Journalistenschredder

NZZ Campus sucht VideoWas?

Veröffentlicht in Nicht kategorisiert von ugugu am Juli 1, 2008

Die NZZ sucht neuerdings Videoblogger für „NZZ-Campus“, dem „Online-Karriereportal“ für Studenten. Wobei ich mich gelegentlich frage: Was hat die Site eigentlich an Handfestem zu bieten? So rein karrieremässig. Eine Hand voll Blogs und einige Partnerlinks von, wie soll ich sagen, eher zweifelhafter Natur.

Das Konzept, mit ein paar bloggenden Studenten eine kostengünstige und werbefreundliche Umgebung zu schaffen, ist mir ehrlich gesagt nach wie vor suspekt. Aber hey, im Netz probiert man halt mal was aus.

Immerhin gibt es unterdessen einige Firmen, die auf NZZ-Campus das Angebot „Young Professional Blogs“ (pdf) buchen: Für 4500 Franken pro Semester können hier Unternehmen einen Schleichwerbekanal erwerben, den Content dazu dürfen/müssen die ‘Young Professionals’ aka Praktikanten liefern.

Das Frage ist nur, wen interessierts? Gemäss Traffic-Vergleichsdienst Alexa: Nicht viele. Die Klicks und Visits dürften grossmehrheitlich durch die bloggenden Studis und ‘Corporate-Blog-Prakties‘ selbst generiert werden. Blogs sind gut, Blogs bringen Suchmaschinentraffic – aber eben auch nur beschränkt.

Jetzt sollen also Videoblogger der Plattform zusätzlichen Schwung verleihen:

Du studierst an einer Schweizer Universität oder Fachhochschule oder als Schweizerin oder Schweizer an einer ausländischen Hochschule. Du hast ein Flair für Filme und Kurzvideos und möchtest deinen Alltag oder das Nicht-Alltägliche als Video-Blogger festhalten. [...] Wir bieten Dir nicht nur eine spannende und viel beachtete Plattform für deine Blog-Beiträge, sondern auch ein Honorar sowie ein NZZ-Abo. Darüber hinaus stehen Dir die NZZ-campus-Redaktoren unterstützend zur Seite und gewähren Dir Einblick in ein modernes Medienunternehmen. [Link]

Ob das die grosse Traffic-Wende bringt wage ich zu bezweifeln. Liegt es daran, dass ich mir den Alltag bzw. Nicht-Alltag eines Studenten relativ langweilig vorstelle? Reportagen aus der verrauchten Uni-Caffeteria (darf man dort überhaupt rauchen?) oder Undercover-Filme aus Vorlesungen wird uns die NZZ ohnehin nicht vorsetzen. Grundsätzlich aber frage ich mich: Warum sollte sich ein Student für ein Taschengeld und ein Zeitungsabo für die NZZ zum Hampelmann machen? (Zweifle jedoch keinen Moment, dass es jemand tun wird.)

Sicher, es gibt genügend Themen, die man auf einer „Campus“-Website thematisieren könnte. Die Frage ist nur, ob die NZZ das richtige Umfeld ist, einen solchen Hochschuldialog von und durch Studenten anschieben zu lassen?

Dazu ein simple Überlegung: Ich stelle mir jetzt einfach mal vor, alle Campus-Blogger würden Schimpf und Schande über dem Wirtschaftsdachverband „Economiesuisse“ ausschütten, weil dieser die Bieridee lanciert, notenabhängige Stipendien einzuführen. Merke, Studenten sind rebellisch: „Gleiche Bildungschancen für alle!“ oder „Schafft die Studiengebühren ab und der Economisuisse ein Grab“ , hiesse es auf einmal in allen NZZ-Blogs.

Ein realistisches Szenario? Vielleicht, aber nicht sehr NZZ-Like. Wie gesagt, ich zweifle, ob in ein Verlags-Konzept gezwängte Studenten langfristig das Potenzial entwickeln, einen spannenden Hochschuldialog anzustossen. Lasse mich aber gerne vom Gegenteil überraschen. Vielleicht sogar von einem Videoblogger, der sein Studium abbricht, weil er selbiges mit einem Taschengeld, einem NZZ-Abo und dem „Einblick in ein modernes Medienunternehmen“ auch nicht finanzieren kann – dafür aber als Videoblogger voll durchstartet.

6 Antworten

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  1. godi sagte, am Juli 1, 2008 zu 7:36

    verrauchte cafeteria gabs bei uns nicht. würde ich noch studieren, ich wäre dabei als videoblogger. für ein abo der nzz würde ich fast alles tun.

  2. Köbi Bünzli sagte, am Juli 1, 2008 zu 7:44

    ich finde, michèle roten die geile sau sollte sich bewerben und von ihrem versauten studileben vlogen.

  3. ugugu sagte, am Juli 2, 2008 zu 3:11

    @godi: go for it, kannst dich ja provisorisch wieder an der uni einschreiben,
    in vlogistik oder so

    @Köbi Bünzli: darf ich um etwas anstand bitten, unter aller sau dieser kommentar, aber sauglatt

  4. 3rdmonkey sagte, am Juli 13, 2008 zu 8:31

    Studenten machen fast alles, damit sie in ihren CV „Teilzeitstelle bei NZZ“ reinschreiben können. Sind ja alle so karrieregeil und den Schuhe lecken nicht abgeneigt.

  5. miktator sagte, am Juli 21, 2008 zu 11:59

    Nicht nur die Partnerlinks sind dort von zweifelhafter Qualität/Natur… Ich besuche die Seite ab und zu, bleibe jedoch bei keinem Blog hängen. Belanglosigkeiten über Belanglosigkeiten.

  6. Jonas sagte, am November 7, 2008 zu 12:48

    alsoalso
    merci für die info, war mir gar nicht bewusst, dass die einen bloggenden zahlen müssen und die anderen bezahlt werden.


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