Blogs am Ende, lange lebe die Bloggerei
Blogranking war gestern. Um neue Blogperlen zu finden sind Listen wie blogug 100 definitiv out. Über die Gründe will ich hier gar nicht lange Philosophieren. Vielleicht bringt es folgender Satz an der Blogbar auf den Punkt:
Bloggen kann wirtschaftlich nur erfolgreich sein, wenn es der heisseste Scheiss ist, und diese Phase ist definitiv vorüber.
Und jetzt? Stehen wir am Anfang oder am Ende. Keine Ahnung. Jedenfalls plädiere ich für eine Rückkehr zur guten alten Blogroll. Ich wüsste nach wie vor keinen verlässlicheren Massstab, um lesenswerte Blogs zu finden. Leider gehört es unterdessen vielerorts zum guten Ton, keine Empfehlungen dieser Art abzugeben. Ist es die Furcht unter der Lawine an besseren Blogs abzukacken?
Ich teile nämlich den gegenwärtigen Pessimissmus über den Zustand der Blogosphäre nur bedingt. Für mich ein wichtiger positiver Indikator: Ernstzunehmende Satire ist heute fast ausschliesslich im Netz zu finden. Für die kommerzielle Presse ist Satire – vor allem bezüglich Anzeigenkunden – in erster Linie ein Risikofaktor; weshalb sie nach und nach aus den Printmedien verdrängt wird, oder höchstens noch in lauer Form existiert – als Streiflicht ohne Biss.
Warum das so ist, weiss ich nicht. Vielleicht liegt es am gestiegenen Einfluss von Marketing-Beratern, die mit Buzzwörtern wie ‘Product-Placement’ um sich schmeissen. Manchmal frage ich mich ernsthaft: Bin ich der einzige, der das „Zeit“-Magazin direkt auf den Altpapierstapel wirft, nachdem er die Martenstein-Kolumne gelesen hat? Hätte ich ein Produkt zu vermarkten, ich würde es genau neben dieser Kolumne platzieren. Aber eben, ich habe kein Produkt zu vermarkten. Ich mache nur Beobachtungen. Und diese stimmen mich wenig pessimistisch was die Zukunft von Blogs betrifft. Ab heute führe ich deshalb in wechselndem Turnus jeweils ein Blog gesondert in meiner Blogrolle, um den Beweis anzutreten, dass es noch „unentdeckte“ Blogperlen gibt.

Ugugu, ich empfehle mit Leidenschaft gute Blogs – und ich entdecke sehr gerne gute Blogs – die meisten davon habe ich in Blogrolls gefunden.
ähm, dieses „zur Zeit liest ugugu vor allem“ … kommt da bei jedem, der einen Kommentar schreibt, der eigene Blog oder ist das tatsächlich eine Empfehlung (da würde ich glatt eine Träne der Rührung verdrücken).
Frau Zappadong
Satire in der kommerziellen Presse gibt’s doch mit Titanic, Eulenspiegel und – Achtung, ein kleiner Scherz – Weltwoche doch genügend.
Sehr unterstützenswert die Idee mit dem Hinweis aus lesenswerte Blogs. Ich orientiere mich da auch eher an Blogrolls in von mir geschätzten Blogs als an Hitlisten.
Kommentar zur Blogempfehlung: Oh ja, ich unterstreiche diese Aussage. Herr Lightbringer ist allerdings der Hauswart. Türsteher ist Mr Doorman, ein etwas schwieriger Herr russischer Herkunft mit grosser Verwandtschaft. Wie auch immer: Wenn ich die beiden entlassen müsste, würde es mir das Herz brechen!
Moment, Frau Zappadong, sie kommentieren zu schnell, bin da gerade am Rumbasteln. Bin noch etwas unschlüssig ob ich die Rubrik „Empfehlung des Hauses“ oder „Zur Zeit liest Ugugu“ nennen soll. Vielleicht hat jemand eine bessere Idee?
In der Tat, Frau Zappadong, momentan ist ihr Blog die Empfehlung des Hauses. Falls ihr Traffic-Zähler dies verkraften kann, lasse ich das jetzt mal ein paar Tage so stehen.
Herr Gebsn, bei ihnen habe ich im übrigen den Herrn Zgraggen Schagg und den Herrn Wision gefunden, ebenfalls zwei vorzügliche Blogs. Titanic ist guter Stoff, ja. Ich vermisse aber vor allem in Tageszeitungen etwas mehr Humor. Es gibt diese weit verbreitete Angst in Zeitungs-Redaktionen, falsch verstandene Ironie könnte unerwünschte Reaktionen hervorrufen: Etwa Abo-Stornierungen oder böse Leserbriefe. Anstatt dass man an die Leser denkt, die man hinzugewinnen könnte. Deshalb gibt es in jeder Redaktion einen altgedienter Guru, der vielleicht nie ambitiös genug war (oder zu faul oder zu klug) Chefredaktor zu werden, den man vom Namen her kennt. Ja, der Name ist eigentlich das Wichtigste, damit alle Leser genau wissen, wann sie lachen müssen. Achtung! Der soundso schreibt wieder eine seiner spitzen Kolumnen. Ha, ha, ha!
weil sympathisch und weil sich niemand den namen merken kann: neu bei uns in der blogroll, die wir schlicht links nennen, ugugu mit seinem blog, dessen namen man sich nicht merken kann.
