Die SBB antwortet. I am not convinced.
Update, 14 Oktober 2008: Fünf Minuten nach erhalten der Mail, lese ich das hier. Ja was jetzt?
Wie es scheint, alles in Butter…

[...] will, geht ein Aufschrei durch die Leserbriefspalten, Leserkommentaren und verschiedene Blogs. Natürlich sind sie nicht so ein Problem, da sie nicht aggressiv auftreten. Aber ich sehe auch [...]
ach so flapsig find ich das gar nicht. das sieht man flapsigeres.
Passend zum Thema: http://www.weltwoche.ch/artikel/?AssetID=14217
@mds: Eine klassische «Sozialreportage» nach Weltwoche-Manier: Einen halben Tag den grossen Rechercheur raushängen („Surprise, das Pornomagazin“, wer’s glaubt) dann grossgekotzet die ganze Häme über Surprise-Verkäufern ausschütten („Surprise-Promis“, „die meisten leben von Sozialhilfe“ – wie investigativ). Dazu jeden ins lächerliche ziehen („Eben hat er sich ein Stück gutes Gewissen gekauft“), der noch nicht zu einem kompletten Sozialspastiker verkommen ist.
Und ich zieh mir jetzt noch eine Linie Koks rein…
gewiss ein wenig winkelriedig formuliert, aber ich finde es gut, dass du in dieser sache etwas unternimmst!
Post aus der SBB-Kommunikationsabteilung:
Mal von Hamburg aus per Kommentar ohne weitere Sachkenntnis geantwortet/kommentiert
> keine individuelle Antwort
Hübsche schulmäßige Einführung
> Die Servicequalität in den Bahnhöfen ist uns wichtig.
Die Problematik auf die Kunden abschieben.
> dass “Surprise” gewichtige und gute Argumente in die Gespräche einbringen kann
Das sind die Kernpunkte. Kunde beschwert sich, SBB kündigt unterschiedslos und es bleibt Surprise überlassen sich zu rechtfertigen.
Soziales Engagement sieht anders aus.
Dass überhaupt nicht auf den Unterschied zwischen klassischer Kommerzpromotion und einem sozialen Projekt eingegangen wird, das ist der Hebel, den man ansetzen muss, und auf den deswegen von der SBB nicht eingegangen wird.
Viel Spaß mit dem nächsten Brief :)
Nächstes mal lass ich den Brief via Hamburg formulieren ;-)
Soeben via Mailbox (danke, danke dem anonymen Spender) hier eingetroffen, finde ich als Standardbrief an die SBB absolut brauchbar:
Sehr geehrter Herr Meyer
Mit grossem Interesse habe ich in den letzten Tagen die Berichterstattung in der Schweizer Presse über die Auflösung der Promotionsverträge gelesen.
Ich bin einer von vielen langjährigen GA-Kunden und fleissiger Bahnfahrer. Ich gehe mit Ihnen und vielen Kunden einer Meinung, dass etliche der Promotionsaktionen an den Bahnhöfen teilweise extrem störend sind.
Ich kann allerdings überhaupt nicht nachvollziehen, dass nun die unaufdringlichen Verkäufer von „Surprise“ dieses nun auch nicht mehr verkaufen dürfen. Die Verkäufer welche ich bisher traf waren alle sehr nett und freundlich, und die „Surprise“ ist eine Unterstützungswerte Sache, die einem guten Zweck dient.
Anstelle die Arbeitslosen aus den Bahnhöfen zu verjagen, würden sie besser die aufdringlichen Spendenjäger, Buchklub und Telefon-/Internetanschlussverkäufer aus den Bahnhöfen entfernen. Den diese Leute sind aufdringlich und frech, halten uns Pendler teilweise sogar am Ärmel fest, stellen sich in den weg und haben zumindest in meinem Falle schon mehrmals dafür gesorgt dass ich den Zug dadurch verpasst habe.
Ich bitte Sie höflichst, Ihre Entscheidung nochmals zu überdenken und sie etwas differenzierter ausfallen zu lassen als einfach „alle müssen weg“.
Denn diese Entscheidung ist eine von vielen in letzter Zeit, welche für das Ansehen und die Sympathie der SBB (und ihrer Person) eher abträglich waren, wie zum Beispiel (um eine beim Namen zu nennen) auch die Pendler-Preis-Bestrafungsaktion die unlängst durch die Presse ging.
Mit freundlichen Grüssen eines bisher sehr zufriedenen Kunden,