YouMe.net: Mashup-Community am Ende?
Wie Ringier in diesen “Businessplan” einen sechstelligen Betrag investieren konnte, wird wohl für immer ein Geheimnis der Ringier-Chefetage bleiben. Ich zitiere daraus nur einen kurzen Abschnitt, um zu veranschaulichen, welche Zielgruppe das Schweizer “Myspace” ansprechen will:
In der Regel dürften die Members auf YouMe.Net so ca. zwischen 18 und 29 Jahre alt sein und gehören laut den Sinus-Millieus zu den modernen Performern, Experimentalisten, Hedonisten und Postmateriellen Typen. Ebenso wichtig, wie die einzelnen Personen sind die sozialen Verhaltensweisen dieser Leute. Wir sprechen hier von dem Phänomen der Smart Mobs. Genau hier setzt YouMe.Net an. Mit einer ausgeklügelten Online Social Network Software können wir die „Schwärme“ inspirieren, mitschwimmen, magnetisieren, Themen kristallisieren und Ereignisse provozieren.
Ehrlich gesagt, ich habe keine Ahnung wie man einen Busines-Plan schreibt, geschweige denn beurteilt, aber wenn man den ganzen Text in einigermassen nüchternem Zustand durchliest, wird klar, dass aus diesem Kuddelmuddel nur die “gemashupteste Community ever” entstehen konnte:
(Screenshot: YouMe.Net)
Und jetzt das: Weniger als ein Jahr nach dem Start wird die Community-Zentrale auf Ebay zu einem Spottpreis verhökert, wie gestern bei infamy zu erfahren war. Ob das erst der Anfang vom Ende oder bereits das Ende ist? Nach dem Motto: Retten was noch zu Retten ist? Immobiliar hin oder her, der zentrale Punkt an dem dieses Startup mit allergrösster Wahrscheinlichkeit scheitern wird, ist ohnehin ein anderer. Er beruht auf einer gnadenlosen Fehleinschätzung, oder besser gesagt, krassen Unterschätzung der eigenen Zielgruppe. Die Jugend von heute mag voyeuristischer und exhibitionistischer veranlagt sein als frühere Generationen, total verblödet ist sie deswegen noch lange nicht. Jugendliche wollen reale Jobs mit realen Löhnen und nicht von irgendwem entdeckt werden, und schon gar nicht ihr geistiges Eigentum an Mitmach-Communities verschenken. Siehe dazu die relativ dreisten AGB’s:
1. Der Nutzer gestattet youme.net, die eingestellten Inhalte für die Erbringung der unter youme.net abrufbaren Dienstleistungen zu nutzen und räumt youme.net die hierfür erforderlichen Rechte an den Inhalten unentgeltlich ein. Dieses Nutzungsrecht beinhaltet insbesondere das Recht, die Inhalte über youme.net oder gegebenenfalls andere Medien weltweit öffentlich zugänglich zu machen, sie zu vervielfältigen, zu verbreiten und auf Dritte zu übertragen
2. youme.net ist weiter berechtigt, im Umfeld zu den öffentlich zugänglich gemachten Inhalten sowie unter ihrer Verwendung, Werbung zu schalten und/oder andere Promotionsmaßnahmen durchzuführen. Der Nutzer erklärt sich hiermit ausdrücklich einverstanden.
However. Von User-generierten, kommerziell verwertbaren Inhalten ist YouMe.net ohnehin meilenweit entfernt. Schon eher nahe an zum Himmel schreienden Inszenierungen die nicht ansatzweise funktionieren. Community-Building ist Knochenarbeit. In den thematisch geordneten Gruppen ist nach knapp einem Jahr kaum ein Hauch von Leben zu spüren. Die Party ist definitiv gelaufen, bevor sie richtig angefangen hat. Man nehme als anschauliches Beispiel etwa die EM-Community, in der wenige Monaten vor der Europameisterschaft kaum richtig Vorfreude aufkommen mag, weil das einzige Mitglied zugleich der Gruppen-Administrator ist.
Warum sich die postmaterialistischen Performer, Hedonisten und Experimentalisten an all den tollen Gruppen nicht beteiligen mögen? Vielleicht weil Teens und Tweens inszenierte “Beinahe”-Enlassungen einfach nur zum Kotzen finden? (Die Videos zu diesem Trauerspiel gibts hier, hier und hier). Bevor ich jetzt weiteren grenzwertigen Content als Beispiel anfüge, verabschiede ich mich besser schnurstracks in die Sarkasmus-Selbsthilfegruppe.


“In der Regel dürften”, “laut Sinus-Milieus”, “Phänomen”, “ausgeklügelt” – mit einem Hauch von semantischer Kompetenz merke ich doch schon an dieser wolkig daherbramarbisierenden Wortwahl, welche Sau hier ohne jeden realen Hintergrund durchs Dorf getrieben werden soll. Aber Marketing – strafverschärft im ‘Medienmarketing’ – wird in Ewigkeit kein bildungsförderliches Studium werden. Deshalb kommt die Einsicht regelhaft erst hinterher, manche sagen auch Erfahrung dazu. Das gehört sich halt so in diesem ‘Sinus-Milieu’. Warum sagen wir’s nicht einfach, wie’s ist im Netz? Hier in den Worten eines schlichtem Gemüts wie Enzensberger:
“Zwar triumphieren auf Tausenden von Homepages Eigenbrötelei und Dissidenz. Keine Nische, kein Mikromilieu, keine Minorität, die im Netz nicht ihre Heimstatt fände. Die Veröffentlichung, im Gutenberg-Zeitalter ein Privileg, wird zum elektronischen Menschenrecht, nach dem Motto: Samizdat für alle. Das erklärt die Angst der Macht vor dem Netz in diktatorisch verfaßten Gesellschaften wie Iran oder China. / Doch zugleich ist das Internet ein Dorado für Kriminelle, Intriganten, Hochstapler, Terroristen, Triebtäter, Neonazis und Verrückte. Hie rfinden alle Sekten und Kulte ihr gemütliches Auskommen. Endlich können sich Welterlöser und Satanisten zusammenschalten. . . . Da kein Zentrum vorhanden ist, kann sich jeder einbilden, er befinde sich, wie die Spinne im Netz, im Mittelpunkt der Welt. Kurzum, das interaktive Medium ist weder Fluch noch Segen; es bildet schlicht und einfach die Geistesverfassung seiner Teilnehmer ab.”
