Pressefreiheit: Schweiz auf dem absteigenden Ast
Ich muss es jetzt mal etwas undiplomatisch auf den Punkt bringen: Wer ist eigentlich verantwortlich für die dämliche Einsatzdoktrin dieser Polizisten? Wo bleibt da der Anstand, wo das menschliche Augenmass?
Die Besetzung eines Fussballstadions (welches demnächst abgerissen wird) mag vom einen oder anderen ‘Law and Order’-Fetischisten mit einem Kapitalverbrechen verglichen werden, die Verhaftung eines Fotografen in diesem Zusammenhang als ‘Collateral Damage’. Nur: Wo immer dieser Tage ein Aktivisten-Grüppchen ihren politischen Unmut zum Ausdruck bringt, heisst es unterdessen fast schon automatisch: „Mach den Polizei-Strip„. Auch für Journalisten. Normal ist das nicht, oder?
Man kann daraus personelle und politischen Konsequenzen ziehen, oder aber den Schwamm darüber legen, und hoffen, dass es sich dabei um die letzten Zuckungen einer abflauenden Verhaftungswelle gegen Journalisten handelt, welche im Vorfeld der Fussball-EM 2008 lanciert wurde. Nur, sollte man sich darauf verlassen?
Zumindest würde es mich erstaunen, könnte die Schweiz im alljährlichen Pressefreiheits-Index von Reporter ohne Grenzen den nach wie vor guten Platz 11 aus dem Vorjahr halten. Zur Erinnerung: 2005 stand die Schweiz noch gemeinsam mit vorwiegend nordeuropäischen Ländern an der Spitze dieses Rankings.
Und hier nun die grosse Preisfrage: Wieviele Plätze büssen wir in diesem Jahr ein?
Update I: No Fotos! No Fotos? (woz.ch-Kolumne von Florian Bachmann)
Update II: „Ich wurde behandelt wie ein Schwerverbrecher, Es war Sadismus pur“ (Interview auf Presseverein.ch)
Update III: „Es gibt keine Anhaltspunkte, dass unsere Leute nicht korrekt gehandelt haben könnten“ (Stellungnahme der Polizei, ebenfalls auf Presseverein.ch)

Es ist immer wieder gut, Polizisten an ihren Auftrag zu erinnern: Nämlich im Dienste der Einwohner zu stehen und nicht, sich selber irgendwelche Sicherheits-Aufträge zuzuschanzen. Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser! ;)