Journalistenschredder

Leaving Newsroom

Veröffentlicht in Nicht kategorisiert von ugugu am Juli 17, 2008

Vielleicht hätte Martin Gee die „Prozac-Attrappe“ doch besser nicht fotografiert. Obwohl, falsch gemacht hat er eigentlich nichts. Den Job hat es ihn trotzdem gekostet: In den Ferien flatterte ihm die Kündigung ins Haus. Sein Flickr-Album aber bleibt ein eindrückliches Zeitdokument, wie es in einem „Newsroom“ einer Zeitung zu und her gehen kann, wenn eine Sparrunde die nächste jagt. Das Fotoalbum begonnen hatte er vor mehr als einem Jahr. Die Zeitung für die Layouter Martin Gee tätig war heisst San Jose Mercury News, und steckt, wie die meisten amerikanische Verlage derzeit, mitten im Abwärtssog.

An einem dieser Bilder bin ich eindeutig nachdenklicher hängen geblieben. Darunter steht zu lesen:

„he committed suicide during the last round of layoffs.

update: i was not implying that the layoffs caused rich to do what he did. we will never know what personal demons drives one to do such a thing. in a staff meeting, rich was treated as just another number. another fte (full time employee). it was disgusting. i really miss him [...]„

Durch einer kurze Google-Recherche stiess ich auf zwei weitere Links, die ich im ersten Moment – ohne die näheren Umstände hinter der Tragödie zu kennen – überhaupt nicht einordnen konnte. Auch auf den zweiten Blick will mir das Ganze immer noch äusserst strange, ja schon fast pervers erscheinen: „Mercury News“ bietet seinen Lesern nämlich neben Fotoalben auch noch Kondolenzbücher. Ob sich das der verstorbene Journalist so gewünscht hätte, kann ich nicht beurteilen, aber ich wage es bezweifeln.

Sicher ist: Definitiv besser, wie Martin Gee von seinem Arbeitgeber Abschied zu nehmen.


Eine Antwort

Abonniere die Kommentare per RSS.

  1. waltraut sagte, am Juli 20, 2008 zu 8:09

    Traurig stimmende Dokumente. Aber es ist der Lauf der Welt auch einstmals blühende Industrieunternehmen sind heute nur noch Ruinen und stumme Zeugen einer vergangenen Zeit.


Eine Antwort schreiben