[...] 23. Februar 2008 von Tim Ein schöner Artikel zu zum schweizerischen Youme.net von und bei ugugu. [...]
ich klicke ja sehr selten auf die homepages von kommentatoren in blogs, aber nachdem du sowohl bei andreas, als auch bei tim (derzeit wirklich meine lieblingsblogs) unter dem gleichen namen kommentiert hast, bin ich dann doch mal hier rausgekommen.
und schon bist du in meinem feedreader!
andreas?
Andreas Göldi – medienkonvergenz…
Ach so, der Göldi from the Blogswerk, den hab ich ja zufällig auch in meiner Blogroll…
Und im übrigen einmal ein Dankeschön an alle Feed-Abonnenten, insbesondere an R. Neve, der sogar dazu steht ;-)
Das Projekt “youme.cube”
Würden wir die Server verkaufen, käme das wahrscheinlich einem Verkauf von “Haus und Hof” nahe. Aber nur weil wir das Projekt-Office verkaufen, gibt es noch keinen Grund zur Panik. Das Projekt youme.cube war von Anfang an auf 1 Jahr befristet. Begonnen hat die Reise mit dem mobile Office durch die Schweiz am 20.03.07 beim Museum für Kunst und Gestaltung in Zürich. Und so haben wir denn auch jetzt die Auktion gestartet. Für Fragen stehe ich gerne und jederzeit zur Verfügung. Marcel Meier
Nur damit er nicht meint, er könne meinen Kommentar der Öffentlichkeit vorenthalten. Ich wollte mal sehen, wie ehrlich der [...]-blogger selbst ist. Deshalb habe ich eben diesen Kommentar in seinem Blog hinterlassen, den er voraussichtlich zensieren wird:
#6 Outer (Name geändert)
Dein Kommentar wartet darauf, vom Administrator genehmigt zu werden.
Es gibt einen Zusammenhang zwischen der Adresse [Zensur]. Wollte nicht kürzlich jemand [Zensur]s E-mail haben? Da ist sie.
Der Beweis für diese Theorie, die Kommentare Nummer 5 [Zensur] Weitere News, den Inhaber dieses Blogs betreffend, in Kürze oder immer wenn es mir passt. Und jetzt bin ich gespannt, wie lange dieser Kommentar nicht “zensiert” wird.
Anmerkung von Ugugu zu Outer: Wer sich in meinem Blog als eine andere Person ausgibt, und gleichzeitig wiederum andere in Verruf bringen will, dessen Kommentare werden in Zukunft kommentarlos gelöscht. Sowas will ich hier nicht mehr sehen. Verstanden? Danke.
@Marcel
Dann bleibt meine Sarkasmus-Selbsthilfegruppe also bestehen ;-)
(Und noch etwas, damit hier nicht etwa falsche Zusammenhänge konstruiert werden, der Kommentar von Outer traf rein zufällig nach der Antwort von Marcel von youme.net auf diesem Blog ein. Ein Zusammenhang besteht in keinster Weise. Der Outing-Versuch betraf einen anderen Blogger.)
@”Die Jugend von heute mag voyeuristischer und exhibitionistischer veranlagt sein als frühere Generationen, total verblödet ist sie deswegen noch lange nicht.”
Also Jamba und studiVZ sprechen einen andere Sprache.
Also was war jetzt hier los? Jemand hat unter der Burka von Lanu den Tim von Blase2null geoutet? Und jetzt sind die lieben Denunzianten außer sich. Ist ja niedlich. Klein Bloggersdorf lässt grüßen.
Man braucht echt nur euren Links zu folgen und schon ist klar wer gemeint ist. Animateure.
@balu
Klar ist, jemand wollte gleich zwei Personen in den Dreck ziehen, wieso interessiert mich ehrlich gesagt nicht. Und vor allem soll er dies anderswo tun. Oder noch besser, gleich ganz unterlassen.
[...] Wie dem auch ist – die Holzhütte, in der das Projekt beheimatet war, wird zurzeit auf Ebay versteigert. Einstiegsgebot: 48.000 CHF (ca. 30.000 EUR). Aktuelle Gebote: 0. Ende der Auktion: 4. März 2008, 9:28 Uhr. Der Verkauf des “Cubes” nach einem Jahr ist im Businessplan vorgesehen. Die Members auf youme.net hätten zwischen 18 und 29 Jahren alt sein sollen – sie “gehören laut den Sinus-Millieus zu den modernen Performern, Experimentalisten, Hedonisten und Postmateriellen Typen” (aus dem Businessplan, via dem Blog, dessen Namen man sich nicht merken kann). [...]
[...] Imagepolitur in eigener Sache genötigt fühle. Also: Auslöser der Misere waren die hier, dann kam meine Spekulation hinzu, der hier fasste den buzz zusammen (wie immer detailgetreu und inklusive history), und die hier [...]
[...] muss. Wer den digitalen Marktplatz der Zukunft schaffen will, muss mit der grossen Kelle anrichten. Ringier besitzt genug Ressourcen, um für ein Produkt Werbung zu machen. Denkbar ist es das die [...]