Journalistenschredder

SBB reagiert auf Druck von «Surprise»

Posted in Nicht kategorisiert by ugugu on Oktober 13, 2008

Oder doch eher auf Druck von SBB-Kunden? Die Meldung, «Strassenmagazin ‘Surprise’ muss aus Bahnhöfen abziehen», war keine zehn Stunden auf NZZ-Online, schon begann in den Kommentaren die Selbstorganisation:

Nun, ich glaube für einmal sind wir uns einig im Forum :-) Hier der direkte Link fürs Kontaktformular der SBB. Die dürfen die Stimme der Kundschaft ruhig einmal hören.

Tags darauf reagierte die SBB mit einer Stellungnahme. Das offizielle Wording lautet nun: Wir sind weiterhin im Gespräch mit «Surprise». Besonders hoch schwappt unterdessen die Welle der Entrüstung auch in den Kommentar- Spalten der «Basler Zeitung». Ob die SBB die angedachte Säuberungsaktion durchzieht ist ungewiss, schaden kann ein Protestnote via Mail mit Sicherheit nicht. Hier ist meine:

Sehr geehrter Herr Meyer,

Als einer von mehr als sieben Millionen SBB-Hauptaktionäre, möchte ich Ihnen auf diesem Weg meine zutiefst empfundene Empörung über die angedachte Verbannung der Surprise-Verkäufer aus den Bahnhof-Arealen zukommen lassen. Sollten Sie die Sache so durchziehen, werde ich an der nächsten Aktionärsversammlung die Entlassung der Konzernleitung inkl. Verwaltungsrat beantragen.

Mit freundlich Grüssen.

Das ist jetzt vielleicht etwas flapsig formuliert, aber hey, andere können das bestimmt besser. Die Mail lautet railinfo@sbb.ch (für Blogger: press@sbb.ch) Ganz wichtig: In der Betreffzeile den Vermerk «z.Hd.» anbringen. Also in meinem Beispiel «z.Hd. Herrn Andreas Meyer, CEO SBB».

Update, 14 Oktober 2008: Die SBB antwortet. I am not convinced.

Update, 14 Oktober 2008: Fünf Minuten nach erhalten der Mail, lese ich das hier. Ja was jetzt?

Wie es scheint, alles in Butter…

9 Antworten

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  1. [...] will, geht ein Aufschrei durch die Leserbriefspalten, Leserkommentaren und verschiedene Blogs. Natürlich sind sie nicht so ein Problem, da sie nicht aggressiv auftreten. Aber ich sehe auch [...]

  2. bugsierer said, on Oktober 13, 2008 at 11:58

    ach so flapsig find ich das gar nicht. das sieht man flapsigeres.

  3. mds said, on Oktober 13, 2008 at 3:39

    Passend zum Thema: http://www.weltwoche.ch/artikel/?AssetID=14217

  4. ugugu said, on Oktober 13, 2008 at 4:58

    @mds: Eine klassische «Sozialreportage» nach Weltwoche-Manier: Einen halben Tag den grossen Rechercheur raushängen (”Surprise, das Pornomagazin”, wer’s glaubt) dann grossgekotzet die ganze Häme über Surprise-Verkäufern ausschütten (”Surprise-Promis”, “die meisten leben von Sozialhilfe” – wie investigativ). Dazu jeden ins lächerliche ziehen (”Eben hat er sich ein Stück gutes Gewissen gekauft”), der noch nicht zu einem kompletten Sozialspastiker verkommen ist.

    «Jetzt, nach zwanzig Minuten, bin ich so weit,
    dass ich mich nackt ausziehen würde, könnte ich dadurch
    ein Magazin verkaufen.»

    Und ich zieh mir jetzt noch eine Linie Koks rein…

  5. Köbi Bünzli said, on Oktober 13, 2008 at 8:11

    gewiss ein wenig winkelriedig formuliert, aber ich finde es gut, dass du in dieser sache etwas unternimmst!

  6. ugugu said, on Oktober 14, 2008 at 3:54

    Post aus der SBB-Kommunikationsabteilung:

