Von der Pornoindustrie lernen?
Was tun gegen Leserschwund, frägt sich derzeit mancher Verleger, dem die Auflage unter der Hand wegschmilzt. An tollkühnen Vorschlägen mangelt es nicht: Seit dem „Aufstand der vereinten Amateure im Internet, wird es für die Pornoprofis eng“, schrieb vor kurzem Daniel Weber, Chefredaktor vom NZZ-Folio drüben beim Medienspiegel. Anstatt den Kopf in den Sand zu stecken, hat die Pornoindustrie reagiert:
Erstmals profitieren sie nicht vom technischen Fortschritt, im Gegenteil: er gräbt ihnen das Wasser ab. [...] Die einstigen Marktführer versuchen also, das Geschäft wieder in ihre Hände zu bekommen, indem sie eine Qualitätsoffensive starten. Das sollte auch für andere Branchen Vorbildcharakter haben.
Grund genug die drei grossen deutschsprachigen Boulevardblätter Bild.de, Blick.ch und Krone.at auf ihre ‘Qualitätsoffensiven’ hin zu überprüfen. Ich habe dies getan, verzichte aber für einmal auf eine direkte Verlinkung. Soviel sei verraten: Blick.ch und Bild.de setzen nach wie vor auf den Euphemismus „Erotik“ um das „Dirty Word“ nicht in den Mund nehmen zu müssen. Am ehrlichsten sind da noch die Österreicher von Krone.at, bei denen heisst das unzweideutige Angebot „Herz+Sex“. Fazit nach seriöser Begutachtung der drei Webangebote: Manch ein Verleger denkt offenbar eher an einen Branchenwechsel, denn an eine journalistische Qualitätsoffensive.

die pornoisierung der mediengesellschaft ist eine plage.