Journalistenschredder…

Zeitungen als Akteure im “parasitären Mitmachweb”

Veröffentlicht in Nicht kategorisiert by ugugu am Januar 16th, 2008

Was mich an Verlegern nervt? Sie sind wankelmütig und kappieren nix. Nada. Das Phänomen Blogs nehmen sie als “Gratis-Ressource” oder höchstens als “Talentschmiede” war, um billige Schreibkräfte zu rekrutieren. Wenn es mit dem Trafficgenerieren auf den Zeitungswebsites mal nicht so richtig klappt, weil Journalisten keine Blogger sind et vice versa, versuchen Verleger - stets nach Klick-Monopolen strebend - den Meinungsmarkt mit Foto-Klickstrecken und/oder Archivöffnungen zu dominieren. Letzteres ist ja durchaus begrüssenswert, gleichzeitig bringt es die Wankelmütikeit der Verlegerzunft zum Ausdruck: Mal werden Textarrchive geöffnet, dann wieder geschlossen - immer dem optimalen, kurzfristigen Monetarisierungserfolg entgegen. Mal sollen die Leser zahlen und zwischendurch gibts Gratishäppchen. Wohin sich die Links verirren, wenn die Texte wieder im Bezahlarchiv Landen, interessiert sie nicht.

Gewiss, ich kann dieses Treiben entspannt von der Seitenlinie beobachten, etwa wenn die “New York Times”, der “Spiegel”, die “Zeit”, und andere, deren Archiv ich nie sehen wollte (z. Bsp. “Focus”), sich um das Verlagsmodell der Zukunft balgen. Ich betrachte es als eine Art Sandkastenspiel, den Wettbewerb dazu habe ich mal zum Medienspiegel ausgelagert.

Neben dem gegenwärtigen Trend “die Pforten” zu öffnen, gibt es einen Trend, den ich weit weniger entspannt beobachte: Verlage als Akteure im ‘parasitären Mitmachweb’. Mit Facts 2.0 hat der Zürcher Tages-Anzeiger vor kurzem einen solchen Grundstein Grabstein gelegt. Andere Schweizer Verlage hecheln mit ihren Webprojekten weitgehend ihren deutschen oder amerikanischen ‘Vorbildern’ hinterher. (Mal abgesehen vom heroisch versenkten Ringier-Blog-Flaggschiff Blogstetten. Der eine oder andere Blogger mag seine Lektion aus solchen und ähnlichen Projekten gelernt haben: Never work for promises into the future.)

Eine Beispiel funktionierender Zeitungspräsenz im ‘parasitäre Mitmachweb’ ist das Fussballblog ‘Zum Runden Leder’ des Berner Bundes. Wie mir kürzlich geflüstert wurde, ist dieses Blog für einen Grossteil des Traffics auf eBund verantwortlich. Mit etwas Anschubhilfe wurde aus einem Blog, dank passionierten und sprachwitzigen Fussballnerds, ein Selbstläufer. Bis heute hat keiner der Blogger je einen müden Rappen gesehen. Wie bitte? Ein riesiger Medienkonzern (tamedia) mit satten Gewinnen lässt Leute gratis arbeiten, für etwas Applaus in den Kommentaren. Womit sich der Kreis wieder schliesst: Sehen Verleger Blogs, denken sie nur an “free content” - und an die Werbeeinnahmen. Einmal in Gang gesetzt, glauben sie, lässt sich die Gelddruckmaschine nicht mehr stoppen. Der feuchte Verlegertraum von den sich verselbständigenden Communities dürfte bald ausgeträumt sein. Was sie nicht berücksichtigen: Perpeetum-Mobile-Erfinder landen meist früher als später auf dem Boden der Realität.

(Klammerbemerkung für Peter Hogenkamp: “Zum Runden Leder” = Zügelpotenzial)

So what? Soll in der Zwischenzeit jeder Blogger nach seiner Facon seelig werden. Wenn ich jedoch die Diskussionen um die Onlinebemühungen der WAZ-Mediengruppe in Deutschland betrachte, befürchte ich, dass wir momentan noch an einem hässlichen Zeitpunkt stehen, der noch viel Spielraum für Parasitaten offen lässt. Offline-Journalisten verbeissen sich in die Waden der Onliner (siehe Kommentare im Pottblogg) und Blogger versklaven sich nach wie vor für Spass-Projekte wie Fudder (Badische Zeitung).