    Guten Tag
    Vielen Dank für Ihre E-Mail.
    Sie schreiben uns, weil Sie mit der geplanten Neuausrichtung der Promotionsverkäufe in unseren Bahnhöfen nicht einverstanden sind. Es freut uns, dass Sie aufgrund des Pressebereichts nicht nur die “Faust” im Sack machen, sondern uns Ihre Gedanken dazu mitteilen – danke für Ihre Offenheit! Ihre Verstimmung können wir nachvollziehen, trotzdem wollen wir versuchen, Ihnen die Situation zu schildern und unsere Überlegungen zu erläutern.
    Aufgrund der zahlreichen Rückmeldungen, die uns zu diesem Thema erreichen, können wir Ihnen leider keine individuelle Antwort verfassen. Dafür entschuldigen wir uns und hoffen, dass Sie Verständnis dafür haben.
    Die Servicequalität in den Bahnhöfen ist uns wichtig. Aufgrund von verschiedenen Kundenreaktionen überdenken wir derzeit unsere Promotionsstrategie in den Bahnhöfen. Es gibt immer wieder Kunden, die sich durch Verkaufs- und Verteilaktionen gestört fühlen.
    Aus diesem Grund haben wir vorsorglich alle Promotionsverträge auf Ende Jahr gekündigt. Davon betroffen sind nicht nur das Strassenmagazin “Surprise”, sondern auch alle anderen Produkte, die zu Promotionszwecken in unseren Bahnhöfen verkauft werden. Wir sind derzeit mit den betroffenen Organisationen und Firmen in laufenden Gesprächen und suchen gemeinsam nach Lösungen. Auch mit den Verantwortlichen von “Surprise” führen wir diesbezüglich Gespräche. Diese sind nicht abgeschlossen, ein definitiver Entscheid steht noch aus. Fest steht einzig, dass die Anzahl der Promotionen in den SBB Bahnhöfen ab 2009 spürbar reduziert werden soll. Sie können davon ausgehen, dass “Surprise” gewichtige und gute Argumente in die Gespräche einbringen kann und wird.
    Wir hoffen, Ihnen die Hintergründe mit diesen Informationen ein bisschen näher zu bringen und dass Sie Verständnis für unsere Haltung haben. Für die Gelegenheit zu einer Stellungnahme bedanken wir uns bei Ihnen und würden uns freuen, Sie weiterhin zu unseren treuen Kunden zählen zu dürfen.

  7. Markus Merz said, on Oktober 14, 2008 at 5:26

    Mal von Hamburg aus per Kommentar ohne weitere Sachkenntnis geantwortet/kommentiert

    > keine individuelle Antwort

    Hübsche schulmäßige Einführung

    > Die Servicequalität in den Bahnhöfen ist uns wichtig.

    Die Problematik auf die Kunden abschieben.

    > dass “Surprise” gewichtige und gute Argumente in die Gespräche einbringen kann

    Das sind die Kernpunkte. Kunde beschwert sich, SBB kündigt unterschiedslos und es bleibt Surprise überlassen sich zu rechtfertigen.

    Soziales Engagement sieht anders aus.

    Dass überhaupt nicht auf den Unterschied zwischen klassischer Kommerzpromotion und einem sozialen Projekt eingegangen wird, das ist der Hebel, den man ansetzen muss, und auf den deswegen von der SBB nicht eingegangen wird.

    Viel Spaß mit dem nächsten Brief :)

  8. ugugu said, on Oktober 14, 2008 at 6:37

    Nächstes mal lass ich den Brief via Hamburg formulieren ;-)

  9. ugugu said, on Oktober 14, 2008 at 8:10

    Soeben via Mailbox (danke, danke dem anonymen Spender) hier eingetroffen, finde ich als Standardbrief an die SBB absolut brauchbar:

    Sehr geehrter Herr Meyer

    Mit grossem Interesse habe ich in den letzten Tagen die Berichterstattung in der Schweizer Presse über die Auflösung der Promotionsverträge gelesen.

    Ich bin einer von vielen langjährigen GA-Kunden und fleissiger Bahnfahrer. Ich gehe mit Ihnen und vielen Kunden einer Meinung, dass etliche der Promotionsaktionen an den Bahnhöfen teilweise extrem störend sind.

    Ich kann allerdings überhaupt nicht nachvollziehen, dass nun die unaufdringlichen Verkäufer von “Surprise” dieses nun auch nicht mehr verkaufen dürfen. Die Verkäufer welche ich bisher traf waren alle sehr nett und freundlich, und die “Surprise” ist eine Unterstützungswerte Sache, die einem guten Zweck dient.

    Anstelle die Arbeitslosen aus den Bahnhöfen zu verjagen, würden sie besser die aufdringlichen Spendenjäger, Buchklub und Telefon-/Internetanschlussverkäufer aus den Bahnhöfen entfernen. Den diese Leute sind aufdringlich und frech, halten uns Pendler teilweise sogar am Ärmel fest, stellen sich in den weg und haben zumindest in meinem Falle schon mehrmals dafür gesorgt dass ich den Zug dadurch verpasst habe.

    Ich bitte Sie höflichst, Ihre Entscheidung nochmals zu überdenken und sie etwas differenzierter ausfallen zu lassen als einfach “alle müssen weg”.

    Denn diese Entscheidung ist eine von vielen in letzter Zeit, welche für das Ansehen und die Sympathie der SBB (und ihrer Person) eher abträglich waren, wie zum Beispiel (um eine beim Namen zu nennen) auch die Pendler-Preis-Bestrafungsaktion die unlängst durch die Presse ging.

    Mit freundlichen Grüssen eines bisher sehr zufriedenen Kunden,


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