@Köbi Bünzli
Boah, diese Erpressungsversuche sind immer die mühsamsten. Ich verlinkt euch jetzt auch mal, aber treibt’s nicht allzu Sauglatt. Vor allem keine Scherze mehr über den Herrn Ché und Fidel Astra, das verträgt Herr Ugugu dann gar nicht.
Mal eine Frage in die Runde: „Aksimet“ mein Spamfilter zeigt heute 33 Spam-Kommentare an, allerdings kann ich nicht alles sehen, was er als Spam eingestuft hat. Falls jemand einen Kommentar hinterlassen hat, der hier nicht erschienen ist, kann ich nix dafür. War das bei irgendwem der Fall?
Hallo,
ist es nicht eine Frage das Anspruchs und auch der persönlichen Verwertbarkeit von Informationen, die einen Blog „gut“ erscheinen lassen.
Selbst wenn ich viele Blogs gerne lesen, ich habe einfach nicht die Zeit sie konsequent zu verfolgen.
Bei der Masse muß man sich einfach Leseprioritäten setzen und diese wechseln nach Anforderung.
Schon oft habe ich mir mal die TOP-fragmichwas angeschaut, aber angekickt hat mich das nicht unbedingt.
Auch das vielgepriesene RSS und was es noch so gibt überflutet den Leser mittelfristig.
Die 3,50 Leser meines Blogs ziehen ihren Mehrwert gemessen an ihren Wünschen.
Klein aber fein. :-) Der eine mags, der andere nicht. Da ist ein Ranging (für mich) völlig Schnuppe.
Viele Grüße aus Bielefeld
M.E.
Richtig, die gute alte Blogroll ist immer noch das, was ich am meisten schätze. Und deshalb schaue ich mir die auch immer zuerst an, in der Hoffnung, die eine oder andere Perle dort zu finden.
Die Krise sehe ich übrigens auch nicht. Es ist nur so, dass die First Mover ihre Midlife Crisis haben und es nicht aushalten, dass andere an ihnen vorbeiziehen, ohne ihnen ihre Reverenz zu erweisen. Bloggen wird immer „normaler“ und wenn niemand mehr darüber spricht, ist es geschafft. Oder führen wir heute noch Diskussionen über Telefon oder TV?
ich finde eine gut gepflegte blogroll auch wichtig. ich hab das bei mir so formuliert:
eine gepflegte blogroll ist wie eine gute weinkarte – man fühlt sich gut aufgehoben, wenns eine hat.
btw: du bist jetzt bei mir auch drin… ;-)
oh, danke herr bugsierer, wie mir scheint, bist du dir noch nicht so ganz sicher wie du mein blog nennen sollst ;-)
Für diese wunderbare Abhandlung haben Sie sich soeben für „unsere“ neue blogroll
qualifiziert, Ugugu.
Neu, ja, richtig gelesen. Das alte blog hat sich in Rekordzeit überlebt und Frau Lot zieht um. Folgen Sie mir unauffällig!
[...] Massstab, um neue gute Blogs zu entdecken, als über die Blogroll von Blogs, die man bereits lese, schrieb Kollege Ugugu vom Journalistenschredder kürzlich. Weshalb er nicht nur eine solche führt, sondern neuerdings auch gesondert jeweils auf [...]
Ich empfehle, einer Blogroll etwas mehr Platz einzuräumen und auf einer dafür reservierten Seite etwas Platz zu schaffen, damit mit einem kurzen Vermerk zusätzliche Neugier geweckt werden kann. Ist einfach nett, ein bisschen promotet zu werden, finden meine ver- und nicht gelinkten Kolleginnen und Kollegen
schau schau – eine alte Debatte huscht da über den Bildschirm. Offenbar hat ugugu’s Appell gewirkt – jedenfalls sieht man diese Roll heute allenthalben, und in musseminuten, beim Warten auf einen Anruf etwa, rolle ich gerne etwas in den Blogs herum.
Wovor ich allerdings warnen möchte: Die Blogroll ja nicht auf eine separate Seite auslagern, wie das @thinkabout empfiehlt. Die Statistiken zeigen, dass separate Seiten kaum je geöffnet werden – wenigstens bei mir.l