Heisse Boys and Girls in der “heute community”
Was Personalchefs den ganzen Tag so machen hat sich längst rumgesprochen. Dachte ich bislang. “Sie googeln und googeln und googeln”. Das sind nicht meine Worte, sondern die eines Bekannten in einer Human Ressource- Abteilung einer grösseren Schweizer Firma. (Ein zynisches Arschloch, aber das nur so nebenbei bemerkt). Umso mehr erstaunt es, dass längst nicht mehr nur Teenager ihr halbes Leben im Netz ausbreiten. “Social Networks” gibt es unterdessen hunderte: Xing, StudiVZ, Facebook und wie sie auch immer heissen.
Warum IHR das macht ist mir nach wie vor schleierhaft, ich kann darüber nur spekulieren:
- Ihr habt Arbeitsverträge auf Lebenszeit.
- Ihr seit auf Jobsuche.
- Ihr wollt einen besser bezahlten Job. Ein wenig Daten-Exhibitionismus kann dazu nicht schaden, denkt ihr.
- Ihr glaubt, der nächste Fick ist nur zwei, drei Klicks entfernt.
- Ihr seit noch nie von einem “Stalker” terrorisiert worden.
- Ihr vertraut grundsätzlich jedem Mistkerl. Und Personalchefs, die im Internet nach Fotos, Texten, usw. ihrer zukünftigen Angestellten suchen, sind Mistkerle, weil sie das Vertrauen, dass ihr ihnen entgegenbringt, mit einem Schlag ins Genick belohnen. (Beruht Vertrauen nicht vielleicht auch ein bisschen auf Gegenseitigkeit?)
- Grundsätzlich ist es euch egal, wie und wer euch überwacht, wer euch nachspioniert. Ihr denkt, es gibt nichts zu verbergen. Alle anderen machen es auch, und weil es alle anderen auch machen, kann es nicht so schlimm sein.
Der totale Selbstbetrug. Glaubt mir: Jeder hat etwas zu verbergen. Oder denkt ihr, es ist eurer Karriere förderlich, wenn der Chef erfährt, dass ihr soeben zum hottest Boy oder hottest Girl in der “heute-Community” aufgestiegen seit? Auch nicht gerade beliebt bei Personalchefs sind Labertaschen, die zusätzlich ihre sexuellen Präferenzen ins Internet nageln. Nennt mich altmodisch. Aber es hat durchaus Vorteile seine intimsten Geheimnisse nur mit einem kleinen Personenkreis zu teilen. Reicht die beste Freundin, der beste Freund nicht? Muss es gleich ein Millionenpublikum sein? Nur meine Meinung. Dass es Betreiber solcher Netzwerke nicht immer so ganz genau mit dem Datenschutz nehmen, ist andernorts nachzulesen.
Wer jedoch aussteigen will, hat jederzeit die Möglichkeit seine Daten zu löschen. Ob dann alle Daten aus dem Netz verschwunden sind, na ja, dafür würde ich mal nicht meine Hand ins Feuer legen. Aber immerhin seit ihr die ärgsten Datenkraken los. Bei Heute-Online zum Beispiel funktioniert es so: “Klick” auf diesen Link, Login und Passwort eingeben, danach unten Links im Formular (siehe Screenshot) bestätigen. Und noch etwas: Freunde findet ihr auch ohne Mitgliedschaft in solchen Pseudo-Freunde-Netzwerken. Oder um es etwas pathetisch zu formulieren: Pflegt eure privaten Daten wie ein eigenes Kind, dem ihr eine Zukunft in Freiheit wünscht.

Ja da kann ich Dir nur beipflichten. Eine Ausnahme habe ich. Ich bin bei Xing dabei, kann dort aber selber bestimmen wer was lesen darf von mir. Und die allgemeinen Punkte habe ich in Xing so verfasst, dass es auch jedermann lesen darf, ohne dass er zuviel (auf jedenfall mehr als ich wollte) von mir erfährt.
In diesem Sinn. “Ich bin Deiner/Ihrer Meinung”
Zum Thema Xing gehts hier weiter.
Na und? Würdest du jemand nicht einstellen, nur weil er zum hottest boy einer community gewählt wurde? Weil er ein Tagebuch oder in Blog führt? Weil er irgendwelche sexuellen Präferenzen hat? Gut, ich bin kein Personalchef, aber wäre ich einer, wäre mir das egal. Hat das irgendwas mit der Qualität seiner Arbeit zu tun?
Grundsätzlich nämlich nicht. Es sei denn, ich finde primitive Äusserungen von dieser Person oder stosse auf Mitgliedschaften und Aktivitäten, die ich nicht in meiner Firma in Einklang bringen kann. Oder ich andere lese Blogeinträge über ihn, die ihm gewisse Eigenschaften nachweisen.
Nur der Fakt alleine, dass man in x Communities Mitglied ist, heisst noch nichts negatives. Es gibt für mich also keinen Grund, alles zu löschen. Man sollte nur gründlich nachdenken, bevor man seine Spuren hinterlässt.
Ich kann nur sagen: In einer Firma, die mich nicht einstellt, weil ich mich für Modellbau oder für Handschellen interessiere und das im Internet kund tue, möchte ich sowieso nicht arbeiten. Du schon?
Es geht hier nicht darum, wen ich einstellen würde, Ronnie. Ich habe kein Problem mit Leuten, die sich für Modelleisenbahnen oder Handschellen interessieren. Von mir aus kannst Du in deiner Freizeit auch bekifft beim Ficken Sturmgewehr schiessen, oder betrunken mit 140 kmh auf der Autobahn Sudokus lösen. Es geht um etwas Grundsätzlicheres.
Warum sollte dein Chef all diese Dinge über dich erfahren? Es geht ihn einen feuchten Nippes an. Das Problem ist, dass Du gar nie erfahren wirst, ob Du für diesen Chef hättest arbeiten wollen, weil der Personalchef dein Dossier zuvor ausgesiebt und nie an den Chef weitergeleitet hat.
Was Du erfahren wirst ist: “Leider haben wir uns für einen anderen Kandidaten entschieden, für ihre berufliche Laufbahn wünschen wir Ihnen alles Gute”, Danke, Tschüss. Mehr nicht. Firmenintern wird das ganze etwas anders bewertet. Am Schluss hatten wir zwei geeignete Kandidaten bei gleicher Qualifikation, einer sogar etwas besser. Wir haben uns dann aber doch für den anderen entschieden, irgendwie sah der auf diesen Partyföteli dann doch etwas zu sehr wie auf LSD aus.
Wieso sollte es bei der Personalrekrutierung eine Rolle spielen, wieviel Bier Du dir in deiner Freizeit mal über den Durst genehmigst? Wieso sollten Privatangelegenheiten überhaupt eine Rolle spielen? Und wieso heisst Privatleben Privatleben?
Ja, die Personalchefs haben durch die freiwillige Öffentlichmachung von Informationen eine breitere Entscheidungsgrundlage. Aber, anders als andere Überwachungsmassnahmen, ist es freiwillig, ob und wieviel man von sich preisgibt.
Dass es auch berufliche Konsequenzen haben könnte, wenn jemand allen erzählt, dass sein Lieblingshobby Komatrinken ist, sollte eigentlich niemand überraschen.
Passt wunderbar zu deinem Beitrag:
http://www.spiegel.de/schulspiegel/leben/0,1518,druck-531569,00.html