Henry, der erste Superstar auf Talenters
Henry ist arbeitslos. Dem Mühsal der täglichen Schufterei entkommen. Das hat er sich immer schon einmal gewünscht, jetzt mit 50 ist er dort angekommen. Endlich Zeit Freundschaften zu pflegen, ok, finanziell muss Henry sich ein wenig einschränken, aber nicht was die sozialen Kontakte betrifft, Henry ist jetzt ein richtiger ‘Networker’. Den Neid seiner Freunde kann Henry verkraften. „Arbeitslos sein ist cool“, sagt er nun des öftern auf Cocktailpartys. Und Langeweile lässt Henry in der Freizeit nicht aufkommen: Neben dem Fitnesstudio hat er ja noch seine Modelleisenbahn. Arbeitslose klönen einfach zu viel, denkt sich Henry, verlieren zu schnell die Perspektive, oder noch schlimmer, werden Depressiv, aber ihm, Henry, geht’s prächtig. Denn Henry hat eine liebe und ganz doll lustige Frau sowie drei Kinder, die stets Verständnis für seine Situation haben. „Unser Kühlschrank ist zwar leer“, prahlen die Kinder in der Schule nicht ohne Stolz, „dafür sind wir nicht Fett!“. Am Nachmittag spielen sie mit Henry Fussball oder unternehmen lange Spaziergänge im Wald. Am Abend jedoch, wenn die Kinder im Bett sind, dann taut Henry erst richtig auf, dann wird er so ‘fucking outgoing’, wie Mariott zu sagen pflegt. Dann drückt Henry seiner Frau liebevoll die Super-8-Kamera in die Hand und sagt: „Yeah Baby, mach mich zum Star! Zum Star auf dem Arbeitsmarkt.“
Warum man sich als Arbeitsloser auf einer Videoplattform zum Affen machen soll, leuchtet mir beim besten Willen nicht ein…

Manche Leute verstehen den Begriff ’social media’ notorisch miss …
…zu diesem assozialen Pack gehören auch die Leute, die seit Tagen ohne Unterbruch nach „Ugugu“ googeln. Ihr geht mir langsam definitiv auf den Sack!