Die Verleger werden das AAL-Prinzip noch eine Weile zu ihren Gunsten nutzen.

Und die Grenzen dieses Prinzips zu spüren bekommen.

19 Responses to 'Zeitungen als Akteure im “parasitären Mitmachweb”'

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  1. Peter Hogenkamp said, on Januar 16th, 2008 at 2:26 Uhr nachmittags

    Danke.

  2. ugugu said, on Januar 16th, 2008 at 4:10 Uhr nachmittags

    Bitte, was gibts als Zuhälterprovision?

  3. Peter Hogenkamp said, on Januar 16th, 2008 at 8:22 Uhr nachmittags

    Provision gibt’s erst, wenn sie unterschrieben haben. Ist bei der Versicherung nicht anders.

  4. Noz said, on Januar 16th, 2008 at 9:33 Uhr nachmittags

    *überleg*

  5. ugugu said, on Januar 16th, 2008 at 9:54 Uhr nachmittags

    Oh, hallo Noz, und erst einmal sorry. Ist nicht die feine Art Verhandlungen einzuleiten, ohne vorher den Verwaltungsrat einzuweihen. Ich denke aber, der Tansfer sollte klappen. Die zwei, drei Klicks die Peter braucht um seine Trafficzahlen zu verhundertfachen, liefert ihr doch in weniger als 10 Tagen.

  6. Noz said, on Januar 16th, 2008 at 9:56 Uhr nachmittags

    Wir verlangen vierhunderttausend pro Person, und dann weitere zehntausend monatlich.

    Und Alfa Romeos für alle.

  7. ugugu said, on Januar 16th, 2008 at 10:46 Uhr nachmittags

    Vierhundertausend? Ein Klacks! Weitere fünfhundert pro Blogeintrag und ein Mobility-Mietwagen, Opel Zafira, sollte das ganze Team reinpassen - inklusive Hakan.

    @Peter
    Geht das ok so?

  8. Natischer said, on Januar 17th, 2008 at 8:26 Uhr vormittags

    Ich will keinen Alfa.

  9. ugugu said, on Januar 17th, 2008 at 8:36 Uhr vormittags

    Der Alfa ist meine Provision, hat Peter Hogenkamp gerade getwittert.

  10. häck said, on Januar 17th, 2008 at 8:56 Uhr vormittags

    Krieg ich auch was?

  11. Natischer said, on Januar 17th, 2008 at 9:08 Uhr vormittags

    Im Gegenteil, Herr häck! Sie müssen wegen des Rappens drüben noch einen Füfliiber in die Wortspielkasse schmeissen.

  12. Noz said, on Januar 17th, 2008 at 9:10 Uhr vormittags

    Den hier generierten Traffic stellen wir Ihnen dann gerne separat in Rechnung, Herr ugugu. Ist das recht so?

  13. häck said, on Januar 17th, 2008 at 9:12 Uhr vormittags

    Ich hab mit mehr gerechnet, aber ein Füfliber ist OK. Ich hätte aber sonst noch müde Rappen zu Hause.

  14. Natischer said, on Januar 17th, 2008 at 9:20 Uhr vormittags

    Kann man die essen, Herr häck? Ich bräuchte mal wieder was Währschaftes.

  15. ugugu said, on Januar 17th, 2008 at 9:34 Uhr vormittags

    @Noz
    Ich glaube nicht, dass ich mir das leisten kann.

  16. häck said, on Januar 17th, 2008 at 9:36 Uhr vormittags

    Klar doch Herr Natischer, mit Pommes Alumettes und was für ein Sösseli?

  17. Noz said, on Januar 17th, 2008 at 9:43 Uhr vormittags

    Ist das der Goldpreis, Herr ugugu?

    *lechz*

  18. ugugu said, on Januar 17th, 2008 at 10:25 Uhr vormittags

    Herr Noz, sie sind ein Rappenspalter! (Bitte hier keine Bilder in die Kommentare stellen)

    Ich link jetzt mal zurück, damit meine Leser auch etwas Grundlagenwissen erhalten.

  19. Natischer said, on Januar 17th, 2008 at 10:42 Uhr vormittags

    Ich glaub, ein rechter Brocken Kräuterbutter wär nicht falsch, Herr häck. Und einen netten Burgunder, wenns hat.

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