Journalistenschredder

Youme.net revisited

Veröffentlicht in Nicht kategorisiert von ugugu am März 6, 2008

Für einen Blogger gibt es wohl kaum einen grösseren Imageschaden als die Erwähnung in einer Zeitschrift, die in ihrem Titel den Claim “Werbewoche” trägt. Der Super-Gau ist angerichtet:

Ende Februar noch diskutierte die hiesige Blogosphäre über das bevorstehende Platzen des ersten Schweizer «Web-2.0-Bläschens». Grund: Der so genannte Youme-Cube, eine mobile Holz-Glas-Konstruktion, steht in diesen Tagen auf Ebay für 48′000 Franken zum Verkauf.

Weshalb ich mich dringen zu einer Imagepolitur in eigener Sache genötigt fühle. Also: Auslöser der Misere waren die hier, dann kam meine Spekulation hinzu, der hier fasste den buzz zusammen (wie immer detailgetreu und inklusive history), und die hier sind, wie wir wissen, eh nur Klickgeil, weshalb sie das Ganze in eine Schlafwagen-Geschichte verpackten ;-)

Doch zurück zur aktuellen Story in der Werbewoche: Die Cube-Auktion auf eBay ist unterdessen erfolglos abgelaufen. Mit dem nötigen Kleingeld hätte ich mir den Cube glatt in den Hinterhof gestellt. Wer weiss, vielleicht steht das youme-Gartenhaus längst irgendwo in einem Schrebergarten.

Was wir nun hingegen eindeutig wissen: Es soll definiv weiter gehen mit youme.net. Ausdrückliches Lob gibts meinerseits für die neue Startseite. Diese ist nun deutlich einladender und klarer strukturiert; allein diese Verbesserung dürfte einige Besucher motivieren, wenigstens probehalber ein Account zu eröffnen :

youmenet.png

Neben viel Selbstkritik lese ich in der “Werbewoche” allerdings auch Sätze, die ich beim besten Willen nicht richtig einzuordnen vermag:

«Wir können die User zu nichts zwingen. Alles ist On-Demand.»

oder:

Mit «getürkten Dialogen» die Aufmerksamkeit der User zu erregen, bringe nichts. Der «Wolf im Schafspelz» fliege nach Meier immer schnell auf. Er vermutet, dass dies überwiegend Werbeagenturen versuchen. «Der Schuss geht immer nach hinten los»

Moment! Check ich’s nicht, oder bin ich einfach zu blöd? Wer “türkt” hier Dialoge? Die User? Die Werber, die bei youme.net Communities eröffnen? Was suchen Werbeagenturen überhaupt auf einer Plattform für Teenager? Oder sind es am Ende gar die eigenen Community-Manager? Fragen über Fragen…

Derzeit umfasst die Plattform rund 300 registrierte “Youser”. Ich habe mir die Mühe genommen, das kurz durchzuzählen. Weshalb ich auch bei meiner alten Einschätzung bleibe: Wenn dieses Projekt überleben will, wird bezüglich Benutzer, wenn auch nicht ein ganzes, so doch zumindest ein halbes Wunder geschehen müssen. Ich wünsche den Machern von youme.net, dass sie dieses Wunder zustande kriegen. Ganz ehrlich. Mit einer Einschränkung allerdings: Ändert diese unsäglichen AGB’s. Ich habe bereits hier dargelegt was ich daran unverschämt finde. Kurz: Das Modell ‘Totalaneignung fremder Inhalte’  zwecks Vermarktung hat noch nirgends funktioniert und wird auch nie irgendwo funktionieren.

Gespannt bin ich deshalb auch auf das «Shared Revenue Modell», das in der Werbewoche angekündet wird. Nicht dasjenige für die Mitarbeiter, das sind Internas die eigentlich niemanden etwas angehen – wenn auch hier die Spekulation nicht allzu weit hergeholt ist, dass selbige bis zum Knockout schlicht weniger verdienen werden:

Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter werden nicht mehr mit einem Fixlohn entlöhnt. Ihr Verdienst setzt sich neu einerseits aus einem Fixanteil zusammen, andererseits werden ihre Leistungen auf Grund der Besucherzahlen bewertet. Das heisst, dass die Mitarbeitenden am Umsatz teilhaben, wenn ihre Inhalte «performen».

Vielmehr interessiert, wie dieses “Shared Revenue Modell” auf die User der Plattform umgemüntzt werden soll. Ein zentraler Knackpunkt, an dem sich schon viele Mitmachplattformen die Zähne ausgebissen haben; auch eine Million oder mehr registrierte Benutzer sind da in der Regel noch kein Erfolgsgarant. Das grösste Rätsel ist und bleibt für mich aber ein ganz anderes: Warum setzt Investor Riniger nicht schlicht einen bescheidenen Link, an gut platzierter Stelle, auf der meistbesuchten Medienseite der Schweiz, um auf das eigene Investment aufmerksam zu machen?

6 Antworten

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  1. Chat Atkins sagte, am März 6, 2008 zu 8:52 pm

    Interessant würde es erst dann, wenn endlich die CEOs nach diesem ‘Shared Revenue Modell’ entlohnt würden. Das wäre dem Denken wirklich förderlich – aber auf mich hört ja keiner.

  2. Peter Hogenkamp sagte, am März 7, 2008 zu 7:57 am

    Klickgeil? Wer ist hier klickgeil??

  3. ugugu sagte, am März 7, 2008 zu 8:18 am

    Erstaunlich, so ne kleine Provokation funktioniert auch noch im 2008 ;-)

  4. Dany sagte, am März 8, 2008 zu 8:35 am

    Ich warte noch immer gespannt darauf, dass du mal was über mein “was für ein trashiges” Blog bringst …

  5. ugugu sagte, am März 8, 2008 zu 11:39 am

    @Dany

    Abwarten. Na ja, jetzt ist der Überraschungseffekt allerdings auch etwas verpufft.

  6. Marcel sagte, am Juni 4, 2008 zu 10:54 pm

    wow, sorry, da habe ich voll deinen Artikel über youme.net “verpasst”. Der youme.cube wurde wie geplant verkauft und kommt demnächst auf einem ziemlich grossen “Schrebergarten” zum Einsatz (Bellevue-Platz während der EURO ‘08). Anyway, ich verstehe die Fragen bezüglich der Zitate aus der Werbewoche, welche aus dem Zusammenhang rausgenommen wurden und von uns nicht gegengelesen werden konnten. Die Mühe mit dem Zählen der Community-Members hättest du dir sparen können. Wir zeigen nur 300 an, damit wir keine unnötige Performance verlieren. Aktuell sind 1′450 registrierte Members auf youme.net. Natürlich viel zu wenige, aber wir bleiben am Ball. Auch wir wünschten uns eine engere Zusammenarbeit mit den einzelnen Ringier-Titeln, aber das wollte bisher noch nicht so richtig klappen und die Frage nach dem Shared Revenue Modell bezieht sich vor allem auf die Indy-Contents, also halbprofessionellen Shows, welche regelmässig produziert und entsprechend vermarktet werden können. Vor allem aber bezieht sich das Shared Revenue Modell auf die Community-Sites und die Meta-Community, die wir auf Basis der youme.software aufschalten werden (ähnlich wie ning.com). Dort kann jedermann eine Community nach seinem Geschmack eröffnen und führen. Wir vermarkten diese und der Owner der Community-Seite bekommt entsprechend einen Anteil an den Einnahmen.
    Bis zum nächsten Mal.


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